Oper Oder-Spree
: Pamina unter Eichhörnchen

Junge Sänger proben für Mozarts „Zauberflöte“. Der neueste Streich der Oper Oder-Spree hat im Juli in Neuzelle Premiere.
Von
Antje Scherer
Neuzelle
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Aufgefrischt: Junge Sänger aus Südkorea, Zypern, den USA und Deutschland proben im Schlaubetal die "Zauberflöte".

Oper Oder-Spree

Macht er aber nicht – schon, weil sein Hund früh raus muss. „Hier kann ich meine beiden Lieblingsdinge  verbinden – Oper und Wald“, erzählt der 32-Jährige und lacht.

Der Amerikaner ist der Sarastro der diesjährigen Oper Oder-Spree, die im Sommer Mozarts „Zauberflöte“ auf die Bühne bringt. Einer von elf jungen Sängerinnen und Sängern, die aktuell im Forsthaus Schierenberg in der Nähe von Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) eine professionelle Opernproduktion vorbereiten. Das Haus liegt mitten im Wald und wirkt – inmitten von zwitschernden Vögeln und Eichhörnchen – wie aus einem Märchen.

Begegnet man dem Team in der Pause, mutet das Unterfangen an wie eine Art Kommune: Einer schmiert sich ein Brot, auf dem Tisch liegen Bücher, abends spielt man Karten oder guckt einen Gruselfilm. Auch auf der Probenbühne sind die jungen Leute mit so viel Spaß und Spielfreude bei der Sache – umarmen sich mal kurz, fuchteln mit den Requisiten herum –, dass man das Gefühl hat, einer Theater-AG zuzugucken.

Aber sobald etwa Papageno (Felix Rumpf) den Mund aufmacht und singt, bleibt einem die Spucke weg, und man kann diesen jungen Mann in zerrissenen Jeans, fleckigen Sneakern und mit Hipster-Brille kaum mit seiner überwältigenden Stimme in Deckung bringen. Alle Beteiligten sind Profis und haben großartige Singstimmen.

„Das Niveau ist sehr hoch“, findet auch Tilman Schladebach, der das Projekt bei der Stiftung Stift Neuzelle managt und selbst von der Oper kommt, „schon beim Vorsingen war das erkennbar“. Dieses Jahr hätten sich, wahrscheinlich wegen des berühmten Stoffs, mit 360 Kandidaten außergewöhnlich viele Bewerber gemeldet. 50 wurden zu einem Casting  eingeladen. Einige der Auserwählten studieren noch, für andere ist es das erste Engagement.

Sie kommen aus Deutschland, Australien, Südkorea und Griechenland; der US-Amerikaner Andrew Munn lebt seit vergangenem Jahr in Berlin. Sein Sarastro-Part klingt völlig akzentfrei, nur im Gespräch hört man ihm die Herkunft an. Vor allem an Schubert sei sein Deutsch geschult, erzählt er; seine Alltagssprache profitiere jetzt von der Opern-WG.

Auch wenn das ganze Team von der besonderen Stimmung vor Ort schwärmt – es geht um Kunst auf hohem Niveau. „Wir machen professionelles Musiktheater unter nicht-professionellen Bedingungen“, fasst Schladebach zusammen. Das Regie- und Ausstattungsteam macht sonst „normale“ Opernproduktionen, der Kostümdesigner Carl-Christian Andresen etwa hat vor einiger Zeit eine „Zauberflöte“ am Opernhaus Zürich ausgestattet.

Mit einem so jungen Team könne man Dinge verwirklichen, die im eingespielten Betrieb nicht möglich wären, schwärmt der. „Es gibt eine Szene, in der die Königin der Nacht eine ihrer Arien schmettert, und dabei umarmt ihre Tochter sie; so viel Körperkontakt in so einer Situation – das würden ältere Kolleginnen gar nicht zulassen“, erzählt er.

Der Stoff wird auf höchst spannende Weise neu interpretiert – diese „Zauberflöte“ spielt in einer dystopischen Welt, in der nur noch elf Menschen am Leben sind und ein erbitterter Kampf um die Macht tobt. Zum Einsatz kommen: Autoscheinwerfer, Spritzen und Elektroschocker. Die Kategorien Gut und Böse passen nicht mehr; eher verläuft die Front zwischen den Generationen. „Auf eine konventionelle ,Zauberflöte‘ hätte ich keine Lust gehabt“, sagt Regisseurin Geertje Boeden. Und auch Schladebach findet, dass nur diese gebrochene Fassung zur Oper Oder-Spree passe.

Die Sänger agieren beim Singen wie Schauspieler, auch Puppenspiel wird genutzt. Eine Überforderung?  „Nee, das macht es doch gerade reizvoll“, findet Caspar Krieger (26), der – übersät mit Tattoos – den Monostatos gibt. „Schauspiel gehört in der Ausbildung fest dazu.“ Er studiert noch, an der Musikhochschule Lübeck.

Am Wochenende verlässt das Team nach fast vier Wochen sein Märchenhaus im Wald. Erst Ende Juni treffen sich alle für die Endproben wieder.

Oper Oder-Spree

Premiere am 4. Juli im Kreuzhof des Klosters Neuzelle; weitere Aufführungen in Neuzelle und Beeskow. Dieses Jahr weitet die Oper Oder-Spree ihr Programm aus, neben den "Klassikern" wie der Oper und der Operngala wird es zum ersten Mal zusätzlich eine Inszenierung für Kinder und eine "Taschenoper" geben. Diese mobilen Produktionen touren durch mehrere Städte der Region.  Termine unter www.operoderspree.de, Karten unter 0335 66599558. 2018 wurde der "Jedermann" gespielt und war komplett  ausverkauft.⇥as