Nach der Beilegung eines Rechtsstreites um die 2015 in Rheinland-Pfalz entdeckte NS-Kunst werden die überlebensgroßen „Schreitenden Pferde“ im Museum zu sehen sein. Die Skulpturen von Bildhauer Josef Thorak (1889–1952) würden zur Zitadelle Spandau gebracht und dort der Ausstellung „Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler“ angegliedert, teilte Museumsleiterin Urte Evert am Mittwoch mit. „Vor Herbst nächsten Jahres ist nicht mit einer Eröffnung der Ausstellung zu rechnen, wie auch der Transport nicht vor Mai 2022 stattfinden kann“, erläuterte sie.
Da die Bronzepferde für den Raum der bereits bestehenden Ausstellung zu nationalsozialistischen Denkmälern zu groß seien, werde ein neuer Ausstellungsraum in der Bastion Königin vorbereitet, hieß es weiter.
Die NS-Kunst war bei einer Razzia wegen des Verdachtes der Hehlerei an rechtswidrig erlangtem Bundesvermögen 2015 in Bad Dürkheim entdeckt worden. Darunter waren die „Schreitenden Pferde“. Die Bundesrepublik hatte die Herausgabe der Bronzepferde sowie weiterer Skulpturen von Arno Breker (1900–1991) und Fritz Klimsch (1870–1960) verlangt und sich darauf berufen, dass diese durch den Einigungsvertrag der Wiedervereinigung ihr Eigentum geworden seien.

Von Berlin über Jäckelsbruch bis Moskau und zurück

Ein Unternehmer wiederum hatte erklärt, er habe die Werke rechtmäßig gekauft. Beide Seiten schlossen einen Vergleich – der Mann gibt die Bronzepferde heraus, die restlichen Skulpturen verbleiben bei ihm.
Die „Schreitenden Pferde“, die Thorak 1939 anfertigte, standen einst auf der Gartenseite von Hitlers Neuer Reichskanzlei in Berlin. Wegen der andauernden Bombardierung der Stadt durch die Alliierten wurden 1943 Hunderte NS-Kunstwerke in Brekers Atelier in Jäckelsbruch bei Wriezen (Märkisch-Oderland) überführt, darunter auch die drei Meter hohen, zweieinhalb Tonnen schweren Bronzepferde. Nach dem Krieg beschlagnahmte die sowjetische Armee das Lager und brachte die Kunstschätze nach Moskau oder verteilte sie auf ihre Kasernen in der DDR. Vermutlich gelangten so auch die Thorak-Pferde sowie Skulpturen von Breker und Klimsch um 1950 auf einen sowjetischen Sportplatz in Eberswalde (Barnim). Dort verschwanden sie spätestens im März 1989 spurlos, nachdem eine Kunsthistorikerin in einem Zeitungsbeitrag über die Skulpturen in der Kreisstadt berichtete hatte. Im Mai 2015 konnte die Polizei nach monatelangen Ermittlungen diese und weitere verschollene NS-Kunstwerke bei einer bundesweiten Razzia schließlich aufspüren.