Rod Stewart in Berlin
: Konzert „One Last Time“ in Uber Arena, alles Wichtige

Der britische Sänger Rod Stewart spielt im Rahmen seiner „One Last Time“-Tour viele seiner großen Hits noch einmal live. Was Fans wissen müssen.
Von
Boris Kruse
Berlin
Jetzt in der App anhören
Rod Stewart, Popsänger aus Großbritannien, bei einem Konzert seiner laufenden Tournee am 22. Mai 2024 in Bratislawa

Rod Stewart, Popsänger aus Großbritannien, bei einem Konzert seiner laufenden Tournee am 22. Mai 2024 in Bratislawa

picture alliance/dpa/TASR

Die Reibeisenstimme schlechthin ist zurück. Wenigstens einmal noch. Sir Rod Stewart (79) geht auf Abschiedstournee, und er lässt dabei natürlich auch die Bundeshauptstadt nicht aus. In der größten Indoor-Konzertarena Berlins spielt der Brite mit schottischen familiären Wurzeln am Sonnabend (15.6.) unter dem Titel „One Last Time“ viele seiner größten Hits und einige Raritäten.

Für Showeffekte sorgen auf den Konzerten der Tour eine überdimensionale Videoleinwand hinter der Bühne sowie das stylishe Auftreten seiner überwiegend weiblich besetzten Begleitband: Die ausgeklügelte Konzert-Choreografie sieht für sie einheitliche schwarze Outfits und konsequent weiße Fender-Gitarren vor. Sir Rod Stewart tritt als Kontrast dazu in schillernden, bunten Jacketts und seiner bekannten, seit fast 60 Jahren unveränderten Vokuhila-Stachelhaar-Frisur an das Mikrofon. Alles Reminiszenzen an seine Jugendjahre, als in Großbritannien erst die Mod-Bewegung und später der Glamrock große Themen waren.

Rod Stewart – welche Songs zu hören sind

Coverversionen von Songs anderer Künstler haben immer einen großen Raum in Rod Stewarts Repertoire eingenommen, mit ihnen hatte er einige seiner größten Hits. Auch auf der laufenden, vielleicht allerletzten großen Tour betätigt sich der Mann mit der Reibeisenstimme wieder als Jukebox ohne Rücksicht auf Genre-Grenzen. Blicke in die Setlists zurückliegender Konzerte verraten, dass er unter anderem seine Fassung des Cat-Stevens-Klassikers „The First Cut Is The Deepest“ dabei hat, ebenso mit „Downtown Train“ einen seiner Hits aus der Feder von Tom Waits, das balladesk-romantische „Have I Told You Lately“ von Van Morrison und „Some Guys Have All The Luck“ von den Persuaders, ohne den kaum ein Auftritt Rod Stewarts denkbar ist.

Auch einige ungewöhnliche Cover-Entscheidungen hat der Träger des Ordens Commander of the Orders of the British Empire (CBE) vor Auftakt seiner Abschiedstour getroffen. So steigt der 79-Jährige mit „Just Can`t Get Enough“ von Depeche Mode und Robert Palmers „Addicted To Love“ in seine abendfüllende Show ein. Ebenso ist an den meisten Abenden Bonnie Tylers notorischer Schunkel-Hit „It’s A Heartache“ zu hören -mit der ebenfalls britischen Sängerin teilte Stewart sich vor 40, 45 Jahren oft die vorderen Ränge der Charts. Offenkundig hat Mister Reibeisenstimme verstanden, wie er die Bedürfnisse seines - mit ihm gealterten - Publikums zu erfüllen hat.

