Er ist Teil der Schau "comiXconnection" im Museum Europäischer Kulturen (MEK), die noch bis Ende März Comics von mehr als 60 Künstlern aus dem südöstlichen Europa versammelt – und die wiederum ist Teil eines großangelegten Projektes. Die "comiXconnection" ist seit 2013 durch Serbien, Kroatien, Slowenien, Rumänien, Bosnien & Herzegowina, Ungarn und Deutschland getourt; Berlin ist die 20. und letzte Station. Dort wird nun Bilanz gezogen und die Entstehung und Umsetzung des Projekts aufgerollt – es ist also auch eine Ausstellung über eine Ausstellung. Etliches kam erst nach und nach dazu, ein XXL-Gästebuch in Form einer Endlos-Papierrolle etwa. Die Etappen der Europa-Tournee im Sprinter mit all ihren charmanten kleinen Pannen, Highlights und Begegnungen sind wiederum in einem Comic verewigt.
Neben der Lust am Entdecken ganz verschiedener Striche und künstlerischer Sprachen lohnt die Ausstellung aber auch, weil man plötzlich ein Gefühl dafür bekommt, was Europa ist oder sein könnte: Von Belgrad bis Budapest – diese jungen Zeichner  treiben die gleichen Themen um wie Gleichaltrige in Berlin. Wir teilen die gleiche Ideengeschichte (Sisyphos!), ähnliche Probleme und Träume. Wer bisher mit Transsylvanien nur Wölfe verbunden hat, schaut vielleicht überrascht (und beschämt) auf diese quicklebendige Szene, die Festivals organisiert, Verleger und Sponsoren überzeugt, und Magazine herausgibt. Das heißt nicht, dass überall alles gleich ist – oder wer hat schon von Stadtstreicher Mita Kombajn, der depressiven Katze Zorka und Superheld Lavanderman gehört? Alles Comic-Helden aus dem Südosten.
Der Fokus der Schau liegt auf "Independent Comics", also Arbeiten, die nicht oder nur minimal zur Vermarktung gedacht sind. Sie grenzen sich von kommerziellen Mainstream-Comics wie Micky Maus oder Asterix ab – sind schräger oder obskurer, auch mal obszön oder horror-mäßig – und sprechen ein spezielles Publikum an.
Die Abgrenzung zwischen Mainstream und Alternativ sei fließend und von Land zu Land sehr verschieden, so die Macher in der Broschüre zur Ausstellung. Der Comic spiegele unmittelbar die jeweilige politische Geschichte und die Offenheit der Gesellschaft im Umgang mit dieser Kunst- und Kommunikationsform wider. Manche Künstler nutzen sie, um politische Missstände anzuprangern; andere halten tagebuchartig Szenen aus dem Alltag fest und dann wieder gibt es bunte, überaus ästhetische Arbeiten, die an Bilderbücher oder moderne Grafikkunst erinnern.
Kuratorin Beate Wild (MEK) war zu Beginn des Projektes überrascht über die verbreitete Haltung der Künstler: "mit dem Gesicht nach Westen und dem Rücken zu den anderen" – auch wenn die Länder jeweils gut organisierte Szenen haben, seien Details darüber bei den Nachbarn kaum bekannt, eine Vernetzung rar. Das Projekt "comiXconnection" habe mentale wie historisch-politische und sprachliche Grenzen etwas aufgebrochen, so die Hoffnung der Macher.
Die Künstler sind so heterogen wie die vertretenen Techniken und Themen, einige haben an Kunsthochschulen studiert, wie Miro Zupa aus Kroatien, der seine Figuren auch dreidimensional gestaltet. Andere sind Autodidakten, etwa Wostok (Serbien), der international verlegt wird. Und viele springen unbefangen zwischen Comic und klassischer Kunst hin und her, etwa Helena Janecic (Kroatien), die in der Malerei slawonische Bäuerinnen malt und im Comic die Superheldin Horny Dyke agieren lässt. Eine erfrischende Kurzreise!
"comiXconnection", Museum Europäischer Kulturen, Arnimallee 25, Berlin-Dahlem, www.smb.museum; bis 29.3., ab 31.1. gibt es als Ergänzung eine Sonderschau zu Comic-Journalismus; nächste Veranstaltung "My Story – Comiczeichnen für Anfänger" (26.1., 15 Uhr, ab 13 Jahre)

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