NS-Gedenken: Der Video-Podcast „Niemals verstummen“ will den Holocaust neu erinnern
Im Mai jährte sich das Ende des schlimmsten Verbrechens zum 75. Mal. Je weiter dieser Tag in die Vergangenheit gerät, desto weniger Überlebende können mit ihren Geschichten an den Holocaust erinnern. Damit steht die Öffentlichkeit an der Schwelle zu einem Gedenken ohne Zeitzeugen.
„Niemals verstummen“ fordert daher der Titel einer fünfteiligen Video-Podcast-Serie, die vom Förderkreis des Denkmals für die ermordeten Juden Europas initiiert worden ist. Darin diskutieren jeweils zwei Gäste aus dem Medien- und Kulturbereich über neue Möglichkeiten des Erinnerns. Verhandelt werden dabei verschiedenste Fragen: Darf man überhaupt Jude sagen? Wie stehen Antisemitismus und Rassismus zueinander? Und wie weit sollte künstlerische Provokation gehen? Die einstündigen Folgen sind auf YouTube sowie über Podcast-Portale wie Spotify und Apple hörbar.
Hinter der Idee steckt Daniel Girl, stellvertretender Vorsitzender des Förderkreises. Zu den Diskutierenden gehören die Schriftstellerin Mirna Funk und Autorin Alice Hasters. Es sei nicht leicht gewesen, Gäste für den Podcast zu gewinnen. „Viele hatten Hemmungen, offen zu sprechen, aus Sorge, dass jedes Wort auf die Waagschale gelegt wird“, erklärt Girl. „Und genau diese Angst wollen wir durchbrechen und eine Diskussion ohne Auflagen oder Gedankenschranken ermöglichen.“ Dieser Prozess sei nötig, auch um das Gedenken für nachfolgende Generationen anschlussfähig zu machen.
NS-Geschichten erzählen über Computerspiele und Comics
Wie den Jüngeren das Gedenken an die Opfer des Holocaust nahegebracht werden könnte, erörtern die erste Vorsitzende des Förderkreises Lea Rosh und Fernsehjournalist Thilo Mischke in der Auftaktfolge. Der 39-Jährige spricht sich dafür aus, „die Geschichten zu erzählen, ohne Langeweile auszulösen“. Dies könne so „banal wie möglich“ passieren, in Form von Computerspielen oder Comics. Für die Vorschläge Mischkes zeigt sich Rosh auf Nachfrage aufgeschlossen: „Ich finde das interessant und kann mir das sehr gut vorstellen. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass die heutigen Schülerinnen und Schüler andere Formen benötigen, um sich dem Thema anzunähern.“ Für Rosh, die im Podcast erzählt, wie sie die antisemitischen Hetze gegen ihre Mutter im Nationalsozialismus erlebte, sollte aber vor allem eine Identifikation stattfinden: "Viel Schlimmes geschieht in unserer Welt, weil Menschen einen Mangel an Fantasie haben.“ Sie insistiert daher: „Man muss sich vorstellen, man gehört zu den Opfern.“


