Wenn Gudrun Fischer-Bomert eine Pause braucht von der Arbeit an ihren Objekten, dreht sie eine Runde durch den Wald. Die verwunschene Umgebung steht ganz im Gegensatz zu dem Material, das die Künstlerin seit ein paar Jahren besonders beschäftigt. Sie baut aus Plastik-Trinkhalmen Objekte, die in jedem Blickwinkel anders aussehen. Bei frei im Raum stehenden Werken spielt sie mit den Hohlräumen der Halme. Wer direkt davorsteht, kann sehen, was sich dahinter befindet. Es ist das Spiel mit Transparenz, das Gudrun Fischer-Bomert schon lange fasziniert. Auch bei ihrer Beschäftigung mit Wasser, das auch in ihrer Malerei eine Rolle spielte, ist Transparenz ein Thema.
„Meine Arbeiten bewegen sich zwischen Politik und Poesie“, erklärt die Anfang 60-Jährige. Anfangs stand dabei der politische Aspekt im Vordergrund. Als 2010 die Bohrplattform Deepwater Horizon in Brand geriet, unterging und zu einer Ölpest im Golf von Mexiko führte, hatte die Künstlerin das Bedürfnis, sich künstlerisch mit der Katastrophe auseinanderzusetzen. Sie nahm schwarze Strohhalme aus Plastik, um das aufsteigende Öl darzustellen. „Zu dem Zeitpunkt habe ich angefangen, mit diesem Erdölprodukt zu arbeiten“, berichtet sie. Es entstand unter anderem ein Vogel, „Brand Star Bird“, der verdreht in einem Drahtgeflecht gefangen zu sein scheint und aussieht wie die verendeten Tiere, die ölverschmiert am Strand landeten. Durch die Hohlräume in den Halmen wirkt der Vogel verletzt und gerupft.
Mit einem Objekt in der Form eines schwarzen Kreuzes widmete sich Gudrun Fischer-Bomert der Situation von Geflüchteten, die auf der Insel Lampedusa ankamen. Sie habe aber dann der Versuchung widerstehen wollen, zu oft mit so starken und häufig verwendeten Symbolen zu arbeiten. „Das Drastische ist nicht meins“, erklärt sie.
Zwar spielen politische Themen in ihren Arbeiten immer noch eine Rolle, ihre aktuellen Objekte aber wirken zurückhaltender und poetischer, stärker auf das Material als auf den Inhalt konzentriert. An den weißen Wänden ihres Ateliers zeigt sie Objekte aus transparenten Halmen. Mit dem fast ein Meter mal ein Meter großen Werk „Konkav“ möchte sie sich in diesem Jahr für den Brandenburgischen Kunstpreis bewerben. Es ist ein Quadrat aus unzähligen transparenten Halmen, deren Öffnungen nach vorne zeigen. Die kürzeren Halme in der Mitte bilden die Form einer Schale. Von Weitem könnte man das Material für etwas Weiches, Schaumiges halten. Der Augenschein steht im Gegensatz zu dem spröden Plastik, das die tatsächliche Grundlage des Werkes bildet.
Die Malerei sei momentan hinter der Arbeit an Objekten zurückgetreten, erzählt Gudrun Fischer-Bomert, die ursprünglich aus Hessen stammt. Die ausgebildete Lehrerin entschloss sich, nachdem sie mit ihrem Mann nach Berlin gezogen war, zu einem Studium der Bildenden Kunst an der Hochschule der Künste. Neben ihrer Arbeit als freie Künstlerin unterrichtete sie auch später noch an Schulen Kunst. Zudem nahm sie an Künstleraustauschprojekten und Ausstellungen teil, unter anderem an der 6. internationalen Biennale im sibirischen Krasnojarsk. 2018 war sie bei der Ausstellung zum Brandenburgischen Kunstpreis im Schloss Neuhardenberg vertreten, und im April wird sie bei der Messe KunstRAI in Amsterdam ausstellen.
Brandenburg ist sie eng verbunden – nicht nur durch Ausstellungen wie in Fürstenwalde und Eberswalde. Sie hat den Atelierhof in Werenzhain (Elbe-Elster) mitbegründet und ist Mitglied des Brandenburgischen Verbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler. Am 4. und 5 Mai nimmt auch der Künstlerhof Frohnau an den offenen Ateliers in Brandenburg teil.
Seit Jahren beschäftigt sich die  Künstlerin auch mit der Verschmutzung der Meere durch Plastik. Die aktuellen politischen Debatten verfolge sie gespannt. In der EU sollen nun Einwegplastik-Produkte wie Trinkhalme verboten werden. Gudrun Fischer-Bomert aber liegt es fern, deswegen ein Depot anzulegen. Sie experimentiert bereits mit anderen Materialien. „Es bleibt lebendig“, sagt sie und lacht.
www.fischer-bomert.de

Ausschreibung


Die Märkische Oderzeitung und die Stiftung Schloss Neuhardenberg laden zur Beteiligung am Brandenburgischen Kunstpreis 2019 ein. Die Auszeichnung steht unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg, Dr. Dietmar Woidke. Prämiert werden Werke der Malerei, Grafik, (Klein-)Plastik sowie Fotografie. Den 2019 zum zweiten Mal vergebenen Preis für Fotografie stiftet die Ostdeutsche Sparkassenstiftung. Bewerben können sich Künstlerinnen und Künstler, die im Land Brandenburg leben oder arbeiten. Die Anzahl der Einreichungen ist auf ein Werk begrenzt, das aus mehreren Teilen bestehen kann und in den vergangenen zwölf Monaten entstanden ist.

Die Bewerbung erfolgt mit der Übermittlung einer digitalisierten Abbildung, die die Arbeit in einer Qualität zeigt, die für eine gedruckte Veröffentlichung geeignet ist (Auflösung mindestens 300 dpi als jpg- bzw. tiff-Datei vorzugsweise als E-Mail oder CD). Eine unabhängige Jury trifft aus diesen Einreichungen eine Auswahl für die Vergabe der dotierten Preise und eine damit verbundene Ausstellung in Neuhardenberg.

Die Künstlerinnen und Künstler der so ermittelten Arbeiten werden danach eingeladen, die Originalwerke einzureichen. Die Werke sollten die Maße von 200 mal 130 Zentimetern nicht überschreiten. Skulpturen müssen physisch von einer Person bewegt werden können. Im Bereich Fotografie sind maximal drei gerahmte Arbeiten, Maße maximal 100 mal 100 Zentimeter, einzureichen.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog. Deshalb gehören zu den Bewerbungsunterlagen eine Vita in digitalisierter Form und ein Porträtfoto (Auflösung mindestens 300 dpi) sowie Angaben zu dem eingereichten Werk inklusive Versicherungssumme. Die Preisverleihung mit anschließender Ausstellungseröffnung findet am Sonntag, dem 23. Juni, 12 Uhr, auf Schloss Neuhardenberg statt.

Einreichungsschluss für die digitale Bewerbung ist am 1. März 2019, per E-Mail unter kunstpreis@moz.de oder per Post, Märkisches Medienhaus, Kunstpreis, Chefredaktion, Kellenspring 6, 15230 Frankfurt (Oder); Infos unter 0335 5530511