Kunst in Frankfurt (Oder)
: Spielen mit der Stasi bei „Zack-Zack – Interieur Underground“

Wenn die Marienkirche in Frankfurt (Oder) eine Baustelle wird. Die Kunstausstellung „Zack Zack – Interieur Underground“ präsentiert Installationen zu 35 Jahren friedliche Revolution.
Von
Janine Reinschmidt
Frankfurt (Oder)
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Künstler Reinhard Zapka ist zurück in Frankfurt (Oder). Mit seiner Ausstellung "Zack Zack" in der Marienkirche geht es um 35 Jahre friedliche Revolution.

Reinhard Zabka ist mit seiner Ausstellung „Zack Zack – Interieur Underground“ in der Marienkirche in Frankfurt (Oder). Mit seiner Frau Dorota Zabka präsentieren sie Kunstwerke zum 35. Jahrestag der friedlichen Revolution.

Janine Reinschmidt
  • Ausstellung "Zack Zack – Interieur Underground" in der Marienkirche, Frankfurt (Oder).
  • Installationen zum 35. Jahrestag der friedlichen Revolution, kuratiert von Reinhard Zabka.
  • Besucher erwartet eine Baustellen-Atmosphäre, Sinnbild für Demokratie als ewige Baustelle.
  • Highlight: "Stasi Poli"-Spiel, symbolisiert Alltagsschwierigkeiten in der DDR.
  • Geöffnet bis 14. November, spezielle Inszenierung am 9. November geplant.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Beim Betreten der Marienkirche in Frankfurt (Oder) staunen viele Besucher nicht schlecht. Denn in dem gotischen Backsteingebäude sieht es aktuell aus wie auf einer Baustelle: rot-weiß bemalte Holzinstallationen schmücken das Innenleben der Kirche aus dem 13. Jahrhundert. Aber keine Sorge: die Kirche wird nicht umgebaut. Dort läuft aktuell die Ausstellung „Zack Zack – Interieur Underground“ von Kurator und Inhaber des Lügenmuseums in Radebeul Reinhard Zabka.

Die Baustellenfarben habe der Kurator bewusst gewählt. Sie sollen die Probleme der Demokratie widerspiegeln. „Es gibt nicht die eine richtige Form von Demokratie und sie entwickelt sich zudem ständig – sie ist quasi eine ewige Baustelle“, sagt er. In mehreren Kunst-Installationen, die in ihrer Anordnung an ein Labyrinth erinnern, thematisiert Zabka den 35. Jahrestag der Friedlichen Revolution 1989. Jede Installation behandelt einen anderen thematischen Schwerpunkt und gehört zu einem anderen Künstler. „Die Ausstellung ist ein Gemeinschaftsprozess und keine Ego-Show“, erklärt Zabka.

Zabka hatte in der DDR schon eine Ausstellung in Frankfurt (Oder)

Die labyrinthförmige Gestaltung geht auf seine vorherige Ausstellung „Labyrinth der Wende“ zurück, mit welcher Zabka 2009 bereits in der Marienkirche war. „Ich hatte auch 1989 vor der Wende in der Galerie für junge Kunst eine Ausstellung zum Thema ‚Nichts zwischen Utopie und Apokalypse‘“, berichtet der Kurator. Nach 15 Jahren verschlägt es den Künstler erneut nach Frankfurt (Oder).

Mit „Zack Zack – Interieur Underground“ gehen Besucher auf eine spezielle und zugegen ungewöhnliche Entdeckungstour – abseits von historischen Werken oder Bildern. Mit traditioneller Malerei, die versteckte Botschaften enthält oder gar zum Denken anregen soll, haben die einzelnen Installationen so gut wie gar nichts zu tun.  „Die Menschen denken eh schon zu viel“, erzählt Zabka. Vielmehr geht es um eine kreative, fast abstrakte Darstellung der friedlichen Revolution, die jeder Künstler auf seine eigene Weise in der Ausstellung präsentiert. „Wir sammeln quasi Legenden, gehen damit aber spielerisch um“, erklärt der Kurator.

Spielerisch ist auch der Name der Ausstellung „Zack Zack“ zustande gekommen. „Wir haben die Installationen intuitiv aufgebaut – aus dem Stand heraus“, erklärt Zabka und deutet auf seine Frau, die ihn bei dem Projekt unterstützt hat. Der „instinktive Aufbauprozess“ sollte sich nach Angaben von Zabka im Namen der Ausstellung wiederfinden – und Zack Zack sei kurz, knapp und passend gewesen.

Spiel „Stasi Poli“ bei Ausstellung „Zack Zack“ in Frankfurt (Oder)

Was aber ist in der Ausstellung genau zu finden? Zum einen gibt es selbst gestaltete Revolutionsbrillen zum Aufsetzen, eine bunte, gebastelte Rakete in einem Kinderwagen und Kerzen in Dynamitform zu sehen. Aber auch kleine Texte wie Flugblätter zum Lesen oder Filme zum Anschauen.

Ins Auge sticht jedoch ein rundförmiges, eigens entwickeltes Gemeinschaftsspiel aus Pappe, Papier und Kronkorken namens „Stasi Poli“. Es soll das Leben beziehungsweise die Schwierigkeiten im Alltag in der DDR symbolisieren. Hier lässt sich im übertragenen Sinne mit der Stasi spielen. Jeder Kronkorken stellt ein Feld dar, welches eine Anekdote in Form einer Spielaufforderung wiedergibt: „Du hast Witze über die DDR erzählt“ oder „Sie schreiben eine Eingabe an den Staatsrat“.

Das Spiel Stasi Poli bei der Ausstellung in der Marienkirche in Frankfurt (Oder)

Das Spiel Stasi Poli bei der Ausstellung in der Marienkirche in Frankfurt (Oder).

Janine Reinschmidt

Ob das letztlich Kunst oder sinnlos sei, müsse jeder für sich selbst entscheiden. „Darüber lässt sich streiten“, erklärt Zabka. In einem ausgelegten Gästebuch können Besucher ihre Rezensionen und Eindrücke hinterlassen. Diese fallen ganz unterschiedlich aus – von „sehr interessant und gelungen“ bis „verstörend und nicht geschichtsrealistisch“. Um sich selbst ein Bild davon zu machen, können Interessierte die Ausstellung bis zum 14. November besuchen. Eine künstlerische Inszenierung am Tag der friedlichen Revolution (9. November) ist ebenfalls geplant. Genaue Details sind noch nicht bekannt.

Die Besuchszeiten der Ausstellung richten sich nach den Öffnungszeiten der Marienkirche. Bis zum 30. September von 10 bis 18 Uhr, ab dem 1. Oktober von 11 bis 15:30 Uhr. Montags ist die Kirche geschlossen.

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes wurde der Nachname von Dorota und Reinhard Zabka falsch geschrieben. Dieser Fehler wurde korrigiert.