Popsängerin: Katy Perrys Album „Smile“ versammelt Mutmacher-Songs für die Krise
Seit ihrem (kommerziell erfolglosen) Debüt Anfang der 2000er hat die als Katheryn Elizabeth Hudson im kalifornischen Santa Barbara geborene Künstlerin etliche Höhen und Tiefen im Musikbusiness wie auch als Privatmensch durchlebt – und beides vermischte sich in ihrer Arbeit des öfteren. Da war die Kurzzeitehe mit dem britischen Comedian Russell Brand, der sich via Textnachricht von der Sängerin trennte. Die Nachwirkungen verarbeitete Perry 2013 in der Ballade „By The Grace Of God“ ihres Albums „Prism“.
Zum Triumph wurde 2015 ihre Halbzeitshow beim „Super Bowl“, wo sie zu „Roar“ auf dem Rücken eines goldenen Löwen das Stadion enterte. Zum Release ihres bisher letzten Albums „Witness“ konnte man Perry ein ganzes Wochenende lang in einem Big-Brother-ähnlichen Livestream beobachten: Sie wirkte psychisch angeschlagen, distanzierte sich von der von ihr geschaffenen Kunstfigur Katy Perry und wünschte sich weinend Mann und Kind an ihre Seite.
Drei Jahre später hat sie nun beides – und ein neues Album. Auf dem Cover-Artwork von „Smile“ sieht man Perry als traurigen Clown. „Der Clown ist eine Metapher. So sieht jemand aus, der sein Lächeln verloren hat“, meint Perry. „Smile“ sei aber keine Aufforderung, immer happy zu sein. „Das wäre ja auch zynisch, wo so viele Menschen gerade durch eine dunkle Zeit gehen.“
Vor zweieinhalb Jahren wurde sie erneut von Depressionen heimgesucht. Ihr Album „Witness“ kam nicht so an, wie sie es sich gewünscht hatte. Von Bloom war sie zu der Zeit getrennt. Zum ersten Mal musste Perry lernen, dass man sich auf die Pop-Karriere auch nicht verlassen kann. „Ich bin durch die Hölle gegangen, aber kam am Ende gestärkt und hoffnungsvoll wieder raus. Und ich teile diese Hoffnung nun mit dem Rest der Welt.“
Dass man durch ihre Lieder an ihrem Leben Anteil nehmen kann, war schon immer Teil des Erfolgs der Katy Perry. In ihren neuen Songs geht es viel um Tränen – und Blumen! Serviert wurde mit Häppchen-Taktik: Fünf der zwölf Lieder sind bereits über die vergangenen 15 Monate verteilt erschienen.
Stücke über Tränen und Blumen
Darunter „Never Really Over“ und „Daisies" – wegen letzterem Stück trug Perry wochenlang Kostüme mit Gänseblümchen-Dekoration. In „Resilient“ vergleicht sie sich mit einer Blume, deren Wasser vergiftet wurde. „Ich musste mich ein Stück weit aus dem Rattenrennen des Musikbusiness befreien und aufhören, dem nächsten Hit hinterherzujagen“, erklärt Perry. In der Elektropopnummer „Cry About It Later“ und dem Disco-Stück „Teary Eyes“ ersäuft sie ihren Kummer wahlweise in Champagner oder auf der Tanzfläche, bis die Mascara verläuft und die Sonne aufgeht. Für „Not The End Of The World“ zitiert sie den Klassiker „Na Na Hey Hey Kiss Him Goodbye“. Wer schon immer mal wissen wollte, was Perry machen würde, wenn sie nur noch einen Tag zu leben hätte, wird bei dem mit Gospel dekorierten „Only Love“ fündig: sich etwa bei der Mutter für nicht getätigte Anrufe entschuldigen.
Kein Zweifel: Katy Perry hat sich als Mensch und als Künstlerin weiterentwickelt. Ihre Songs sind emotional authentisch – ihr ist ein schönes Sommeralbum gelungen, deren zugrunde liegende Krise den Hörgenuss nicht vergiftet, sondern für Tiefe sorgt. Als richtungweisend bezeichnet Perry das wundervolle Akustik-Stück „What Makes A Woman“, das zwar explizite Sprache enthält, ihrer Tochter aber dennoch den Weg weisen soll.
Kate Perry: „Smile“; das Album erscheint am Freitag (Capitol/Universal)
Der Aufstieg zum Pop-Superstar
Seit 2011 gehört die Musikerin laut Forbes zu den Bestverdienern – mit eigener Modelinie, Label und einem Platz in der Jury von "American Idol". Zehn Jahre ist es her, dass Perry ihr zweites Studioalbum "Teenage Dream" veröffentlichte, für das sie sich als cartoon-artige Erscheinung, gebettet auf einer Wolke aus Zuckerwatte, inszenierte. Mit Hits wie "Firework" traf sie den Nerv der Zeit und stieg zum Pop-Superstar auf. Fünf Nummer-eins-Singles aus einem Album zu destillieren, das gelang sonst nur Michael Jackson mit "Bad" von 1987.⇥dpa

