Vincent Ross ist eine Marke – nicht nur, weil er sich die Augen schminkt und gerne Rock trägt. Der Neuzugang im Brandenburg-„Polizeiruf 110“ kommt frisch von der Polizeischule und ist einer von den Guten – empathisch, achtsam, aufgeräumt, ohne einem damit auf die Nerven zu gehen. Ein toller Typ, gespielt vom bislang im Fernsehen wenig bekannten André Kaczmarczyk.

Was ist bislang passiert?

Seinen Einstand hatte er, als Nachfolger von Maria Simon, Ende Januar mit der Folge „Hildes Erbe“. Darin hatten er und sein Chef – Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) als maximales Macho-Kontrastprogramm – sich fast schon angefreundet, bis der Alter dem Jungen 90 Sekunden vor Abspann aus dem Stand brutal an die Gurgel ging (Hintergrund: ein Entwenden der Tabletten, von denen der Vorgesetzte mehr oder weniger abhängig ist, quasi aus pädagogischen Gründen). So ganz einfach ist die Verbindung zweier Welten halt doch nicht.
Der erste queere Ermittler im Kosmos der TV-Polizei hatte beim Fernsehpublikum für großes Aufsehen und medial für viel Lob gesorgt. Auf Facebook schreibt eine Mutter: „Der Neue ist der erste Kommissar, den meine Tochter (17) cool findet, demnach der erste Polizeiruf, den sie mitschaut.“ Sehr groß also die Neugier, wie es weitergeht. Jetzt ist Fall zwei abgedreht.

Worum geht es im zweiten Film?

In einer Pressemitteilung des Senders rbb wurde bisher nur grob die Handlung von „Da, wo wir nicht sind“ – so der Arbeitstitel – enthüllt: Es geht um eine Geologin, die ermordet am Rande eines ehemaligen Braunkohlegebiets gefunden wird. Sie arbeitete an einem Bodengutachten – das Gebiet soll touristisch erschlossen werden. Ein riesiger künstlicher See soll dort entstehen – für die Bewohner des nahen Dorfes Fehlow hängt viel von dem Gutachten ab. Wollte jemand die Ergebnisse beeinflussen?
Dann taucht bei einer Rutschung plötzlich eine weitere Leiche auf. Die Kommissare vermuten den oder die Täter im Dorf und quartieren sich dort ein. Die Ermittlungen fordern die ungleichen Kollegen extrem heraus „und Raczek trifft schließlich eine Entscheidung mit weitreichenden Konsequenzen“, wie es im knappen Pressematerial heißt. Worin genau diese ominöse Herausforderung bestehen mag und, viel spannender, wie sich die Beziehung der beiden Männer entwickelt, dazu hält sich der rbb bisher bedeckt. „Mehr inhaltliche Infos sind zu diesem Zeitpunkt nicht geplant“, heißt es auf Anfrage lediglich.

Wo wurde gedreht?

Der Fall spielt in der Lausitz, große Teile der Handlung sind im fiktiven Dorf Fehlow angesiedelt. In der geografischen Realität liegt der Ort ganz woanders: in dem kleinen Angerdorf Fresdorf, einem Ortsteil von Michendorf (Landkreis Potsdam-Mittelmark) mit rund 300 Einwohnern. Der See im Film allerdings ist dann doch „echt Lausitz“: Gedreht wurde am Bergheider See bei Lichterfeld (Landkreis Elbe-Elster), entstanden durch Flutung des ehemaligen Braunkohletagebaus Klettwitz-Nord. Er ist bekannt durch die eindrucksvolle Kulisse des Besucherbergwerks F60. Weitere Drehorte waren u.a. Gröben, Treuenbrietzen und Saarmund. Die Dreharbeiten liefen von 1. März bis Anfang Mai.

Wer hat den Film gemacht?

Die erste Polizeiruf-Folge „Hildes Erbe“ mit der neuen personellen Konstellation stammte vom Erfolgsteam Anika Wangard (Buch) und Eoin Moore (Buch und Regie), die auch den erfolgreichen Polizeiruf Rostock erfunden und geprägt haben. Folge zwei hat andere Eltern: das Drehbuch schrieben Peter Dommaschk und Ralf Leuther; Regie führte Stephan Rick. Zumindest Gregorowicz und er kannten sich schon: Der Regisseur zeichnete für die „Polizeiruf 110“-Folge „Tod einer Journalistin“ (2019) verantwortlich, in dem seine Filmfigur – damals mit Maria Simon – in einem sehr politischen Fall um illegale Machenschaften eines Energiekonzerns ermittelte.

Wann kann man die Folge sehen?

Leider müssen sich Zuschauer noch gedulden – die Ausstrahlung ist für Herbst geplant; der genaue Termin wurde noch nicht genannt. Wer es nicht so lange aushalten kann, muss sich wohl Folge eins noch mal angucken (bis 30. Juli in der ARD-Mediathek, www.polizeiruf-110/hildes-erbe) oder nach Düsseldorf fahren. Dort steht André Kaczmarczyk in dieser Spielzeit u.a. in „Kleiner Mann – was nun?“ von Hans Fallada oder in „Der Sandmann“ von E.T.A. Hoffmann auf der Bühne.