Neu auf Vinyl Kritik
: Tarja „Dark Christmas“ – das Fest wird düster

Die Finnin Tarja präsentiert mit „Dark Christmas“ Weihnachts-Klassiker im Gothic-Gewand.
Von
Stefan Klug
Frankfurt (Oder)
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Weihnachts-Songs mal anders. Tarja interpretiert Klassiker im Gothic-Gewand.

earMUSIC

Ob Fest der Liebe oder der Geschenke oder einfach nur Weihnachten – die Musikwelt hat in der Vergangenheit ziemlich unterschiedlich und einfallsreich auf das große Ereignis reagiert. Immer wieder gern genommen, das Gegenteil von Harmonie und Gleichklang. Irgendwann wurde Weihnachten rockig, was mittlerweile zum guten Ton gehört.

Aber auch eine Etage düsterer wird der Anlass der heiligen Geburt gern genommen, um musikalisch mal andere Wege zu gehen. Heuer ist es Tarja, die die Festgemeinde im Allgemeinen und die Gothic-Freunde im Speziellen zu beschenken gedenkt. Bereits 2017 hatte die Finnin ihre Interpretation von Weihnachten eingesungen. Nunmehr tut sie, was gefühlt jeder Musiker einmal im Leben machen möchte: Den Klassikern eines Genres den eigenen Stempel aufdrücken.

„Dark Christmas“ ist das Ergebnis dieser Bemühungen. Zwölf Tracks in schweres und schwarzes (natürlich) Vinyl gepresst, das zur Überraschung aller nicht mit 33, sondern mit 48 rpm gespielt werden muss. So schräg kann auch Gothic-Weihnachten nicht klingen, denkt man sich beim Erstkontakt daher und nimmt erst jetzt den kleinen Hinweis auf dem Gatefold-Cover war. Wenn sich die Langrille dann in der richtigen Geschwindigkeit dreht, offenbart sich die nächste Überraschung. Keine kreischenden Gitarren und Mörderdrums, nicht einmal musikalisches Blut. Dafür jedoch teils komplett dekonstruierte Festhymnen, bei denen mitunter ganz genau hingehört werden muss, um die Originale zu erkennen. Gleich dabei, ob es sich um Klassiker wie „Rudolph“, „Stille Nacht“ oder Pop-Hymnen wie „Last Christmas“ handelt.

So klingt „Last Christmas“ Gothic

Tarja macht sie alle zur düsteren Oper. Fast schon behäbig im Rhythmus, mit ganz großem Orchester und bedrohlich glockenheller Stimme. Der oft hinzugenommene Kinderchor lässt es teils noch düsterer wirken. Gleich, ja gleich muss die böse Fee um die Ecke kommen. Dennoch ist „Dark Christmas“ alles andere als der Soundtrack für den Grinch. Denn mit jeder Umdrehung entfalten die Songs eine Sogwirkung, der man sich nur schwerlich entziehen kann. Raumfüllend, breit strukturierte Bühne und Kraft in jeder Sekunde – das sorgt für Gänsehaut unterm Baum. So geflasht hat „White Christmans“ wohl noch nie. Laut hören ist dabei ein Muss. Wunderbar, Weihnachten kann kommen.

Tarja