„Mut zur Liebe“
: So klingt das letzte Album von AnNa R.

Es sind ihre letzten Aufnahmen: Mit „Mut zur Liebe“ ist nun posthum das neue Soloalbum von AnNa R. erschienen. Auf ihm hat die verstorbene Sängerin ihre Stärken nochmal voll ausgespielt.
Von
Michael Heider
Berlin
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Die ehemalige Sängerin von Rosenstolz, AnNa R., steht am 12.12.2013 im Huxley's Neue Welt in Berlin beim Konzert der Band "Gleis 8" auf der Bühne. Der Auftritt ist die letzte Station der Band auf ihrer "Bleibt Das Immer So" Tour 2013. Foto: Florian Schuh/dpa ++ +++ dpa-Bildfunk +++

Im März starb Rosenstolz-Sängerin AnNa R. überraschend mit 55 Jahren. Ihr letztes Album „Mut zur Liebe“ ist nun posthum erschienen.

Florian Schuh / dpa
  • Das letzte Soloalbum von AnNa R., „Mut zur Liebe“, erschien posthum nach ihrem plötzlichen Tod im März.
  • Die Rosenstolz-Sängerin starb mit 55 Jahren; das Album entstand mit Manne Uhlig von Gleis 8.
  • „Mut zur Liebe“ verbindet Rock, Pop und Chanson – oft melancholisch, aber ausdrucksstark.
  • Songs wie „Wer weiß wer weiß“ und „Wenn du mich nicht liebst“ zeigen AnNa R.s emotionale Tiefe.
  • Themen wie Liebe, Abschied und Hoffnung prägen das Album, das sie musikalisch unvergessen macht.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Natürlich schleicht sich beim Hören das Geschehene ins Ohr. Wie kann es anders sein, wenn AnNa R. solche Zeilen singt: Wie soll ich das ertragen, wenn heut die Sonne scheint / Allein an trüben Tagen, kann ich nur glücklich sein / Und ist die Welt da draußen – an Farben auch so reich / Dann wein’ ich dir das grüne Gras – totenbleich. Ein Lied über den Tod, über das Abschiednehmen. Ausgerechnet.

Das dunkle, moll-lastige und doch seltsam warme Shanty „Die böse Farbe“ ist nicht der einzige Song auf „Mut zur Liebe“, der die Erinnerung an den überraschenden Tod der Rosenstolz-Sängerin zurückruft. Der Gedanke, gerade das Letzte zu hören, was mit dieser unvergleichlichen Stimme je aufgenommen wurde, er legt sich wie ein dunkler Schleier auf die zehn Songs der posthum erschienenen Platte.

„Mut zur Liebe“ sollte Startschuss statt Schlusspunkt sein

Eingesungen hatte AnNa R. sie im vergangenen Winter. Zusammen mit Manne Uhlig, ihrem musikalischen Weggefährten von Gleis 8, arbeitete sie an dem neuen Material. Nach „König:in“ aus dem Jahr 2023 sollte daraus ihr zweites Soloalbum entstehen, der Startschuss für eine neue Tour, ein neues Karrierekapitel. Zum Zeitpunkt des plötzlichen Todes von AnNa R. im März, mit gerade einmal 55 Jahren, war es unvollendet. Dass „Mut zur Liebe“ überhaupt erschienen ist, ist auch Uhligs Verdienst. Die Motivation, das Album fertigzustellen, hatten ihm die Eltern der verstorbenen Sängerin geliefert.

Herausgekommen ist eine gefühlvolle Mischung aus Rock, Pop und Chanson, aus Kraft und Emotion. Oft melancholisch, immer ausdrucksstark. Man tut der Platte nicht unrecht, ihr das Label „Mondänpop“ anzuheften. In anderen Worten: AnNa R. hat sich auf „Mut zur Liebe“ nicht neu erfunden. Schlimm ist das nicht, denn sie spielt ihre Stärken voll aus. Im lyrisch-sanften, von akustischer Gitarre getragenen „Wer weiß wer weiß“ etwa, singt sie sich wieder einmal ohne Umwege ins Herz.

Wie bei Rosenstolz oder Silly – AnNa R. beweist erneut ihre Kollaborations-Kraft

Der Song ist ein Glanzlicht auf „Mut zur Liebe“. Und nicht das einzige. Auch das trotzig-treibende Duett „Wenn du mich nicht liebst“ mit Moira Serfling von Nervling gehört dazu. Ein weiteres starkes Zeugnis für die Kollaborationskraft, die AnNa R. bereits bei Rosenstolz, Gleis 8 und Silly an den Tag gelegt hatte. Doch auch hier schleicht sich die traurige Erinnerung ins Ohr. Denn zweifelsohne wäre die Nummer live ein Publikumsliebling geworden. Das Bedauern darüber, dass sie das Lied nicht mehr auf der Bühne performen wird, lindert AnNa R. selbst. Ich hatte einen Traum, da lebt es sich gut / Die Menschen voller Hoffnung, Haltung und Mut, heißt es über The-Clash-artige Gitarrenrhytmen in „Aufstehen“.

Erneut sind es die großen Themen des Herzens und des Menschseins, die AnNa R. auf „Mut zur Liebe“ besingt: Sehnsucht, Selbstbehauptung, gesellschaftlicher Zusammenhalt. Mit „Sag mir, wo die Blumen sind“ ist auch ein Zeichen gegen den Krieg vertreten. Das Cover muss sich nicht hinter dem Original des US-amerikanischen Folksängers Pete Seeger und Interpretationen wie jener von Marlene Dietrich verstecken.

Doch über allem steht, klar, die Liebe. Sie ist der rote Faden des Albums, der alles zusammenhält. Bei all diesen großen Themen trotzdem nah am Menschen zu singen, ist die Kunst von AnNa R.: Ich bin mal wieder voller Zweifel, voller Ängste, voller Sorgen, bekennt sie im titelgebenden „Mut zur Liebe“ – wer erkennt sich nicht darin?

„Mut zur Liebe“ ist eine optimistische, an manchen Stellen sogar herzzerreißend schöne und ja, auch mutmachende Platte. Wird sie als das stärkste Album von AnNa R. Geltung finden? Wohl nicht. Dennoch ist es ein enormes Zeugnis für das einzigartige Talent und die unverwechselbare Stimme der viel zu früh verstorbenen Sängerin. Die Hypothek von „Mut zur Liebe“ ist es, am Ende einer Geschichte zu stehen, die in den 1990er Jahren mit Rosenstolz ihren Anfang nahm und einen der erfolgreichsten deutschsprachigen Pop-Acts hervorbrachte. Doch man sollte keinesfalls den Fehler begehen, die zehn Songs lediglich mit der Last der letzten Aufnahmen zu hören.

Beim zweiten Hören von „Mut zur Liebe“ lüftet sich der Schleier

Stücken, wie dem theatralisch-gefühlstrunkenen Chanson „Ach wie schön kann die Liebe sein“, wird dies nicht gerecht. Sie stehen für sich und wissen sich zu behaupten. Spätestens beim zweiten Hören von „Mut zur Liebe“ lüftet sich denn auch der traurige Schleier. Plötzlich spürt man, dass es sich bei den zehn Songs um mehr als nur einen Abschied handelt.

Am besten fasst es AnNa R. wieder selbst in Worte: Ich bin immer noch hier, singt sie im hoffnungsvoll-nachdenklichen „Zwanzig nach vier“. Wie recht sie doch hat! Durch ihre Musik ist sie es – und sie bleibt es auch.