Bittersüße Rückblicke auf ein langes Leben als Rockstar

Mehr als eine Viertelmilliarde Tonträger hat Rod Stewart im Laufe seiner Karriere verkauft. Um in einem Konzertprogramm Platz für all die oben genannten Titel zu schaffen, müssen andere große Hits freilich ins zweite Glied rutschen; sie sind im Jahr 2024 selten oder gar nicht zu hören. So hat Rod Stewart scheinbar keine Lust mehr auf den Kracher „Rhythm Of My Heart“ von 1991. Die musikalisch prägenden Jahre mit seiner alten Band The Faces, in der er mit seinem Freund Ron Wood zusammen spielte, bleiben ebenfalls unterrepräsentiert. Manchmal singt Stewart deren Klassiker "Ooh La La", immerhin.

Rod Stewart (r.) und Ronnie Wood von den Rolling Stones bei einem Auftritt in London am 26. Juni 2004  dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Freunde und Kollegen: Rod Stewart (r.) und Ronnie Wood spielten einst in der Band von Jeff Beck (1967-1969) und bei The Faces (1969-1975) zusammen. In späteren Jahren ließen sie keine Gelegenheit aus, mit nostalgischen Reunions an ihre gemeinsame Zeit zu erinnern. So etwa hier bei einem Auftritt in London am 26. Juni 2004.

Myung Jung Kim/picture-alliance/dpa

Vielleicht hat Rod Stewart dieses Stück ja deshalb wieder aus dem Archiv hervorgeholt, weil es eine nahezu perfekte Metapher für das lange Rockstar-Leben des im Jahr 2016 geadelten Sängers ist. Und Stewart hat nun wirklich nichts ausgelassen. In dem Text heißt es: „I wish that I knew what I know now / When I was younger“ - „Ich wünschte, dass ich schon gewusst hätte, was ich jetzt weiß, als ich jünger war.“ Das singende Ich teilt darin seinem Gegenüber - vielleicht dem eigenen Sohn - mit, wie schmerzhaft das Erwachsenwerden sein kann. Am Ende resümiert der Erzähler darin: „You`ll have to learn, just like me / And that`s the hardest way“. Zu Deutsch: „Du musst lernen, wie ich einst lernen musste - auf die härteste Art.“

Lebenslanger Fan des Fußballvereins Celtic Glasgow: Sir Rod Stewart am 20. April 2024 mit seinen Söhnen Alastair (l.) und Aiden auf der Tribüne vor dem Halbfinalspiel des Scottish Gas Scottish Cup im Hampden Park.

Lebenslanger Fan des Fußballvereins Celtic Glasgow: Sir Rod Stewart am 20. April 2024 mit seinen Söhnen Alastair (l.) und Aiden auf der Tribüne vor dem Halbfinalspiel des Scottish Gas Scottish Cup im Hampden Park Glasgow. Stewart ist hier seit vielen Jahren Stammgast.

PA Wire/picture alliance/dpa

Bittersüß waren die großen Hits von Rod Stewart bei aller übertrieben selbstbewussten Glamour- und Macho-Attitüde schon immer. Zu „Do Ya Think I`m Sexy“ gehört als Kehrseite fast zwingend die unsterbliche Ballade „Sailing“ - beide auf der laufenden Tour übrigens meist im Zugabenblock zu hören.

Wurzeln im Blues, späte Karriere mit Jazz-Standards

Eine geballte Ladung Hits also. Indessen: Wer Rod Stewart als Hit-Garant in den späten 70er-, den 80er- oder den 90er-Jahren kennengelernt hat, könnte glatt übersehen, dass seine musikalischen Wurzeln in eine ganz andere Richtung weisen. In der Band von Gitarrist Jeff Beck (1944-2023), der damals gerade die Yardbirds verlassen hatte, spielte er saftigen, lauten Heavy-Blues im Stile von John Mayall & the Bluesbreakers oder der frühen Fleetwood Mac. Viele Musikhistoriker urteilen: Hätte die Jeff Beck Group sich nicht schon so früh wieder getrennt, dann wären sie womöglich ähnlich groß geworden wie wenig später Led Zeppelin.

