Musical im Admiralspalast Berlin: „Tarifzone Liebe“ ist ein Stück für BVG- und U-Bahn-Fans

Steffi Irmen (M) als Fahrausweise probt auf der Fotoprobe des BVG-Musicals "Tarifzone Liebe" in den Havelstudios. Premiere des Musicals ist am Montag 4. Dezember im Admiralspalast. Entwickelt wurde das einstündige Musical vom Marketingteam der BVG in Zusammenarbeit mit einer Kreativagentur aus Hamburg.
Fabian Sommer/dpaInnerhalb von kürzester Zeit waren die 2600 Karten für das Musical ausverkauft, wer kein Ticket für einen der beiden Tage ergatterte, konnte am 4.12. den Livestream der Premiere mitverfolgen. Eine Stunde BVG-Marketing mit Insidergangs? Kann das funktionieren? Es kann.
Christine Wolburg, die BVG-Vertriebs- und Marketing-Chefin arbeitet seit März an der verrückten Idee. Dank der Zusammenarbeit mit dem Kreativteam der Agentur Jung von Matt in Hamburg und dem Texter Tom Van Hasselt bekam der Slogan „Weil wir Dich lieben“ seinen ganz eigenen Charme.
Von Techno bis Helene Fischer
Man sollte allerdings auf Wortwitze stehen, denn das einstündige Spektakel in Gelb ist voll davon. Natürlich wurde auch wieder fleißig umgetextet. Marius Müller-Westernhagens Refrain von „Weil ich Dich liebe“ ist von gestern, ab jetzt singen alle BVG-Ultras „Tarifzone Liebe“. Musikalisch setzt das Musical generell auf Vielfalt. Von Techno bis Helene Fischer, Sirtaki und Tango ist alles dabei. Eine gute Marketingidee: Die Lieder sind ab Dienstag auf Spotify nachhörbar.
Die Handlung liest sich wie ein Theaterstück für die Unterstufe. Tram Tramara (Jeannine Wacker) verliebt sich in den Fahrgast Alexander (Jendrik Sigwart), der sein Portemonnaie in ihrer Tram vergisst. Auch Alexander erinnert sich an Tramara, denn sie war eine besonders freundliche Tram. Dass die Tram durch ihre Nächstenliebe ständig zu spät kommt, steht auf den Schienen dieser Geschichte geschrieben.

Verliebt: Jeannine Wacker als Tramara und Gino Emnes als Bus-Tav
Fabian Sommer/dpaIhre Gefährten heißen übrigens Bus Bus-Tav (Gino Emnes) und U-Bahn U-Laf (Nico Went). Auch wichtig: Die Fahraus-Weise (Steffi Irmen), ein etwas launischer BVG-Automatik beziehungsweise, eine etwas launische BVG-Automatin. Die erklärt so ganz nebenbei, warum das AB-Ticket so heißt: Man kommt damit von A nach B. Alles klar, oder?
Von der Tram bis zum Fahrgast sind alle durchgestylt
Kostümbildner Adam Nee und Kulissenbauerin Karoline Hinz leisteten ganze Arbeit, denn viele der Kostüme sind multifunktional. Tramara fährt elegant auf Rollschuhen, trägt ein gelbes, gerafftes Plastikkleid, ihr Kopf und ihr Oberkörper sind umhüllt von einem Tramkostüm. Und so sieht es wirklich aus, als würde Tramara die Tram fahren, wenn auch auf eine sehr einfache Art und Weise. Bus-Tav steht auf einem elektrisch betriebenen Board, hat sich mit einem schicken gelb-schwarz-gestreiften Anzug richtig in Schale geworfen, das Fahrerhäuschen trägt er wie Tramara auf Kopf und Oberkörper. U-Laf ist mit gelb-blauen Haaren so punkig wie so manche U-Bahn im Berliner Nahverkehr, die schon wieder mit Graffitis vollgesprüht wurde, unter seiner gelben Jacke lugt ein Shirt im BVG-Muster hervor. Die Streetwear-Kollektion unter dem Namen „Vielfalt“ gibt es seit letztem Jahr wirklich. U-Laf bewegt sich anders als Tramara und Bus-Tav auf einem Roller fort. Sein Wagon ist um den Roller herumgebaut, sein Kopf steckt wie bei seinen Freunden im Fahrerhäuschen.
Die Fahrgäste sind glaubhafte Berliner Gestalten: Ein meckernder Marketingfuzzi, eine hippe Oma mit Leoleggins und „Hund“, einem Plüschtier auf Rollen, verliebte Supertouris und eine Mitfahrerin, die unterwegs zum neuen Sportkurs sein könnte, tummeln sich an den Haltestellen. Nur, dass eine Peitsche, ein Eifelturm und ein Gebiss, die allesamt in den Öffis vergessen wurden, mitspielen, das ist dann doch ein bisschen zu skurril.
