Polizeiruf 110 aus Frankfurt (Oder): Schweine mit Luschke und Rogov – ohne Kaczmarczyk

Im ARD-Krimi „Polizeiruf 110: Schweine“ ermitteln Alexandra Luschke (Gisa Flake) und Karl Rogov (Frank Leo Schröder) am 24. März 2024 um 20.15 Uhr erstmals als Duo.
rbb/Christoph AssmannEin Schuss im Wald. Mitten in der Nacht. Am nächsten Morgen wird eine Leiche am Ufer der Oder gefunden. Der Tote mit der Schussverletzung ist Leon Herne (Kai Dannowski). Der junge Jurist aus Berlin jagte mit zwei Kollegen einem 16-Ender im deutsch-polnischen Grenzgebiet hinterher. Entdeckt hat ihn eine Drohne, die Ausschau nach an der Afrikanischen Schweinepest (ASP) erkrankten Tieren hielt. Damit sind die Handlungsstränge des neuen „Polizeiruf 110“-Falls aus Brandenburg in den ersten Minuten vorgestellt. Die Folge läuft am Sonntag, dem 24. März, um 20.15 Uhr im Ersten.
War es ein tragischer Unfall? Oder sollte ein Kanzlei-Konkurrent gezielt beseitigt werden? Dem gehen die beiden Ermittler Alexandra Luschke (Gisa Flake) und Karl Rogov (Frank Leo Schröder) auf den Grund. Die Spuren führen in den Wald auf polnischer Seite, wo sich sich auch der Gutshof des Anwalts und Patriarchen Albrecht Richtmann (Bernhard Schütz) befindet. Von dort aus zogen Sohn Konstantin (Nicolas Handwerker) und Daniel Pillokat (Marius Ahrendt) mit Herne auf die Jagd.
Sturzbetrunken ins Sperrgebiet der Afrikanischen Schweinepest
Dabei begleiten sollte sie der polnische Jagdleiter Marek Kulesza (Piotr Witkowski). Doch der hatte den Ausflug abgebrochen, weil die drei Anwälte die Regeln missachteten und sich trotz Verbotes im ASP-Sperrgebiet herumtrieben. Am Ende ist einer von ihnen tot und die beiden übrigen haben am nächsten Tag noch Promillewerte von über 1,5.
Was sie hingegen nicht haben, ist ein Alibi. Doch die Jung-Juristen machen es dem Ermittler-Duo schwer. Richtmann begegnet Luschke mit einer gehörigen Portion Arroganz. Von verminderter Schuldfähigkeit bei Volltrunkenheit zur Tatzeit weiß er natürlich. Pillokat wiederum wirkt fahrig. Gegenüber Rogov offenbart er kaum mehr als Gedächtnislücken.

Hobby-Jäger, Jung-Anwalt und gebeutelter Sohn: Was hat Konstantin Richtmann (Nicolas Handwerker) mit dem Tod seines Kollegen zu tun?
rbb/Christoph AssmannEin Polizeiruf mit unstimmigem Story-Mosaik
Die Ermittlungen entlang der Oder konfrontieren Luschke und Rogov auch mit dem schweren Los von Agata (Izabela Baran). Die Freundin des ebenfalls alibilosen Jagdleiters betreibt zusammen mit ihrer Mutter (Anita Poddębniak) einen von den ASP-Auflagen gebeutelten Schweinehof. Rund 1000 ihrer eigentlich gesunden Tiere mussten schon gekeult werden. Ein weiteres infiziertes Wildschwein in der Nähe ihres Hofes könnte dessen Ende bedeuten.
In Form der Afrikanischen Schweinepest verhandeln die Autoren Seraina Nyikos, Lucas Flasch, Mike Bäuml und Tomasz E. Rudzik ein aktuelles Thema aus der deutsch-polnischen Grenzregion. Die Integration in die Handlung gelingt jedoch nur bruchstückhaft. Zusammen mit einem oberflächlichen Blick ins großbürgerliche Juristen-Milieu ergibt sich ein unstimmiges Story-Mosaik, das arm an greifbaren Protagonisten ist. Das gilt selbst für Richtmann junior, der noch als den Ansprüchen des Vaters nie genügenden Sohnes vorgestellt wird.
Kommissar Vincent Ross ist auf Fortbildung
Es ist das erste Mal, dass Luschke und Rogov allein ermitteln. Im vorangegangenen Fall „Cottbus Kopflos“ unterstützten sie noch Vincent Ross. Der von André Kaczmarczyk dargestellte Kommissar ist diesmal auf „Fortbildung“, wie es knapp in einem Nebensatz heißt. Laut rbb eine Absenz mit System. Im Brandenburger Polizeiruf will man mit wechselnder Kommissar-Konstellation arbeiten.

Dass André Kaczmarczyk als Vincent Ross in „Polizeiruf 110: Schweine“ fehlt, liegt daran dass der rbb für die Brandenburger Variante des Formats mit wechselnden Kommissar-Konstellationen arbeitet.
rbb/Thomas ErnstOb dies ein gewinnbringendes Konzept ist, darf bezweifelt werden. Im aktuellen Fall hinterlässt die temporäre Abwesenheit des genderfluiden Polizisten Ross jedenfalls eine schmerzhafte Lücke. Beim Duo Luschke und Rogov will der Funke nicht wirklich überspringen. Ersatz für einen der interessantesten Ermittler der deutschen TV-Landschaft sind sie so nicht.
Grund dafür mögen auch die drögen Dialoge des sehr konventionell inszenierten Polizeirufs sein. Da sinniert der Jung-Anwalt im Verhör etwa zusammenhangslos über den Vorwurf, Juristen würden Gesetze bewusst kompliziert formulieren, um Laien am Verstehen ihrer eigenen Rechten zu hindern. Ein rechtsphilosophischer Exkurs, der mit Luschkes knapper Antwort „Ich habe kein Problem mit Anwälten“ jäh endet. Häh?
An einer Stellte trifft der Dialog allerdings ins Schwarze. Nämlich als Polizistin Luschke und Schweinebäuerin Agata sich gegenseitig gestehen, wie hart sie den Beruf der anderen finden: „Kommt immer darauf an, wen man als Kollegen hat“, meint die Kommissarin. Das gilt offensichtlich auch für TV-Krimis. Und so will man hoffen, dass Vincent Ross seine Fortbildung zügig abschließt.
Die Folge „Polizeiruf 110: Schweine“ läuft am Sonntag, dem 24. März, um 20.15 Uhr im Ersten.



