Martin Seifert ist tot
: Theater, DEFA, Ernst Busch – wo er Spuren hinterlassen hat

Mit dem DEFA-Film „Bis daß der Tod euch scheidet“ wurde er bekannt – und war 40 Jahre beim Berliner Ensemble. Nun ist Schauspieler Martin Seifert mit 74 gestorben.
Von
Christina Tilmann
Berlin
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Martin Seifert (links) mit Regisseur Heiner Carow bei den Dreharbeiten zu "Bis daß der Tod euch scheidet). Der Schauspieler starb am 15.7.2025 im Alter von 74 Jahren in Berlin.

Martin Seifert (links) mit Regisseur Heiner Carow bei den Dreharbeiten zu "Bis daß der Tod euch scheidet“. Der Schauspieler starb im Alter von 74 Jahren in Berlin.

DEFA-Stiftung/Waltraut Pathenheimer
  • Schauspieler Martin Seifert starb am 15. Juli 2023 im Alter von 74 Jahren in Berlin.
  • Bekannt wurde er 1979 durch den DEFA-Film „Bis daß der Tod euch scheidet“.
  • Seifert war 40 Jahre am Berliner Ensemble und Dozent an der HfS „Ernst Busch“.
  • Neben Theater und Film prägte er Hörspiele und wirkte an Bach-Projekten mit.
  • Seine Karriere begann am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin in den 1970er-Jahren.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Wie aus himmelhochjauchzender Verliebtheit ein klaustrophobischer Albtraum aus Streit und Gewalt werden kann, hat kaum ein Film so beklemmend vorgeführt wie Heiner Carows „Bis daß der Tod euch scheidet“. Katrin Saß gab in dem DEFA-Streifen von 1979 ihr Filmdebüt als Sonja, die sich nicht mit ihrer Rolle als Mutter und Ehefrau begnügen möchte, sondern mehr will: eine Arbeit als Facharbeiterin und Selbstständigkeit.

Und Martin Seifert ist ihr Mann Jens, der mit dieser Selbstständigkeit nicht klarkommt, der seine Frau zu Hause sehen will, aus Fürsorge, aber auch als Folge einer Kindheits-Vernachlässigung. Und der irgendwann beginnt zu trinken, gewalttätig zu werden ... Szenen einer Ehe, mit viel Gewalt, Alkohol, Abhängigkeit, aber auch einem Kampf umeinander, ums Zusammenbleiben.

Rolle seines Lebens - „Bis daß der Tod euch scheidet“

Es ist eine komplexe, eindringliche Rolle - wer den Film einmal gesehen hat, vergisst den Schauspieler Martin Seifert nicht. 850.000 Zuschauer sahen den Film damals, der wegen seiner kritischen Haltung und seinen offen gezeigten Eheproblemen nicht unumstritten war. Für Martin Seifert war es ein Start in eine Filmkarriere und doch nur eine von vielen Rollen, die er nach 1989 vor allem auch im Fernsehen fand, bei „Tatort“, „Polizeiruf“, Detlef Bucks „Bibi und Tina“ und Tom Tykwers „Berlin Babylon“.

Und es war doch nur ein Teil des Künstlerlebens von Martin Seifert, dessen Stimme unzählige Hörspiele und Hörbücher geprägt hat und dessen Dozententätigkeit an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Generationen von Schauspielstudentinnen und - studenten.

Nun ist, wie jetzt erst bekannt wurde und das Berliner Ensemble mit Berufung auf die „Berliner Zeitung“ bei X postet, Martin Seifert mit 74 Jahren gestorben, am 15. Juli, einen Tag vor dem Theaterregisseur Claus Peymann, den er aus der gemeinsamen Zeit am Berliner Ensemble - Seifert war dort von 1978 bis 2017 in Ensemble - gut kannte.

Theater war immer sein Hauptanliegen, seit dem Beginn seiner Karriere am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin. Zwischen 1974 und 1978 stand er dort unter anderem in „Romeo und Julia“, „Don Carlos“ sowie „Die Tage der Commune“ auf der Bühne und wechselte anschließend nach Berlin an den Schiffbauerdamm, wo er in diversen Rollen wie Romeo, Marquis Posa oder Amphitryon auftrat.

Eine späte Rolle - und Leidenschaft - war der Komponist Johann Sebastian Bach. Für Michael Mauls Bach-Serie bei „Deutschlandfunk Kultur“ hat Martin Seifert den Thomaskantor gesprochen und noch in diesem Jahr beim Bachfest Leipzig bei einem Virtual-Reality-Projekt Bach mitgewirkt. Die leicht singende thüringische Sprachfärbung ist Martin Seifert dabei wunderbar gelungen - für den 1951 in Jena Geborenen war es ein Heimspiel.