Peter Kulka ist tot: Architekt des Landtags in Potsdam und Dresden mit 86 gestorben

Verbindung von Moderne und Tradition: Architekt Peter Kulka im Brandenburger Landtag in Potsdam (Brandenburg) auf der Dachterrasse. Er im Alter von 86 Jahren in Dresden gestorben.
Oliver Mehlis/dpaEr war bekannt für seine klare Formensprache - das leuchtende Weiß der Innenräume im als Landtag wiederaufgebauten Potsdamer Stadtschloss, der gläserne Riegel des Sächsischen Landtags mit der großzügigen Treppenanlage am Elbufer in Dresden, die elegante Dachkonstruktion, die den Kleinen Hof im Residenzschloss in Dresden überspannt.
Peter Kulka hat in Ostdeutschland nach 1990 deutliche Spuren hinterlassen, auch wenn er seine berufliche Heimat seit 1979 im rheinischen Köln hatte.
Geboren wurde er 1937 in Dresden, wo er am Montag im Alter von 86 Jahren auch gestorben ist, wie sein Büro am Mittwoch in der sächsischen Landeshauptstadt bestätigte. „Bis Freitag war er noch mit im Büro“, sagte seine Tochter der dpa. Er sei bis zuletzt mit der Sanierung und Erweiterung des sächsischen Landtags beschäftigt gewesen, der vor 30 Jahren nach seinen Plänen umgebaut und erweitert worden war.

Außenansicht des Sächsischen Landtages in Dresden. Der Neubau wurde von 1991 bis 1993 nach Entwürfen des Architekten Peter Kulka gebaut.
Matthias Hiekel/dpaNach einer Maurerlehre und einer Ausbildung zum zum Ingenieur in der Fachrichtung Architektur in Görlitz und Gotha studierte er in Berlin-Weißensee bei Selman Selmanagic und war anschließend Mitarbeiter von Hermann Henselmann in Ost-Berlin. Nach seiner Flucht aus der DDR war er von 1965 bis 1968 Mitarbeiter von Hans Scharoun in West-Berlin.
Als selbstständiger Architekt hatte er in der Partnerschaft Herzog, Köpke, Kulka, Töpper und Siepmann einen ersten großen Erfolg mit dem Entwurf für die Universität in Bielefeld. 1979 gründete er sein eigenes Büro in Köln, dem 1991 eine Niederlassung in Dresden folgte. Während der Corona-Pandemie 2021 war er nach Dresden zurückgezogen und wird dort auch begraben werden. Schon seit Jahren engagierte er sich dort gegen Neonazis und für den Erhalt von Zeugnissen der Ost-Moderne und historischer Bauten.

Über dem Besucherfoyer des Dresdner Schlosses, dem Kleinen Hof, wölben sich 265 luftgefüllte Membrankissen. Der 600 Quadratmeter große Hof wird von der 84 Tonnen schweren Konstruktion überwölbt. Das Dach des Architekten Peter Kulka kostet 4,5 Millionen Euro.
Matthias Hiekel/dpaZu den bekanntesten Bauten und Entwürfen von Kulka zählen neben dem sächsischen Landtag das „Haus der Stille“ der Abtei Königsmünster in Meschede, das Bosch Haus Heidehof in Stuttgart sowie die Neugestaltung des Kammermusiksaals und das Foyer im Konzerthaus Berlin, dem ehemaligen Deutschen Schauspielhaus von Karl Friedrich Schinkel (1781-1841).
In Leipzig baute er die Galerie für Zeitgenössische Kunst und den MDR-Kubus, in Dresden neben dem Landtag die Erweiterung des Deutschen Hygiene-Museums und die Centrum-Galerie, die sich an der Wabenfassade des Vorgängerbaus orientiert. Zuletzt plante er weitere Neubauten für den Dresdner Landtag am Elbufer.


