Jean-Paul Belmondo hat nicht nur vor der Kamera als Draufgänger, Gauner und Boxer harte Schläge einstecken müssen. Auch das Leben hat den Kultschauspieler nicht immer mit Samthandschuhen angefasst: Krankheit und private Schicksalsschläge haben den einstigen Schönling gezeichnet. Doch Belmondo war stets ein Kämpfer, auch nach seinem Schlaganfall im Jahre 2001. Jetzt ist der französische Schauspielstar im Alter von 88 Jahren gestorben. Belmondo starb am Montag in Paris, wie sein Anwalt Michel Godest der Nachrichtenagentur AFP sagte.

Mit „Außer Atem“ wurde er schlagartig berühmt

Herzensbrecher, Draufgänger, Rebell: Damit begann Belmondos Filmkarriere. Im Jahre 1959 gab Jean-Luc Godard dem damals 26-Jährigen die Hauptrolle in „Außer Atem“. Der Film ging als Meisterwerk der Nouvelle Vague in die Filmgeschichte ein und Belmondo, der den Kleinkriminellen Michel spielt, wurde auf einen Schlag zum Star.
Frankreichs größte Regisseure wie François Truffaut, Louis Malle und Claude Sautet rissen sich um den jugendlichen, unerschrockenen Typ in engen Jeans und knapper Jacke. Wie kein anderer spielte er in den 60er und 70er mit seiner persönlichen Anziehungskraft, seiner Ungezwungenheit und Selbstironie. Für den Regisseur Jean-Pierre Melville war Belmondo einer der außergewöhnlichsten Schauspieler seiner Generation.

Im Film hat er die schönsten Frauen bezaubert und geküsst.

Claudia Cardinale, Gina Lollobrigida, Brigitte Bardot und Jeanne Moreau: Belmondo hatte im Film die schönsten Frauen bezaubert, umarmt und geküsst. Doch nur mit wenigen hatte er auch im wahren Leben ein Verhältnis. Man habe ihn verdächtigt, der Geliebte aller Schauspielerinnen gewesen zu sein. Das habe nie gestimmt, sagte er einmal in einem Interview. Bis auf eine Ausnahme, wie er einräumte. Und das sei Ursula Andress gewesen. Die Beziehung mit dem ersten Bondgirl habe sieben Jahre gedauert, erklärte Belmondo, der zweimal verheiratet war.
Belmondo konnte auf eine atemlose Karriere zurückblicken: knapp 100 Kinofilme und mehr als 40 Theaterrollen. Filme wie „Und dennoch leben sie“ mit Sophia Loren, „Eine Frau ist eine Frau“, „Die Millionen eines Gehetzten“ und „Angst über der Stadt“ ließen ihn zu einer Kultfigur des französischen Kinos werden. Neben Alain Delon profilierte er sich zu einem der wandlungsfähigsten Darstellern in allen Genres. Als Bösewicht vom Dienst oder französischer Widerstandskämpfer, der in „Das As der Asse“ Juden aus Hitlers Villa rettete, imponierte er durch seine Lust auf Risiko und spektakuläre Szenen.

In Actionfilmen kam er ohne Double aus

Als Actionheld kam er in über 70 Filmen ohne Double aus. Unerschrocken hing er am Hubschrauber, sprang über fahrende Züge oder erklomm den 320 Meter hohen Eiffelturm. Als er sich in «Der Boss» bei einem Stunt eine Kopfverletzung zuzog, machte er mit seinen halsbrecherischen Unternehmen Schluss. Da war er 52.
Bébel, wie die Franzosen ihren Star liebevoll nannten, war kampferprobt. Das lehrten ihn das Kino und das Leben. Vom Berufsboxer hat er sich über das Wandertheater hoch gekämpft bis in den Kino-Olymp. Um dann wieder tief auf die Erde zu fallen. Zunächst in den 1980er Jahren, als sich das Kino von ihm abwandte und er wieder zu seinen Anfängen, dem Theater, zurückkehrte. Nach seinem Schlaganfall im Jahre 2001 war er halbseitig gelähmt und konnte kaum sprechen. Sieben Jahre später drehte er jedoch in der Neufassung des Klassikers «Ein Mann und sein Hund» von Vittorio de Sica wieder seinen ersten Film. Darin spielte er einen alten vereinsamten Mann.