Kunst in Neuhardenberg
: Was Künstler aus Berlin nach Brandenburg gelockt hat

Die Ausstellung „Der Himmel über Brandenburg“ in Neuhardenberg ist ein Muss für alle, die die Schönheit Brandenburgs entdecken möchten.
Von
Christina Tilmann
Neuhardenberg
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Karl Hagemeister, Frühlingsabend II, 1907, Öl auf Leinwand, Bröhan-Museum, Berlin

Reproduktion: Martin Adam, Berlin

Kiefern und Birken, Schilf und Sand, Seen und Wälder – dit is Brandenburg. Viel Landschaft, Stille und Einsamkeit. Oder um es mit dem unvermeidlichen Fontane zu sagen: „Ein klarer, lichter Tag; blauer Himmel und Sonne, und doch ein feiner grauer Nebelschleier, der über Wasser und Landschaft liegend, alles milderte und dämpfte.“

Das lockte schon die Berliner Künstler des ausgehenden 19. Jahrhunderts, die zumeist von ihren Sommerhäusern in Wannsee, Petzow oder Ferch auszogen, die brandenburgischen Landschaften ins Bild zu setzen. Gemalt wurde, der französischen Schule folgend, zumeist vor Ort, gern direkt im Ruderboot auf dem See, oder im Winter im Schnee.

Sieben Künstler, 41 Bilder

Die Stiftung Schloss Neuhardenberg hat sich jetzt unter dem Titel „Der Himmel über Brandenburg“ sieben dieser Künstler vorgenommen, ganz bekannte wie Walter Leistikow, Karl Hagemeister und Lesser Ury, unbekanntere wie Emil Pottner und Philipp Franck, zu Unrecht vergessene wie den Akademiemaler Paul Vorgang – und eine Künstlerin, die 1944 in Theresienstadt gestorbene Julie Wolfthorn. Mit 41 Gemälden dokumentiert die Ausstellung die Entdeckung Brandenburgs als Motiv – oder besser als Nicht-Motiv. Denn anders als die Romantiker, die Gebirge, Kirchenruinen, Meereseinsamkeiten wirkungsvoll ins Bild setzten, suchen die Berliner Impressionisten bewusst alltägliche Gegenstände, die sie mit Farbe und Licht überhöhen.

Ein Sandweg, ein paar Birken, ein blühender Apfelbaum, Schilf im Wind, Stauden in Gärten oder ein Paar auf einer Bank am See. Das hat, bei der in Frankreich ausgebildeten Julie Wolfthorn, manchmal französische Leichtigkeit, manchmal, wie bei Philipp Franck mit seinen Segelschiffen am Wannsee, die leuchtende Frische eines Sommertages. Oft aber sind die Stimmungen dunkel oder dräuend, die Kiefernwälder fast schwarz, der See im Abendlicht wie bei Leistikows berühmten Grunewald-Bildern.

Dass sich just an einem Bild von Walter Leistikow einer der großen Kunststreits entzündete, der schließlich zur Gründung der Berliner Secession führte, stützt die These von Kurator Simon Häuser: „Landschaften sind nicht trivial. Sie sind politisch“. Die Entscheidung, nicht Historienbilder oder Porträts zu malen, sondern märkische Seen und Kiefernwälder, hat auch mit einem neuen Verständnis von Nation und Heimat zu tun. Theodor Fontane mit seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ ist da tatsächlich Initiator für eine ganze Bewegung.

Dass die Sehnsucht nach Seen und Wäldern auch mit der Flucht aus den zunehmend überfüllten, bedrängenden Großstädten zusammenhängt, zeigt das Beispiel von Lesser Ury. Berühmt wurde er für seine Nachtbilder aus Berlin, mit lichterfunkelnden Straßenszenen. Doch in Neuhardenberg hängt eine kleine Kreidezeichnung, ein Paar auf einer Bank am See, rechts ein Baum. Der Wald düster, der Himmel grau, der See tiefgrün – ein anrührendes Bild der Naturverbundenheit. So oder ähnlich findet man es heute noch zwischen Stechlin und Schermützelsee.

Die Ausstellung in Neuhardenberg würdigt die Farbexplosionen eines Karl Hagemeister, aber auch den psychedelischen Sonnenuntergang eines Paul Vorgang – auch wenn die Hängung in der Ausstellungshalle etwas brav gerät. Wer sich an den Frühlings- und Sommerlandschaften noch nicht sattgesehen hat, dem empfiehlt Simon Häuser einen Spaziergang durch den Landschaftsgarten von Schloss Neuhardenberg. Die romantisch gestalteten Gartenwelten eines Peter Joseph Lenné, Hermann Fürst von Pückler-Muskau oder John Adey Repton sind so ziemlich das Gegenteil der kargen See- und Waldlandschaften auf den Bildern. Aber auch dit is Brandenburg.

„Der Himmel über Brandenburg“: 23. März–2.Juni, Di–So 11–18 Uhr; Eröffnung Sonnabend, 15 Uhr, Eintritt frei

Saisonstart in Neuhardenberg am 21./22. März 2024

Mit der Ausstellung „Der Himmel über Brandenburg“ eröffnet gleichzeitig die diesjährige Veranstaltungssaison in Neuhardenberg. Schon am Freitag (21.3.) liest der Schauspieler Richy Müller aus Guy de Maupassants Erzählung „Auf See“ über eine Kreuzfahrt mit einer Jacht von Antibes nach Saint Tropez im Sommer 1887. Am Klavier begleitet ihn Reinmar Henschke. Zur Veranstaltung kann man auch ein Drei-Gänge-Menü inkl. Aperitiv für 85 Euro buchen.

Am Sonnabend (22.3.) um 19 Uhr ist in der Schinkel-Kirche die norwegische Jazzsängerin Rebekka Bakken zu Gast. Tickets gibt es unter www.schlossneuhardenberg.de oder 033476 600750.