Radiohead in Berlin
: Wie das erste der vier Konzerte in der Uber-Arena war

Nach sieben Jahren Pause kehrt Radiohead zurück und begeistert in Berlin mit vier ausverkauften Konzerten. Warum ihre komplexe Musik auch die TikTok-Generation erreicht.
Von
Gunnar Leue
Berlin
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Thom York von Radionhead in Berlin

Comeback nach sieben Jahren: Thom Yorke von Radionhead in Berlin

Alexander Lake
  • Radiohead kehrt nach sieben Jahren Pause mit vier ausverkauften Berlin-Konzerten zurück.
  • Der Song „Let Down“ erlangte durch TikTok eine neue Popularität und erreichte die US-Charts.
  • Ihre Musik verbindet komplexe Melancholie mit experimentellen Klängen und überraschenden Rhythmen.
  • Die Shows in der Uber-Arena beeindrucken mit einer runden Bühne, visuellen Effekten und intensiven Klängen.
  • Fans entdecken die „spröde Schönheit“ der Songs erst nach mehrmaligem Hören.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Als wäre das Rockjahr 2025 in puncto Comeback nicht schon durch Oasis entschieden, kommt zum Ende hin doch noch ein heißer Kandidat: Radiohead. Die Lieblinge aller Kritiker und – das ist ja die große Kunst – auch unzähliger Menschen, die Musik nicht aus professionellen Gründen hören, sind nach sieben Jahren zurück.

Grund für die Auszeit für die Band um Sänger Thom Yorke waren persönliche Dinge: Trauerfälle in der Familie, Gesundheitsprobleme, auch Sinnkrisen. Gitarrist Ed O'Brien erzählte, dass er einfach nicht mehr weitermachen konnte. Die Erschöpfung war 2021 in eine Depression übergegangen. Sie endete im Guten, nämlich in der Erkenntnis, dass er die Jungs in seiner Band so liebt, dass es nicht ohne sie geht. Eine Folge sind jene Vierfach-Konzerte, die Radiohead in fünf europäische Städte führen, darunter auch nach Berlin, wo das erste am Montagabend stattfand.

Radiohead spielt gleich viermal in Berlin. Alle Konzerte sind ausverkauft.

Radiohead spielt gleich viermal in Berlin. Alle Konzerte waren im Nu ausverkauft.

Alexander Lake

Offenbar aus aller Herren Länder waren die Fans in die Uber-Arena gekommen, um sich einer Musik hinzugeben, die man ohne Übertreibung einzigartig nennen kann. Und die, ehrlich gesagt, von einer solchen Komplexität ist, dass man sich doch leicht wundert, dass die Tickets an allen vier Tage im Nu ausverkauft waren. Unter den 17000 Besuchern waren viele jüngere, sprich im Alter der Musikerkinder, was mit einem inzwischen nicht mehr neuen Phänomen zusammenhängt.

Der Song „Let Down“ hat eine TikTok-Karriere hingelegt

Der melancholische Song „Let Down“ vom 1997er-Album „OK Computer“ hat jüngst eine Tiktok-Karriere als Hintergrundmusik für emotionale Zusammenschnitte und deprimierende Zitate hingelegt. Dadurch stieg er sogar in die US-Charts ein, als überhaupt erst vierter Titel der Band. Während sich die Bandmitglieder nur die Augen rieben, bekam Gitarrist Ed O’Brien von seinen Kindern, 18 und 21, Aufklärung. „Was hast du denn erwartet?“, musste sich O’Brien anhören. „Teenager sind deprimiert. Es ist depressive Musik!“

So könnte man das sagen, wenn man vor allem die Grundstimmung der Songs beschreiben will. Im Detail ist es dann aber doch noch ein wenig komplizierter. Im eher abweisend als düster erscheinenden Radioheadsound, der oft von Melancholie durchdrungen ist und tatsächlich nicht zum Hände-zum-Herzchen-Formen einlädt, finden sich reichlich Frickelfinessen. Es gibt exotische Mollakkorde, überraschende Tonartwechsel und Rhythmen. Radiohead sind ja keine Gothic-Band. Sie machen eine experimentelle Rockmusik, die die Entfremdung von der Welt nicht als Gefühl der Schwermut ausdrückt, sondern in einer hippeligen Trance. Als würde ein AHDSler seine Unruhe in Zeitlupe erleben.

Damit scheinen viele junge Menschen aktuell viel anfangen zu können. Sie sind schon aus dem Häuschen, als sie vor Beginn der Show auf die kreisrunde Bühne in der Hallenmitte schauen und von dort Brumm- und Fiepstöne vernehmen. Die Bühne sieht aus wie ein Riesenkäfig aus durchsichtigen Screengittern. Von den sechs Musikern, die sie bespielen, sind zwei Schlagzeuger, teilweise kommt noch eine dritter hinzu. Drum and Bass, das ist eine wichtige Grundierung des Radioheadsounds, in dem es immer pocht und klackert und die Schönheit erst durch mehrmaliges Hören kommt. Wer sich an der Musik erfreuen will, sollte sie besser schon vorher von Platte gehört haben.

Songs wie „Kid A“ sind keine Mitsinglieder

Klar, es gibt auch Songs, die auf Anhieb ins Ohr dringen, wie eben „Let Down“ oder „No Surprises“ und erst recht das hymnische „Karma Police“. Aber Songs wie „Kid A“, „Idioteque“ oder „2 + 2 = 5“ sind keine Mitsing- geschweige Mitklatschlieder. sie variieren zwischen den Polen: Mal schmeicheln sie den Ohren, dann wieder attackieren sie sie. Von vordergründigem Wohlgefallen keine Spur.

Der Zuhörer muss den vermutlich steinigen Schaffensweg der Musiker in gewisser Weise nacherklimmen, um am Ende die spröde Schönheit der Songs zu entdecken. Zuweilen werden die von kurzen, heftigen Gitarrenstakkatos derart zerrissen, als fürchteten die Musiker regelrecht eine allzu harmonische Wirkung ihrer Songs.

Thom Yorke - mal an der Gitarre, mal am Piano – singt nicht nur entrückt, sondern scheinbar verrückt, wenn er zwischen elegischer Melancholie und hysterischer Wut rochiert. Die Videoshow untermalt das Kryptische an der Radiohead-Musik perfekt: Verschwommene Bilder, flackernde Abstraktheit. Ist es Kunst oder verworrenes Zeug? Ambivalente Gefühle sind ja das, was nicht zuletzt die jungen Bewohner der heutigen Zeit prägt. Insofern haben Radiohead nie besser in die Zeit gepasst als jetzt.