Es ist keine elegante Bar, eher eine dunkle Höhle. Ein Ecklokal, vollgestopft mit Erinnerungen, eng und ziemlich schummrig. Aber es ist Anns Welt. „Ich gehe nicht aus, ich trinke nicht. Ich bin die erste im Pub – und die letzte“, sagt die 52-jährige Barkeeperin, die das Lokal in Athlone im Herzen von Irland von ihrem Vater übernahm und bis heute führt – durch alle Höhen und Tiefen. Das Lokal ist ihr Halt und ihre Heimat – und Zufluchtsort für jede Menge schräge Gestalten. Manchmal muss Ann sie unsaft hinauskomplimentieren, und manchmal wehrt sie sich selbstbewusst: „Ich bin hier nicht Mutti, ich bin die Barfrau“.
Theabea Furrer, geboren 1989 in Luzern in der Schweiz, hat Ann Flannery und ihre Bar in einem Kurzdokumentarfilm von 25 Minuten porträtiert – leicht war das nicht immer, manchmal wollen die Barbesucher nicht gefilmt werden, schimpfen: „Was macht denn der Attenborough hier?“ in Richtung Kamera. Und manchmal ist auch Ann nicht gut drauf, erzählt davon, dass sie als Jugendliche mit Essstörungen kämpfte. „Der Pub war sozusagen mein Heilmittel. Da musste ich einfach funktionieren.“
Nun eröffnet „Ann‘s Pub“ am Sonnabend (8. Oktober) die Kurzdokumentarreihe der diesjährigen Provinziale in Eberswalde. Was weit weg erscheint, ist ein Thema, das überall aktuell ist: Welche Orte braucht eine Gemeinschaft – und was braucht es, damit diese Orte überleben?
Im Fall von Ann‘s Pub ist es die Musik. Immer montags ist Folkabend – „ohne die Musik hätten wir hier nicht überlebt“. Doch auch mit Musik überlebt man nicht immer – einer der Musiker, Martin O‘Hara, erkrankt an Krebs, und wie seine Kollegen versuchen, das Konzertprogramm ohne ihn aufrechtzuerhalten und ihm den Mitschnitt ins Krankenhaus senden, wird zu einer herzerwärmenden Freundschaftsstory. Der Film malt keine heile Welt, und keine Folk-Idylle. Aber er erzählt davon, wie sich Menschen gegenseitig helfen im Leben. Und gute Musik gibt es auch dazu.