Punk-Legenden: Doppelkonzert der Bands „Fehlfarben“ und „Zerfall“ auf dem Alex

Die Gruppe "Fehlfarben" mit Sänger Peter Hain.
Bernd Thissen/dpaMit einem spannungs- wie energiegeladenen Doppelprogramm wurde am Mittwochabend das festliche Gedenken an 30 Jahre friedliche Revolution auf dem Alexanderplatz fortgesetzt. Das dortige, einwöchige Gratis-Open-Air zwischen Weltzeituhr und „Saturn“-Konsumtempel vereinte bei regnerischem Novemberwetter zwei Ikonen der Subkultur ihres jeweiligen Herkunftsstaates.
Die 1983 gegründete Band Zerfall übernahm hier die Rolle der Ostberliner Lokalmatadoren. Zerfall waren eine der sogenannten „Anderen Bands“ in der DDR, die sich jenseits des staatlichen Kulturapparates eine Fangemeinde erspielt hatte. Die heute als Quartett auftretende Band macht mit einem schmissigen Auftritt den Anfang, lässt laute und wüste Punkrock-Attacken über den Alex schallen, zum Erstaunen der vielen Passanten, die am frühen Abend noch ihre Einkaufstüten über den weiten Platz schleppen.
Punk-Ikonen aus Düsseldorf
Die meisten im Publikum sind aber für die zweite Band gekommen. Die Fehlfarben aus Düsseldorf waren Anfang der 80er-Jahre mit ihrem Album „Monarchie und Alltag“ eine kurze Zeit lang Stars. Als ihre Single „Ein Jahr (Es geht voran)“ 1982 zum Neue-Deutsche-Welle-Hit wurde, lag die Band aber schon in Trümmern, hatte Sänger Peter Hein das Musikerleben zu Gunsten eines Brotberufes aufgegeben. Seit den Nuller-Jahren machen Hein und Co. wieder Musik. Viele sagen: Sie sind besser als je zuvor.
Und dafür liefert das Sextett auf dem Alex den Beweis, mit einem quicklebendigen Ritt durch das gesamte Œuvre. „Wir sind die Fehlbuchung des Jahres“, scherzt „Besser-Wessie“ Peter Hein über den Anlass, und lässt noch manchen launigen Kommentar über die deutsch-deutsche Geschichte vom Stapel. Die „Besser-Gitarre“ Thomas Schneider peitscht dazu mal knochentrockene, mal funkige Riffs über den Alex, „Besser-Synth“ Kurt Dahlke streut Wave-Pop-Klangflächen ein. Und am Ende sind nicht nur die vielen 80er-Jahre-Veteranen vor der Bühne beglückt.
