Eine Auszeit nehmen - davon sprachen die Mitglieder der schwedischen Popgruppe Abba, als sie 1982 das Ende ihrer Zusammenarbeit verkündeten. Knapp 40 Jahre später warten die Fans noch immer darauf, dass Agnetha Fältskog, Björn Ulvaeus, Benny Andersson und Anni-Frid Lyngstad wieder gemeinsam auf der Bühne stehen. Einen Hoffnungsschimmer gab es in der vergangenen Woche: Auf dem Twitter-Aufritt ihres Projekts „Abba Voyage“ erschien ein Tweet mit dem Datum 2.9.2021. Dazu die Aufforderung, sich für Neuigkeiten auf der dazugehörigen Website anzumelden.

Ein neues Album

Das Studioalbum von Agnetha Fältskog, Björn Ulvaeus, Benny Andersson und Anni-Frid Lyngstad wird den Titel „Voyage“ tragen, wie die Band am Donnerstag bekanntgab. „Erst haben wir einen Song gemacht, dann mehrere. Dann haben wir gesagt: Warum machen wir nicht ein ganzes Album?“, sagte Björn bei einem Presseevent in London. Das Studioalbum soll am 5. November erscheinen.
Zwei neue Lieder waren gleich zu hören und klangen unverkennbar nach Abba, auch wenn die Tonlage von Agnetha und Anni-Frid mittlerweile etwas tiefer ist. „I Still Have Faith In You“ und „Don't Shut Me Down“ - die beiden Titel waren bereits im April 2018 angekündigt worden, die Veröffentlichung aber mehrmals verschoben worden. Die Band ist sich musikalisch treu geblieben - bewusst: „Wir konkurrieren nicht mit Drake und diesen ganzen anderen Typen. Davon habe ich keine Ahnung. Ich begreife nicht, was die modernen Popkünstler machen“, sagte Benny.

In London auf der virtuellen Bühne

Fans sollen das Quartett außerdem bald wieder in London auf der Bühne sehen können. Wenn auch virtuell: Agnetha (71), Björn (76), Benny (74) und Anni-Frid (75) sind als digitale Charaktere zu sehen, die nach ihren Abbildern von 1979 erschaffen sind.
Damit die „Abbatare“ Konzerte geben können, haben die vier Sänger fünf Wochen lang vor 160 Kameras jeden Song gesungen, damit jede Bewegung aufgezeichnet werden kann. „Das einzige große Problem war, dass wir unsere Bärte abrasieren mussten“, erzählte Björn. „Wir haben uns diese Ganzkörperanzüge mit Punkten angezogen. Und wir hatten Punkte im Gesicht. Und dann standen wir alle zusammen auf der Bühne und sind aufgetreten.“
Die Multimedia-Show „Abba Voyage“ soll am 27. Mai 2022 Premiere feiern. In der britischen Hauptstadt wird derzeit eigens für das virtuelle Konzerterlebnis ein Musiktheater mit 3000 Plätzen gebaut.

Der Durchbruch

Ihren internationalen Durchbruch hatte die aus den beiden Paaren Agnetha und Björn sowie Anni-Frid und Benny bestehende Band beim Eurovision Song Contest 1974 in der englischen Stadt Brighton mit „Waterloo“. Der Song, der einen Bogen von der Niederlage des französischen Kaisers Napoleon zu einer Liebesgeschichte spannte, wurde für sie zum riesigen Triumph. Doch danach ging es erst einmal bergab. Abba drohte, wie so viele Künstler beim ESC, als Eintagsfliege zu enden. „Jeder dachte, es sei bereits ausgemacht, dass wir in Vergessenheit geraten“, erinnerte sich einst Ulvaeus. Doch es kam anders. Bald folgte ein Hit nach dem anderen.
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Höhenflug

Aus den acht Studioalben - von „Ring Ring“ (1973) bis „The Visitors“ (1981) - wurden in Deutschland sage und schreibe neun Nummer-eins-Singles ausgekoppelt: „Waterloo“, „S.O.S.“, „Mamma Mia“, „Fernando“, „Dancing Queen“, „Money, Money, Money“, „Knowing Me, Knowing You“, „Super Trouper“ und „One Of Us“. Der erfolgreichste Longplayer ist das Best-of „Abba Gold“: Seit der Veröffentlichung 1992 schaffte es die Platte insgesamt 297 Wochen in die deutschen Top 100 - zuletzt im Januar 2018. Insgesamt verkaufte Abba nach Angaben des Abba-Museums weltweit rund 380 Millionen Alben.

Der Niedergang

Abba tourte um die Welt. Sie machten mit außergewöhnlichen Outfits auf sich aufmerksam, aber verglichen mit anderen Bands waren die vier Schweden schon immer familientauglich. Von Abba musste man keine Drogenskandale, unartigen Sprüche oder anderweitige Exzesse befürchten. Doch das Leben zwischen Bühne und Flugzeug forderte seinen Tribut: Agnetha und Björn trennten sich 1979, Benny und Anni-Frid folgten im Jahr 1981. Bald darauf war auch mit Abba Schluss. Die beiden Sängerinnen konzentrierten sich auf ihre Solokarrieren. Björn und Benny, die für die Texte und Melodien der Abba-Hits verantwortlich waren, setzten ihre Zusammenarbeit fort.

Musicals und Filme

Während es um die beiden Frauen inzwischen weitgehend ruhig geworden ist, mischen Björn und Benny noch heute mächtig mit in der Musikindustrie. Mit „Chess“ brachten die beiden bereits 1986 ein Musical im Londoner West End zur Aufführung, das wohl vor allem mit dem Song „One Night in Bangkok“ in Erinnerung geblieben ist. Im Jahr 1999 folgte das erfolgreiche Musical „Mamma Mia!“, an dessen Entstehung die beiden beteiligt waren und das zur Grundlage für den gleichnamigen Film und dessen Fortsetzung wurde. Ulvaeus wandte sich erst vor einigen Monaten als Präsident des Urheberdachverbands CISAC an die Presse, um für eine gerechtere Verteilung der Einnahmen durch Streaming in der Pandemie zu werben.
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