Literatur aus Neuwustrow: Kinderbuch aus Oderbruch zum Advent – warum es sich zu lesen lohnt

Spannende Adventsgeschichten zum Schmunzeln: Autorin Katrin Wacker (42) aus Oderaue mit ihrem Erstlingsbuch, das auch als Adventskalender funktioniert: Jeden Tag ein Kapitel bis Heiligabend.
Ulf GriegerDie Weihnachtsdeko ist längst in die Supermärkte gezogen. Die Familienfesttage werden bereits geplant. Mit ihrem Erstling „Scherben, Flucht und Weihnachtsfrieden“ lädt die in Neuwustrow bei Bad Freienwalde lebende Autorin Katrin Wacker mit 24 Geschichten ein, Weihnachten neu zu entdecken und sich auf das Ursprüngliche und Wichtige dieser Zeit zu besinnen. Kurzweilig, lustig und dennoch tiefgründig.
Ist es ein Kinderbuch? Wenn das ein Qualitätsbegriff für gute Literatur ist, sicher auch. Aber nicht nur Kinder, auch jede andere Altersgruppe wird sich an der einen oder anderen Stelle wiedererkennen und schmunzeln können.
Ausbruch aus der nervigen Tradition
Es ist eine turbulente Weihnachtsgeschichte in 24 Kapiteln. Wie ein Adventskalender öffnet jedes Kapitel ein Türchen, das zum Entdecken einer kleinen Welt und zum Schmunzeln einlädt. „Es ist mir wichtig, nicht mit erhobenen Zeigefinger von Weihnachten zu erzählen. Man muss auch drüber lachen können“, sagt die 42-jährige Autorin. Sie schöpft dabei auch aus ihren eigenen Erinnerungen, den gemütlichen Weihnachtfesten bei der Großmutter im Oderbruch. Aber auch aus Erzählungen ihrer erwachsenen Schüler, die sie als Fachschullehrerin so nebenbei erfährt.
Der Leser wird sofort hineingerissen in die Weihnachtsvorbereitungen. Es gibt lange To-do-Listen, deren Aufträge hitzig verteilt werden, mehr oder weniger unsinnige Weihnachtsdekorationen, die in diesem Jahr noch die des Vorjahres toppen müssen.

Im großen Oderbruch-Garten: Katrin Wacker (42) ist nach ihrem Studium aus Potsdam nach Neuwustrow gezogen. Dort schreibt sie ihre Geschichten.
Ulf GriegerDoch Opa Hans sehnt sich nach Ruhe und gönnt sich eine kleine Auszeit. Er haut einfach ab, um dem Trubel für kurze Zeit zu entgehen. Doch seine Spritztour führt ihn und seine etwa 13- und neunjährigen Enkel Pia und Matti, die ihn einfangen und nach Hause zurückbringen sollen, in eine alte Spielzeugfabrik, die wie eine Südseeinsel anmutet. Dort treffen sie den Künstler Bonifatius Kesselhut und seinen Enkel Rufus, nebenan den ehemaligen Cafébesitzer Willi Himmelreich.
Was das Kinderbuch ausmacht
Eher zufällig treffen dort nach und nach immer mehr Menschen aufeinander. Menschen, wie sie unterschiedlicher kaum sein können, finden sich in der alten Fabrikhalle zusammen. Jeder von ihnen trägt sein Schicksal, steht vor Herausforderungen oder ist auf der Suche. Mögen es Einsamkeit, Trauer, Geldnöte, Stress oder Hoffnungslosigkeit sein, die sie bedrücken. Plötzlich jedenfalls, plötzlich eröffnen sich Lösungsansätze, an die kaum einer zu glauben wagte.
Die Weihnachtsbotschaft erwächst aus dem Alltag und bezieht von dort seine Wirkung. Das macht dieses Buch aus und unterscheidet es wohltuend von anderen zu dem Thema. Obwohl die Buchhelden durchaus christliche Traditionen wie das Krippenspiel haben, wird das Buch auch Leser begeistern, die damit von Hause aus eigentlich nichts am Hut haben.
Kinderbuchautorin schrieb auch mal für die MOZ
Katrin Wacker wurde in Nauen geboren und ist im brandenburgischen Havelland aufgewachsen. Nach ihrem Abitur studierte sie Germanistik und Philosophie in Potsdam, später absolvierte sie ein religionspädagogisches Studium in Berlin. Sie wohnt in Neuwustrow bei Bad Freienwalde und arbeitet als Lehrerin an einer Fachschule für soziale Berufe in Lobetal bei Bernau.
Begonnen hatte sie mit dem Schreiben bereits als Kind. Aber vor rund 20 Jahren begann sie auch, mit großem Eifer für die MOZ zu schreiben. Was sie ihren Lesern damals so beschrieb: „So ist das mit der Suche nach der zündenden Idee: Man rauft sich die Haare, bis man merkt, dass sich diese Tätigkeit ziemlich negativ auf das körperliche Befinden auswirken könnte und auch nicht zur Lösung des Problems beiträgt. Man beginnt Bleistifte anzunagen, verzweifelt an seinem Erfindergeist und schnauzt die nächste unschuldige Kreatur an, die einem über den Weg läuft.“
Illustriert wurden die Geschichten von Silke Miche. Die in Nordhausen geborene Künstlerin hat für jeden der 24 Adventskalendertage eine symbolische Illustration gemalt und mit dem Titelbild einen Eindruck von den bunten Turbulenzen gegeben.
„Scherben, Flucht und Weihnachtsfrieden“ von Katrin Wacker, Verlag Andrea Schröder, 200 Seiten, ISBN: 978-3-98648-042-4, 9783986480424


