Porträt
: Ein Leben im Rampenlicht

Die Bühne ist für die gebürtige Eisenhüttenstädterin Fanny Hoffmanndas Zuhause. In Braunschweig gibt sie derzeit die Liz im Musical „Chicago“.
Von
Andreas Wendt
Braunschweig
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Sie kennt die Bühnen in Heidelberg, Nürnberg, Stuttgart und Berlin, wo sie „Kiss me, Kate“ spielte und auch zu Hause ist. Derzeit erfüllt sich die gebürtige Eisenhüttenstädterin Fanny Hoffmann ihren bislang größten Traum, in Braunschweig. Am Staatstheater spielt sie im Musical „Chicago“ die Liz. „Es gibt viele Stücke, die ich gern gespielt hätte, unter anderem ‚Grease’, aber ‚Chicago’ war immer eins meiner Traumstücke“, sagt die 35–Jährige. Die Presse jubelt: „Das provokante Musical ‚Chicago’ fesselt am Staatstheater mit starken Darstellern und markanter Regie“, schreibt die Braunschweiger Zeitung.

Bis Anfang Mai verkörpert sie in dem Stück um zwei eiskalte, verführerische Mörderinnen, einen zwielichtiger Rechtsanwalt und ein Gefängnis voller Sünde die Figur von Liz. „Eine etwas verruchte Rolle, das gefällt mir“, erzählt die Künstlerin über ihr Engagement in einem der begehrtesten Broadway–Musicals aller Zeiten. Sie ist mit ihren 35 Jahren inzwischen eine der ältesten Darstellerinnen und steckt einiges weg: Nachdem sie sich bei der Probe den Kopf aufgeschlagen hat und in der Notaufnahme landete, stand sie wenig später wieder auf der Bühne. Von ihren jüngeren Kollegen und Kolleginnen wird sie schon mal liebevoll Granny, die Oma, genannt. Weil sie eine gehörige Portion Erfahrung mit auf die Bühne bringt, um Rat gefragt wird und gelegentlich auch mal als ehrenamtliche Managerin die Verträge der Ensemblemitglieder nachverhandelt.

Da „Chicago“ in Braunschweig nicht an jedem Abend gegeben wird, tanzt Fanny Hoffmann gleich auf zwei Hochzeiten. Wenn sie aus der Rolle der Liz geschlüpft ist, dann wird sie in Heidelberg zur Lolo, eine der Grisetten in „Die lustige Witwe“ — bis Juni kommenden Jahres. Daran schließt sich fast nahtlos „Das weiße Rössl“ an.

Den Grundstein ihrer Karriere hat sie in Eisenhüttenstadt gelegt. Dort machte sie seit ihrem fünften Lebensjahr das, was ihr noch heute am meisten Spaß bereitet: tanzen. Beim EKO–Tanzensemble, das sich mit der Wende als „Fire & Flame“ neu gründete. Den professionellen Schliff verpasste ihr die Berliner Tanzakademie Balance 1, an die sie im Alter von 16 Jahren wechselte und die sie nach drei Jahren als staatlich anerkannte und geprüfte zeitgenössische Bühnentänzerin abschloss. Seitdem ging es Schlag auf Schlag. Mal im Rampenlicht einer Bühne, mal im Schweinwerferkegel einer Kamera, beispielsweise für Rosa von Praunheim in „Härte“ oder für den Sat.1–Thriller „Die Tänzerin“, wo sie die Hauptdarstellerin Julie Engelbrecht doubelte. Mit der 2012 gekenterten „Costa Concordia“ ging sie auf große Fahrt, um die Passagiere an Bord zu unterhalten und war mit der „MS Amadea“ auf norwegischen Fjorden unterwegs.

Dennoch merkt sie, dass ihr Job kein einfacher ist: Der Tanz geht in die Knochen, bei den Castings schnappen ihr schon mal Jüngere die Rollen weg. Die Rolle der Liz in „Chicago“ hat sie der Tatsache zu verdanken, dass dringend eine Darstellerin gesucht wurde und ihr Bewerbungsvideo überzeugend gewesen ist. Im Alter von jetzt 35 Jahren fühlt sie sich noch gut aufgehoben im Showgeschäft, was vermutlich mit daran liegt, dass sie privat den Mann ihres Lebens gefunden hat. Der kommt nicht aus der Künstlerbranche, sondern ist Grafikdesigner. Beide leben seit über einem Jahr in einer Nah–Fern–Beziehung zwischen Heidelberg, Braunschweig und Berlin. Nebenbei berät sie in ihrer Wahlheimat Berlin noch den Chor der Philharmonie choreografisch und schließt nicht aus, dass sie nach Ende ihrer aktiven Künstlerkarriere ins Eventmanagement wechselt.

Kaum Zeit zum Durchatmen

Die Feiertage verbringt Fanny Hoffmann ganz in Familie. Heiligabend mit ihrer Mutter in Berlin, den ersten Feiertag beim Vater in Eisenhüttenstadt. „Ich freue mich, wieder nach Hause zu kommen“, sagt die Tänzerin und  sehnt sich nach der Zeit, in der sie nicht aus dem Koffer leben muss. Die Zeit zum Durchatmen aber ist kurz. Im alten Jahr zwei Silvestervorstellungen in Braunschweig. Schon am 11. Januar geht es nach Oldenburg, zu einer Mitternachtsgala, und einen Tag darauf applaudiert ihr wieder das Braunschweiger Publikum in „Chicago“ zu.