Solidarisch erklärt haben sich viele aus der Kulturszene, schon in den ersten Tagen. Inzwischen rollt auch die Welle der Solidaritäts- und Benefizaktionen, bei denen Geld oder andere Spenden gesammelt werden. Eine kleine Übersicht:

Live aus der Frauenkirche in Dresden

Am Mittwoch Abend um 18 Uhr hat Arte live eine musikalische Friedensandacht mit dem ukrainischen Pianisten Alexey Botvinov und Star-Geiger Daniel Hope aus der Dresdner Frauenkirche übertragen – das Konzert ist in der Arte-Mediathek noch zu sehen. Die musikalische Friedensandacht „Hope for Peace“ ist ein Zeichen der Unterstützung für die Ukraine. Eigentlich wollten Daniel Hope und Alexey Botvinov in diesen Tagen mit dem ukrainischen Komponisten Valentin Silvestrov zusammenkommen, was durch die aktuellen Geschehnisse unmöglich wurde. Alexey Botvinov konnte noch rechtzeitig aus seiner Geburtsstadt Odessa entkommen und setzt sich nun hier mit den Mitteln der Kunst für sein Heimatland ein.
In einer Zeit, in der ukrainische Bühnen geschlossen sind, nimmt ARTE Concert zudem u.a. Werke und Konzerte ukrainischer Künstlerinnen und Künstler erneut ins Programm. Auch die Aufzeichnung des Solidaritätskonzerts, das letzten Freitag vor der russischen Botschaft in Riga gegeben wurde, steht in der ARTE-Mediathek. Unter dem Motto "#Ukraine #notspeechless" ergreifen zudem internationale KünstlerInnen und Kulturschaffende in Videobotschaften das Wort.

Viadrina-Universität veranstaltet Mittwochs-Lesungen

Ab Mittwoch, dem 2. März, lädt die Viadrina gemeinsam mit der Eberhard Karls Universität Tübingen zu der Reihe „Lesen für die Ukraine“ ein. Immer mittwochs von 18 Uhr bis 18.20 Uhr werden in Online-Sitzungen ukrainische Texte der Gegenwart und Vergangenheit gelesen. Gelesen wird in deutscher Übersetzung. Den Auftakt machen Alexander Kratochvil und Beatrix Kersten, die Texte aus dem Ersten Weltkrieg vortragen. Am 9. März, wird dann zum Geburtstag des ukrainischen Lyrikers Taras Schewtschenko aus „Vor dem Krieg und im Krieg“ von Serhij Zhadan gelesen. Interessierte erhalten nach Anmeldung an slavistik@uni-tuebingen.de einen Zugangslink. Die Veranstaltungen werden auch per YouTube übertragen.

Texte vom Krieg: Lesung im Hans-Otto-Theater Potsdam

Am 2. März um 19:30 Uhr veranstaltet das Hans Otto Theater eine szenische Lesung in der Reithalle, um seine Solidarität mit den Menschen der Ukraine zu bekunden. Mit dabei sind Ensemblemitglieder des Theaters, aber auch prominente Gäste wie Nina Gummich und Rita Feldmeier. Gelesen werden Texte und Beiträge ukrainischer und russischer Autorinnen und Autoren, die den Krieg aktuell beschreiben, aber auch solche, die ihn vorausgesehen haben oder um die Spuren kreisen, die er in der DNA einer Nation hinterlassen wird.

