Radiohistorie
: Vom Funkerberg in die weite Welt

Rainer Suckow erzählt in seinem Buch „Eine Prise Funkgeschichte“ 50 Episoden aus 100 Jahren Radio.
Von
Camillo Kupke
Frankfurt (Oder)
Jetzt in der App anhören

Schlichtes Studio: Blick in einen Konzert-Aufnahmeraum des Rundfunks Anfang der 1920er-Jahre

AEG/dpa

Zwar gilt gemeinhin der 29. Oktober 1923 als Geburtsstunde des Rundfunks in Deutschland. An jenem Montag nimmt die Funk–Stunde Berlin im Vox–Haus nahe dem Potsdamer Platz ihren regelmäßigen Sendebetrieb auf — mit dem legendären Schlusssatz: „Vergessen Sie bitte nicht, die Antenne zu erden!“ Die Wiege des Radios aber stand vor 100 Jahren in Königs Wusterhausen. Davon kündet auch das 1992 entstandene Stadtwappen. Es zeigt drei rote Sendetürme, die auf der nördlichen Erdhalbkugel thronen.

Als Zeesen „Weltstadt“ war

Nachzulesen ist das in dem Taschenbuch „Eine Prise Funkgeschichte“. Rainer Suckow, gelernter Rundfunktontechniker und seit 2006 Vorsitzender des Fördervereins Sender Königs Wusterhausen, der zusammen mit der Stadt das dortige Sendermuseum betreibt, erzählt in 50 kurzen wie unterhaltsamen Episoden von den maßgeblichen Menschen, Ereignissen und Orten der drahtlosen Übertragung von Sprache und Musik. Dabei lässt er anschaulich den Leser am rasanten technischen Fortschritt teilhaben, der insbesondere vom Durst der Menschen nach Unterhaltung und Information forciert wurde. Klar, dass Suckow seinen Fokus auch auf jene Meilensteine richtet, die in Königs Wusterhausen gesetzt wurden. So erzählt er auch ein spannendes Kapitel der märkischen Technikgeschichte.

Der Leser erfährt zum Beispiel, warum das Dorf Zeesen, heute ein Ortsteil von Königs Wusterhausen, einst eine „Weltstadt“ war. Dort befand sich in den 20er– bis 40er–Jahren einer der stärksten Kurzwellensender Europas und war einst auf den Radioskalen verzeichnet — neben Paris, London und Tokio. Suckow berichtet vom 210–Meter–Sendemast auf dem Funkerberg, Deutschlands ältestem Antennenträger, und welchen Umständen es zu verdanken ist, dass er heute noch steht. Er schreibt vom ersten offiziellen Rundfunkhörer in Deutschland — das war 1923 der Berliner Tabakwarenhändler Wilhelm Kollhoff — und von der ersten Stereosendung, übertragen am 26. Dezember 1958 vom Sender Freies Berlin (SFB).

Dazwischen blickt Suckow über den Tellerrand hinaus. Er erzählt von Deutschlands ältester Radiosendung (seit 1951, das Reisemagazin „Zwischen Hamburg und Haiti“ im NDR), vom mit 646,38 Metern einst weltweit höchsten Sendemast (1972 bis 1991 im polnischen Gabin), von Piratensendern und der Erfindung des Autoradios, von der ersten Übertragung eines Computerprogramms im deutschen Rundfunk (16. Oktober 1986 im Radio DDR II) und der ersten deutschsprachigen Hitparade, ausgestrahlt am 6. April 1958 von Schlagersänger und Moderator Camillo Felgen bei Radio Luxemburg.

Das vergnügliche Taschenbuch macht Lust auf noch mehr Wissen. Wer sich für die Geschichte des Rundfunks interessiert, darf sich auf den 25. September freuen. Ab dann zeigt das Museum für Kommunikation in Berlin die Sonderausstellung „On Air. 100 Jahre Radio“.

Rainer Suckow: „Eine Prise Funkgeschichte“, edition q, 160 Seiten, 16 Euro