Pressegespräch: Hillary Clinton live auf der Berlinale

Hillary Rodham Clinton, Protagonistin, bei ihrer Abfahrt am Grand Hyatt Berlin
Christoph Soeder/dpaDie Frage, ob Trump autoritäre Herrschaft in anderen Ländern stärke, bejaht sie. Sein Regierungsstil würde dazu führen, dass andere diesem Vorbild folgen, sagte sie. Er fühle sich wohl mit Leuten, die weitgehend rechts stünden.
Auch das aktuelle Urteil im Prozess gegen den ehemaligen Filmmogul Harvey Weinstein ist Thema. Am Dienstag wurde er wegen Sexualverbrechen schuldig gesprochen. „Das Urteil spricht für sich“, sagt Clinton. Viele Menschen hätten den Prozess verfolgt. Es sei Zeit gewesen, Bilanz zu ziehen. Eine Journalistin hakt nach. Denn: Weinstein war ein großer Förderer Clintons in ihrem Wahlkampf. Die Politikerin entgegnet, er habe alle demokratischen Wahlkampf-Kampagnen unterstützt.
Was den Londoner Prozess um die Auslieferung des Wikileaks-Gründer Julian Assange betrifft, gibt sich Clinton zurückhaltend. Sie habe eine private Meinung dazu. Doch der Gerichtsprozess habe zu entscheiden.
Gesprächiger ist Clinton, was ihren eigenen Wahlkampf 2016 betrifft. Sie sei damals die erste Frau gewesen, die auf so diesem Level kandidierte. Das sei Anlass gewesen, alle Vorurteile über Frauen auf sie zu projizieren, sagt sie und spricht vom Talking-Dog-Syndrom, der Überraschung, dass auch weibliche Wesen sprechen können. Vieles sei damals erfunden worden, um sie zu diskreditieren. Ihre Kritik geht auch in Richtung Russland. Wladimir Putin habe sie und ihre Intentionen sehr gut verstanden, betont sie.
Für einige ist diese Frau eine Heroin, für andere eine Gaunerin: Hillary Clinton wurde in ihrem politischen Leben Zielscheibe von Anfeindungen und zur Verkörperung großer Hoffnungen. Diese unterschiedlichen Bilder sind auch Thema der Dokumentation, die nach der Frau dahinter frage, berichtet Regisseurin Nanette Burstein.
Clinton sagt, sie habe im Laufe der Zeit gelernt, Kritik ernst, aber nicht persönlich zu nehmen. In den sieben Interviewtagen mit Burstein habe alles auf dem Tisch gelegen. „Glaubt mir, sie hat alles gefragt.“ Die Regisseurin stimmt zu. Hillary Clinton habe niemals gesagt, eine Frage sei unangebracht. Dabei habe sie natürlich gewusst, dass einige Themen schmerzvoller sind als andere, erklärt Burstein.
Clinton sagt, sie fühle sich gut porträtiert – mit ihren unterschiedlichen Facetten. „Stellt euch vor: Ich bin ein menschliches Wesen. Ich habe Stärken und ich habe Schwächen“, sagt sie und lacht. Auf die Frage, mit welchem Vermächtnis sie in Erinnerung bleiben will, sagt sie: „Ich bin noch nicht an dem Punkt in meinem Leben, an dem ich zurückschaue.“ Im Moment gehe es ihr um Themen wie Gesundheitsfürsorge, den Kampf gegen den Klimawandel – und natürlich die Frage, wie Trump in den Ruhestand geschickt werden könne.