Brandenburgisches Staatsorchester Frankfurt (Oder) ändert Programm

Das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt (BSOF) baut wegen des Krieges in der Ukraine sein Programm um. Das 7. Philharmonisches Konzert am 4. März in Frankfurt (Oder) soll mit der Ukrainischen Nationalhymne eröffnet werden, wie das Orchester mitteilte. Die Musiker wollen damit ihre Solidarität zu den vom Krieg betroffenen Menschen zeigen. Der Intendant des BSOF, Roland Ott, und Generalmusikdirektor Jörg-Peter Weigle unterstützen demnach die Erklärung des Deutschen Bühnenvereins zur Situation in der Ukraine. Der Krieg diene nicht nur dem russischen Machtstreben, sondern wende sich auch gegen eine offene und freien Gesellschaft in der Ukraine, heißt es darin.
Mit seinem 7. Philharmonischen Konzert unterstützt das BSOF auch  eine Spendenaktion von Jacqueline Eckardt, der Kinderbeauftragten der Stadt Frankfurt. Sie sammelt Geld, mit dem ukrainischen Kindern und Jugendlichen geholfen wird, die wegen der russischen Invasion aus ihrer Heimat fliehen mussten und zurzeit in Frankfurt (Oder) ankommen. Jacqueline Eckardt wird zu Beginn des Konzerts ihre Aktion kurz vorstellen. Die Mitglieder des Orchesters haben für die Hilfsaktion der Kinderbeauftragten bereits mehr als 2000 Euro gespendet. Für Konzertbesucher wird bei dem Konzert eine Spendenbox im Foyer der Messehallen stehen. Das BSOF wird auch Handzettel ausgeben mit der Nummer des Spendenkontos.

Neue Bühne Senftenberg zeigt Koproduktionen mit der Ukraine

Das Senftenberger Theater zeigt am 5. und 6. März zwei Inszenierungen, die im Rahmen des deutsch-ukrainischen Projekts „Borderlands“ entstanden: Am Samstag, 5. März, erzählt „Als der Krieg nach Rondo kam“, wie eine Gemeinschaft, die zusammenhält, auch schwere Situationen meistern kann und man mit Mut und Liebe auch den Krieg besiegen kann. Das gleichnamige Kinderbuch entstand 2015 als Reaktion auf den Donbas-Krieg und richtet sich an Menschen ab 8 Jahren.
Entstand in Zusammenarbeit mit dem Theater im ukrainischen Lviv: das Kinderstück "Als der Krieg nach Rondo kam"
Entstand in Zusammenarbeit mit dem Theater im ukrainischen Lviv: das Kinderstück „Als der Krieg nach Rondo kam“
© Foto: Neue Bühne Senftenberg
Am Sonntag, 6. März, findet um 11 Uhr eine Sondervorstellung von „From Ukraine with Love“ als Solidarveranstaltung statt. Der Eintritt für diese Vorstellung ist frei! Das Kölner Künstlerteam Futur3 initiierte bereits 2020 an der neuen Bühne eine theatrale Völker-Begegnung mit Menschen aus Lviv und Senftenberg. Sie sammelten dabei persönliche Geschichten, Erinnerungsgegenstände und Gedankensplitter, die etwas über die eigene Identität erzählen, die Identität, die die Ukrainer gerade so schmerzlich verteidigen müssen. An beiden Tagen sammelt das Theater Spenden.
Zur Situation des Partnertheaters in Lviv hat Viktoria Shvydko einen kurzen Text für die „Deutsche Bühne“ über die Situation verfasst. Derzeit stellen sie u.a. den Keller ihres Theatergebäudes als Schutzbunker für alle Menschen zur Verfügung, die keinen Schutz finden können.

