Roland Kaiser: Bei „Polaks Schlagertalk“ zeigt sich der Sänger ungewohnt offen

Plauderte anekdotenreich in „Polaks Schlagertalk“ über sein Leben und seine Musik: Roland Kaiser
Rolf Vennenbernd/dpa„Es gibt beim Schlager ja zwei Möglichkeiten: Entweder du wählst das Herz oder ein Stück tiefer“, so jedenfalls sieht es Roland Kaiser. Wow! Bei solch unverblümter Offenheit stockt sogar Oliver Polak kurz der Atem. Aber der selbst nicht für mangelnde Zimperlichkeit bekannte Comedian wollte es eben wissen.
Songs wie „Manchmal möchte ich schon mit dir“ oder „Du, deine Freundin und ich“ – was nur hat es mit dieser nicht gerade geringen Menge Erotik im Œuvre des Schlagersängers auf sich? „Liebe besteht ja nicht nur aus Händchen halten“, sagt der.
Was hat es mit der Erotik in Roland Kaisers Songs auf sich?
Damit wäre das geklärt. Nun, nicht ganz. Jetzt will Polak die Sache tiefenpsychologisch ergründen. Diese maßlose Sehnsucht nach Liebe, das müsse doch unterbewusst etwas mit der Mutter des als Waisenkind im Nachkriegs-Berlin aufgewachsenen Sängers zu tun haben. Doch Kaiser will davon nichts wissen: „Nein, das ist wirklich falsch.“ Deutlicher wird es nicht.
Man muss es „Polaks Schlagertalk“ lassen: Eine solch frech-naive und gleichzeitig aufrichtig-neugierige Annäherung an das wohl unterschätzteste Genre deutscher Musik, dem Schlager, gab es noch nicht. In sechs Folgen schnackt der Comedian und bekennende Schlagerfan Oliver Polak darin munter mit Genre-Größen wie Marianne Rosenberg, Nino de Angelo oder Beatrice Egli. Wird Schlager im deutschen Feuilleton oft ignoriert, häufiger noch belächelt, das Format von Deutschlandfunk Kultur soll ihm endlich zu rechtmäßiger Würdigung gereichen.
Schlagerfan Oliver Polak guckte schon als Kind die Hitparade
Seit 19. März erscheint von „Polaks Schlagertalk“ wöchentlich eine neue Folge. Die Zuneigung zum Schlager ist beim für seinen unverblümten Humor berüchtigten Moderator, der schon als Kind gern die ZDF-Hitparade guckte, darin deutlich herauszuhören. Doch Polak wäre nicht Polak, ginge er nicht auch dahin, wo es weh tut. Roberto Blanco etwa treibt er in Folge zwei fast zur Weißglut, weil er ihm partout nicht glauben will, dass Rassismus in seinem Leben kaum Thema gewesen sein soll.

„Polaks Schlagertalk“ mit Moderator Oliver Polak ist seit 19. März 2024 in der Dlf Audiothek und überall, wo es Podcasts gibt, abrufbar.
DeutschlandradioDer 47-jährige Podcaster hat hörbare Freude am rhetorischen Querschuss. Seine Gäste erwischt er oft kalt. So fällt er ihnen schon mal ins Wort, wenn ihn plötzlich etwas mehr interessiert. Und das kann von der Kindheit über die politische Gesinnung, das Liebesleben, Abstürze, Krankheit oder die Entstehung eines bestimmten Liedes so gut wie alles sein. Mit seiner entwaffnenden Art nimmt er seine Gäste dabei trotzdem für sich ein – und bringt sie dazu, sich zu öffnen.
Der kleine Roland auf dem Schoss von Willy Brandt
Im Fall von Roland Kaiser fördert das allerlei interessante Anekdoten zutage. Das Publikum erfährt etwa, dass Kaisers Pflegemutter Reinigungskraft in der Berliner SPD-Zentrale war. Ihren kleinen Roland setzte sie dort schon auf Mal dem Schoß von Willy Brandt. Auch dass mit „Santa Maria“, einer seiner größten Hits auf einen Scherz zurückging, gesteht der 71-jährige Schlagerstar.
Ein Produzent war mit einer frühen Version des späteren Nummer-1-Hits unglücklich. Ihm schwebte etwas anderes vor, „was mit Strand, Liebe, Sand.“ Frustriert schrieb Kaiser also einen neuen Text und fing an, „an allen Ecken und Enden übertreiben“, wie er Polak erzählt. Dem Produzenten gefiel das Ergebnis allerdings außerordentlich gut. „Diesen Spaß singst du jetzt“, hat er laut Kaiser angeordnet. Gesagt, getan: „Den singe ich jetzt seit 1980, ein paar tausendmal schon.“
Es dauernd nicht lange, bis Gäste wie Zuhörende lernen, was für unkonventionelles Format „Polaks Schlagertalk“ ist. Was für ein Glück muss man sagen! Frech, aber nicht fies. Augenzwinkernd, aber nicht unaufrichtig. Plaudernd, aber nicht schwafelnd. Es ist diese bislang viel zu wenig angewandte Mixtur, die für ein erstaunlich ertragreiches Hörerlebnis sorgt. Die so oft belächelte Welt des Schlagers erscheint da plötzlich unerhört spannend. Und das nicht nur für Schlagerfans.
„Polaks Schlagertalk“
► Seit 19. März ist „Polaks Schlagertalk“ in der Dlf Audiothek App und überall, wo es Podcasts gibt, abrufbar.
► Zum Launch erschienen zwei Folgen mit Roberto Blanco und Kerstin Ott.
► Seither wird jeden Dienstag eine neue Episode des sechsteiligen Podcasts veröffentlicht:
● Roland Kaiser (26. März),
● Beatrice Egli (2. April),
● Nino de Angelo (9. April),
● Marianne Rosenberg (16. April).


