Generationen von Lesern hat er mit Franz Kafka bekannt gemacht: Seine Streifzüge auf Spuren von „Kafkas Prag“ ist eines der erfolgreichsten Bücher in seiner schönen kleinen Salto-Reihe mit dem charakteristischen roten Leineneinband. Es war die Leidenschaft seines Lebens: Fritz Hirschmann, Herstellungsleiter bei S. Fischer, hatte ihm 1949 Kafkas „Prozess“ in die Hand gedrückt. Wagenbach promovierte 1957 über Kafka, schrieb später ein Biografie über ihn, brachte in seinem Verlag unzählige Bücher zu Kafka heraus. „Kafkas dienstälteste Witwe“ nannte er sich einmal selbst.
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Kafka war der eine Fixstern, Wolf Biermann der andere. Früh schon hat Wagenbach den Lyrikband „Die Drahtharfe“ herausgebracht, da war der Ost-Berliner Dichter noch weitgehend unbekannt. Die DDR verbot dem Verleger dafür zeitweilig Ein- und Durchreise. „Zwar wurde „Die Drahtharfe“ das erfolgreichste Buch des ersten Jahres, aber es kam dem Verlag teuer zu stehen“, schrieb Wagenbach im Rückblick.

Erich Frieds „Liebesgedichte“ erschienen bei Wagenbach

Mit Günter Grass, Ingeborg Bachmann, Pier Paolo Pasolini und Johannes Bobrowski legte Wagenbach die Eckpfeiler seiner Verlagsarbeit. 1966 lernte er Erich Fried kennen und verlegte dessen berühmten Gedichtband „und Vietnam und“. Zu einem der erfolgreichsten Bücher des Verlags wurden Frieds „Liebesgedichte“.
Dass sein Herz links schlug, daran hat Klaus Wagenbach nie einen Zweifel gelassen. Er ließ ein Manifest der „Roten Armee Fraktion“ (RAF) drucken und publizierte das Fernsehspiel „Bambule“ von Ulrike Meinhof. Damals galt der 1930 geborene Wagenbach als das Enfant terrible unter den deutschen Verlegern. Mit den „Rotbüchern“, dem „Kursbuch“ und der Zeitschrift „Freibeuter“ gingen viele Kernpublikationen der westdeutschen Linken zwischenzeitlich durch seine Hände.

Schwerpunkt italienische Literatur

Seit 1987 wurde die Reihe „Salto“ mit Texten zeitgenössischer Autoren im roten Leineneinband zum Markenzeichen seines Verlags. Einer der größten Erfolge wurde 2008 Alan Bennetts „Die souveräne Leserin“ – ein Buch ausgerechnet über die Queen. Ein weiterer Verlagsschwerpunkt lag auf italienischer Literatur.
Nach seinem 80. Geburtstag zog sich der Verleger allmählich zurück, seine dritte Ehefrau, Susanne Schüssler, übernahm den Verlag. Am 17. Dezember ist Klaus Wagenbach mit 91 Jahren in Berlin gestorben, „umgeben von seinen Büchern“, wie der Verlag am Montag mitteilte.