Staatstheater Cottbus startet Mitmachaktion

Das Staatstheater Cottbus sammelt ab sofort in allen Spielstätten Geldspenden für die Menschen in der Ukraine. Die Spenden wird das Theater der Caritas zukommen lassen, die sie vor Ort sinnvoll verteilt und einsetzen. Auch der Stiftungspartner, das Brandenburgische Landungsmuseum für moderne Kunst (BLMK), beteiligt sich an der Spendenaktion. Aus selbem Anlass lädt das Ballettensemble des Staatstheaters kurzfristig am Samstag, 5. März 2022, von 11 bis 12 Uhr, zu einer Offenen Probe in das Große Haus ein. Geprobt wird für den dreiteiligen Ballettabend „Straw!nsky“, der am 19. März Premiere hat. Der Eintritt zur Offenen Probe ist zwar frei, es wird aber am Ausgang ausdrücklich um Spenden gebeten. Ballettdirektor Dirk Neumann betont: „Den Tänzerinnen und Tänzern, die aus 10 Nationen kommen, ist es ein Bedürfnis, damit in der aktuellen Situation einen kleinen Beitrag zu leisten.“
Spielt in der Ukraine: Die Oper Mazeppa am Staatstheater Cottbus
Spielt in der Ukraine: Die Oper Mazeppa am Staatstheater Cottbus
© Foto: Marlies Kross/Theaterfotografin
Ebenfalls am Samstag, 5. März, steht im Großen Haus um 19.30 Uhr Pjotr I. Tschaikowskis selten gespielte Oper „Mazeppa“ auf dem Programm, vorerst zum letzten Mal in Cottbus. Die Inszenierung, die anhand der ukrainischen Geschichte zeigt, wie sich skrupellose Machthaber nach dem Fall der Sowjetunion an einem Staat und seinen Bürgern bereichern und dabei über Leichen gehen, hat in den vergangenen Tagen erschreckend an Relevanz und erneuter Aktualität gewonnen. Das Philharmonische Orchester unter der Leitung von GMD Alexander Merzyn, nimmt die Brisanz der aktuellen Lage zum Anlass, vor der Vorstellung die ukrainische Nationalhymne, „als Zeichen unseres Mitgefühls und unserer Solidarität der ukrainischen Bevölkerung gegenüber“ zu spielen, so Merzyn im Namen der Musikerinnen und Musiker.

Barenboim und die Staatskapelle sammeln für Ukraine Humanitarian Fund

Die Staatsoper Unter den Linden veranstaltet am 6. März ein „Konzert für Frieden“ mit der Staatskapelle Berlin und dem Staatsopernchor unter Leitung von Dirigent Daniel Barenboim. Tickets zum Einheitspreis von 25 Euro, ermäßigt 15 Euro, sind unter tickets@staatsoper-berlin.de erhältlich. Die Einnahmen gingen an den Ukraine Humanitarian Fund (UHF) der Vereinten Nationen. Das Konzert werde auch bei RBB-Kultur live übertragen. Auf dem Programm stehe die ukrainische Nationalhymne „Schtsche ne wmerla Ukrajina“, 1863 komponiert von Michailo Werbizki (1815-1870) auf das Gedicht „Die Ukraine ist noch nicht tot“ von Pawlo Tschubinski (1839-1884). Außerdem erklingen Schuberts „Unvollendete“ sowie Beethovens „Eroica“.

ESC-Vorentscheid im Zeichen der Solidarität

Der Vorentscheid zum deutschen Beitrag für den Eurovision Song Contest (ESC) wird im Zeichen der Solidarität mit der angegriffenen Ukraine stehen. Christine Strobl, ARD-Programmdirektorin, erklärt dazu: „Wenn gegen die Ukraine Krieg geführt wird, können wir nicht gleichzeitig den Eurovision Song Contest und die Freundschaft in Europa feiern, ohne klar Stellung zu beziehen.“ Der Abend beginnt um 20:15 Uhr mit einer 45-minütigen Sendung rund um die aktuelle Situation. Es geht um Fragen wie „Wie kann ich helfen?“ und „Wo und wie wird schon geholfen?“. Die ARD ruft über das Spendenkonto von „Bündnis Entwicklung Hilft“ und „Aktion Deutschland Hilft“ zu Spenden auf.
Gäste sind unter anderem Conchita, die ESC-Siegerin von 2014, und der Moderator Thomas Hermanns. Italien ist diesmal Ort des ESC-Finales, weil im vergangenen Jahr die italienische Band Maneskin den Wettbewerb gewann. Russland darf wegen seines Angriffs auf die Ukraine nicht am ESC teilnehmen.
Alles zum Krieg in der Ukraine finden Sie auf unserem Live-Ticker.