Oscar-Verleihung 2024
: „Oppenheimer“ ist der große Gewinner – die Deutschen gehen leer aus

Es war ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen „Oppenheimer“ und „Poor Things“. Doch die anrührendsten Momente des Abends gehörten anderen.
Von
Christina Tilmann
Los Angeles
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Großer Gewinner: Christopher Nolan nimmt den Preis für die beste Regie für "Oppenheimer" während der Oscarverleihung entgegen. Der Film gewinnt sieben Oscars für „Oppenheimer“, u.a. für besten Film, beste Regie und besten Hauptdarsteller Cillian Murphy.

Chris Pizzello/Invision/AP/dpa

Am Ende hat es nicht für Sandra Hüller gereicht. Emma Stone hat das Rennen als beste Hauptdarstellerin bei den diesjährigen Oscars gemacht, für ihre Performance als frankensteinartige Kindfrau in Giorgos Lanthimos‘ „Poor Things“, und bedankt sich mit einer atemlosen Liebeserklärung an das Filmmachen und alle, die dran mitwirken.

Doch zahlenmäßig hat „Oppenheimer“ das Rennen gemacht, mit den Oscars für den besten Film, die beste Regie (Christopher Nolan), den besten Hauptdarsteller (Cillian Murphy) und vier weiteren Oscars für Kamera (Hoyte van Hoytema), Schnitt (Jennifer Lame), Nebendarsteller (Robert Downey Jr.) und Musik (Ludwig Göransson).

Gewinnt den Preis als beste Hauptdarstellerin für ihre Rolle in „Poor Things“: Emma Stone

Jordan Strauss

„The Zone of Interest“ gewinnt den Preis für den besten internationalen Film - damit geht Wim Wenders, der für Japan und „Perfectt Days“ nominiert war, ebenso leer aus wie Ilker Catak mit „Das Lehrerzimmer“. Paul Glazer, Regisseur von „The Zone of Interest“, erinnert in seiner Dankesrede an den Krieg in Gaza, gedenkt den Opfern des Hamas-Anschlags am 7. Oktober, erinnert aber auch an die Zivilisten im Gazastreifen.

Sein Film zeige, wohin Entmenschlichung führe. Während der Oscar-Verleihung findet vor dem Globe Theatre propalästinensische Demonstrationen statt, Stars wie die für den besten Filmsong ausgezeichnete Billie Eilish hatten Sticker mit „Ceasefire now“ getragen.

Für "What Was I Made For?" aus "Barbie" mit dem Oscar für den besten Filmsong ausgezeichnet: Billie Eilish während der Oscarverleihung im Dolby Theatre in Los Angeles.

Chris Pizzello/Invision/AP/dpa

Die Oscar-Verleihung ging hingegen ohne Ohrfeigen oder andere Fauxpas über die Bühne. Zum Auftakt der diesjährigen Verleihung der Oscars hatte Moderator Jimmy Kimmel betont, dass nach Meinung vieler auch Regisseurin Greta Gerwig für einen Oscar hätte nominiert werden sollen. Ihr Film „Barbie“ ist zwar mehrfach nominiert, allerdings nicht für die beste Regie.

Aber dafür durfte Christoph Waltz eine schöne emotionale Laudatio auf den als Nebendarsteller nominierten Ryan Gosling halten, der seinen Filmsong „I‘m Just Ken“ zum Besten gab - gewonnen hat dann allerdings Robert Downey Jr. für seine Rolle in „Oppenheimer“. Wie überhaupt „Barbie“, bis auf die Auszeichnung für Billie Eilishs Filmsong, der Verlierer des Abends war.

Ging leer aus: Sandra Hüller kommt zur Oscar-Verleihung im Dolby Theatre in Los Angeles. Doch der Film „The Zone of Interest“ gewann den Oscar für den besten fremdsprachigen Film, Justine Triet den Oscar für das beste Drehbuch für „Anatomie eines Falls“.

