Ruth Wolf-Rehfeldt ist tot
: In der DDR wurde sie gefeiert für ihre Schreibmaschinen-Kunst

Mit ihren Typewritings war die Berlinerin Ruth Wolf-Rehfeldt einzigartig in der DDR-Kunst. Nach der Wende hat sie die Arbeit eingestellt – und wurde wiederentdeckt. Nun ist sie mit 92 Jahren gestorben.
Von
Christina Tilmann
Berlin
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Im hohen Alter wiederentdeckt: Ruth Wolf-Rehfeldt. Die Künstlerin ist im Alter von 92 Jahren gestorben.

Christoph Soeder/dpa

Sie war die Meisterin der Wortkunst, der kleinen Form, des hintersinnigen Witzes. Mit ihren „Typewritings“ hat sie eine Kunstform erfunden, die ideal war für unauffällige Verbreitung: Schreibmachinen-Kunst, die sich leicht herstellen und leicht mit anderen teilen ließ. Mail Art, wie sie auch ihr Mann Robert Rehfeldt anfertigte, Kunst auf Postkarten, die sich gut versenden ließen, an Künstlerfreunde in aller Welt. Da war ein lebhafter Austausch im Gange über Mauer-Grenzen hinweg.

Im vergangenen Jahr war sie im Potsdamer Kunsthaus Minsk mit einer großen Ausstellung gewürdigt worden – schon damals konnte sie zur Eröffnung nicht erscheinen. Überhaupt war sie im hohen Alter in den letzten Jahren wiederentdeckt und mit Preisen überschüttet worden: 2021 der Gerhard-Altenburg-Preis, 2022 der Hannah-Höch-Preis, beides mit Ausstellungen verbunden, eine weitere Ausstellung des Dresdener Albertinums, die auch nach Los Angeles gewandert war. Nun ist die Berliner Künstlerin Ruth Wolf-Rehfeldt tot, sie starb am 26. Februar im Alter von 92 Jahren.

Die Künstlerin wurde 1932 in Wurzen in Sachsen geboren und verbrachte ihr Leben bis zur Wiedervereinigung in der DDR. Auch wenn die gelernte Industriekauffrau, die in den 1950er-Jahren nach Berlin kommt, um Philosophie zu studieren und als Büromitarbeiterin in der Akademie der Künste arbeitet, klassisch mit Zeichnungen und Gemälden beginnt – zu ihrer ureigenen Form findet sie, als sie die Sprache als Form entdeckt und die Schreibmaschine als Mittel. „Typewritings“ nennt sie ihre Arbeiten, weiße Blätter, gefüllt mit Wörtern, die sich zu Zeichen, Wellen, neuen Buchstaben fügen. Nach der Wende stellt sie ihre Arbeit ein, weil sie unter den Bedingungen des westlichen Kunstmarkts keinen Raum für ihre Kunstwerke und Gedanken fand.

Ruth Wolf-Rehfeldt war mit dem Mail-Art-Künstler Robert Rehfeldt verheiratet, der 1993 starb.