Als Nachfolger von Steve Marriott wechselte Stewart daraufhin gemeinsam mit dem Bandbassisten Ron Wood zu den Small Faces, die sich dann in The Faces umbenannten. In dem Zuge tauschte Ronnie Wood sogar sein Hauptinstrument - er stellte den E-Bass in die Ecke und griff zur Gitarre. Und auch in dieser Band blieb der schwere Bluesrock vorherrschend; die Faces hatten einschlägige Hits wie „Stay With Me“ und wurden als Live-Act hoch gehandelt.

Erst auf seinen parallel erscheinen Soloalben - die zum Teil mit den Faces als Begleitband eingespielt worden sind - probierte der Sänger mit der alkoholtriefenden Stimme und der Working-Class-Attitüde auch Balladen aus. Das von Gavin Sutherland geschriebene „Sailing“ wurde 1975 ein Welthit. In dem Jahr lösten sich die Faces auf, Ron Wood ging zu den Stones - und für Rod Stewart gab es in puncto Karriereausrichtung kein Zurück mehr.

Auch eher überraschend mag für viele ein später Karrierewechsel erscheinen, den Rod Stewart zu Beginn der Nullerjahre vollzog: Mit seinen Adaptionen von Standards aus dem Great American Songbook versuchte der Brite sich höchst erfolgreich als Jazz-Crooner.  Alben wie „It Had To Be You“ und „As Time Goes By“ verkauften sich ab 2002 überaus gut. Auch vor einem Weihnachtsalbum („Merry Christmas, Baby“, 2012) schreckte er nicht zurück. Und mit den gepflegten Konzerten dazu erschloss er sich noch einmal ein ganz neues Publikum. In Interviews äußerte der durchaus zur Selbstironie begabte Rod Stewart sich dazu humorvoll - und ging Scherzen über sein Alter und typische Rocker-Klischees nicht aus dem Weg. Auch dieses Kapitel seiner Karriere wird auf der aktuellen Arena-Tour eher ausgeklammert.

Am Beginn seiner Weltkarriere: Rod Stewart am 15.09.1976 während einer Probe im Studio des Fernsehsenders London Weekend Television für die Musik-Sendung "Supersonic".

Am Beginn seiner Weltkarriere: Rod Stewart am 15.09.1976 während einer Probe im Studio des Fernsehsenders London Weekend Television für die Musik-Sendung "Supersonic".

picture alliance / dpa

Ursprünglich aber wollte der in London aufgewachsene Sänger einmal Fußballprofi werden. Er hatte als Jugendlicher sogar schon einen Vorvertrag für eine Profilaufbahn in der Tasche. Talent war also vorhanden. Noch heute ist Rod Stewart regelmäßig bei Heimspielen "seines" Vereins Celtic Glasgow auf der Tribüne zu sehen.

Wie komme ich hin?

Die Uber Arena ist einfach mit den S-Bahn-Linien der Berliner Stadtbahn zu erreichen: Ausstieg am S-Bahnhof Warschauer Straße oder am Ostbahnhof. Von dort jeweils einige hunderte Meter zu Fuß weiter. Ebenso fahren Regionalbahnen wie der RE 1 den Ostbahnhof an. Zudem steht an der Uber Arena ein geräumiges, kostenpflichtiges Parkhaus bereit.

Gibt es noch Tickets?

Rod Stewart „Live In Concert - One Last Time“ am 15. Juni in der Uber Arena, Mercedes-Platz 1, Berlin-Friedrichshain. Konzertbeginn um 20 Uhr. Karten zum Beispiel unter www.eventim.de

Es sind noch vereinzelt Eintrittskarten in unterschiedlichen Preissegmenten zu bekommen, und es ist auch durchaus möglich, dass noch weitere Restkontingente freigeschaltet werden. Die Preise sind allerdings gesalzen: Ein Platz ganz vorne vor der Bühne schlägt mit mehr als 400 Euro zu Buche. Bei Redaktionsschluss kosteten die günstigsten verfügbaren Tickets im Oberrang auch mehr als 180 Euro. Vorsicht vor unseriösen Anbietern!