Richard Shotwell

Kimmel stellte nominierte Filme und Filmschaffende vor. Über Sandra Hüller witzelte er etwas deplatziert: „Zum ersten Mal überhaupt sind drei fremdsprachige Filme für den besten Film nominiert, zwei davon mit Sandra Hüller in der Hauptrolle. Sandra spielt in „Anatomie eines Falls“ eine Frau, die wegen Mordes an ihrem Ehemann vor Gericht steht, und in „The Zone of Interest“ eine Nazi-Hausfrau, die in der Nähe von Auschwitz lebt. Während dies für amerikanische Kinobesucher sehr schwere Themen sind, nennt man sie in Sandras Heimat Deutschland Rom-Coms.“

Messi, der Hund aus dem Film "Anatomie eines Falls", sitzt im Publikum bei der Oscar-Verleihung im Dolby Theatre in Los Angeles.

Chris Pizzello/Invision/AP/dpa

Einer der Lieblinge der Herzen war ein Vierbeiner: der Border Collie Messi, der an der Seite von Sandra Hüller in „Anatomie eines Falls“ den Blindenhund Snoop spielt, darf bei den Oscars mitfeiern. Inmitten der Stars im Dolby Theatre in Los Angeles nahm der Vierbeiner in der Nacht zu Montag Platz - mit einer Fliege herausgeputzt.

Oscar für Ukraine-Doku

Einer der emotionalsten Momente der Show war der Oscar für den besten Dokumentarfilm an den ukrainischen Film „20 Tage in Mariupol“. Es sei der erste Oscar für einen ukrainischen Film, so Regisseur Mstyslaw Tschernow in seiner Dankesrede. Aber er wünschte, er hätte diesen Film nicht machen müssen und Russland habe niemals sein Land überfallen.

„Ich kann die Geschichte nicht ändern. Ich kann die Vergangenheit nicht ändern. Aber wir alle zusammen... unter euch einige der talentiertesten Menschen der Welt, wir können dafür sorgen, dass die Geschichte richtig aufgezeichnet wird und dass die Wahrheit die Oberhand gewinnt und dass die Menschen von Mariupol und diejenigen, die ihr Leben geopfert haben, niemals vergessen werden.“

Die Oscars 2024

Bester Film: „Oppenheimer“

Beste Regie: Christopher Nolan für „Oppenheimer“

Beste Hauptdarstellerin: Emma Stone in „Poor Things“

Bester Hauptdarsteller: Cillian Murphy in „Oppenheimer“

Beste Nebendarstellerin: Da’Vine Joy Randolph in „The Holdovers“

Bester Nebendarsteller: Robert Downey Jr. in „Oppenheimer“

Bestes Originaldrehbuch: Justine Triet und Arthur Harari für „Anatomie eines Falls“

Bestes adaptiertes Drehbuch: Cord Jefferson für „American Fiction“

Beste Kamera: Hoyte van Hoytema für „Oppenheimer“

Bester Schnitt: Jennifer Lame für „Oppenheimer“

Bester Ton: Johnnie Burn und Tarn Willers für „The Zone of Interest“

Bestes Szenenbild: Shona Heath, Zsuzsa Mihalek und James Price für „Poor Things“

Bestes Kostüm: Holly Waddington für „Poor Things“

Bestes Make-Up and Hairstyle: Mark Coulier, Nadia Stacey und Josh Weston für „Poor Things“

Beste visuelle Effekte: Tatsuji Nojima, Kiyoko Shibuya, Masaki Takahashi und Takashi Yamazaki für „Godzilla Minus One“

Beste Filmmusik: Ludwig Göransson für „Oppenheimer“

Bester Filmsong: „What Was I Made For?“ aus „Barbie“ von Billie Eilish und Finneas O’Connell

Bester Animationsfilm: „Der Junge und der Reiher“ von Hayao Miyazaki und Toshio Suzuki

Bester animinierter Kurzfilm: „War Is Over! Inspired by the Music of John & Yoko“ von Brad Booker und Dave Mullins

Bester Dokumentarfilm: „20 days in Mariupol“ von Raney Aronson-Rath, Mstyslaw Tschernow und Michelle Mizner

Bester dokumenarischer Kurzfilm: „The Last Repair Shop“ von Kris Bowers und Ben Proudfoot

Bester Kurzfilm: „Ich sehe was, was du nicht siehst (The Wonderful Story of Henry Sugar)“ von Wes Anderson und Steven Rales

Bester internationaler Film: „The Zone of Interest“ von Jonathan Glazer