Schlösser in Oder-Spree: Top 5 – Alt Madlitz, Storkow, Steinhöfel, Groß Rietz, Kossenblatt

Wir stellen Ihnen unsere Top 5 Schlösser in Oder-Spree vor! Welche von ihnen kennen Sie schon?
Monika Rassek/Bianca Jordan/Bettina Winkler/Collage: Hanna GuhlBrandenburg ist nicht nur für seine atemberaubende Natur bekannt, sondern auch für seine faszinierende Geschichte. Eine besondere Rolle spielen dabei die zahlreichen Schlösser, die überall im Land zu finden sind. Sie erzählen von vergangenen Zeiten, von Königen, Grafen und höfischen Beamten.
Wir stellen Ihnen in diesem Artikel fünf Schlösser aus Oder-Spree vor und tauchen gemeinsam in ihre Geschichte ein. Ein geheimer Schatz und eine spukende weiße Frau treten auf, ein Haftbefehl, eine Reihe an Enteignungen sowie die zwei ersten englischen Landschaftsparks in Brandenburg.
5. Schloss Alt Madlitz – nach fast 240 Jahren wieder im Besitz seiner Erbauer
In Alt Madlitz in der Gemeinde Briesen (Mark) findet sich das gleichnamige Landschloss Alt Madlitz.
Bis 1751 gehört das Gut 200 Jahre lang der Familie von Wulffen, die hier ein einfaches Wohnhaus erbauen lässt. Die Familie der Grafen Finck von Finckenstein – eine für das Königreich Preußen enorm wichtige ostpreußische Familie – kauft der Familie von Wulffen das Gut ab und lässt das Wohnhaus 1784 zu einem dreigeschossigen Landhaus erweitern – dem heutigen Schloss Alt Madlitz. Interessanterweise wird über den Schlosspark in Alt Madlitz dasselbe gesagt wie über jenen in Steinhöfel – dass er der erste englische Landschaftspark in Brandenburg sei.
Gute zweihundert Jahre später kann 1945 die Familie der Grafen Finck von Finckenstein einer Enteignung im Zuge der Bodenreform nicht entgehen und wird aus Brandenburg vertrieben.
Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone 1945 / 1946
● Großgrundbesitzer und (angeblich) aktive NSDAP-Verbrecher oder Kriegsverbrecher werden enteignet, weil sie von der sozialistischen Regierung als Gefahr wahrgenommen werden.
● Es erfolgt eine Neuverteilung des Grunds durch lokale Bodenfonds.
● So sollte auch möglichst vielen Heimatvertriebenen der Aufbau einer neuen Existenz ermöglicht werden.
Nachdem das Schloss zu DDR-Zeiten als Kindergarten genutzt wird, fällt es nach der Wende allerdings wieder zurück an die Familie der Grafen Finck von Finckenstein. Heute ist Hans-Detlef Bösel Besitzer der Schlosses – Stiefsohn von Karl Wilhelm Graf von Finckenstein, der Schloss und Park nach der Wende kostspielig restaurieren ließ und auch beispielsweise den Hofladen wieder eröffnete. Öffentlich zugänglich ist nur ein kleiner Teil des Parks.
4. Schloss Hubertushöhe – Jagdsitz, Gauführer- und Ingenieurschule, Kunst- und Literaturpark
In der Nähe von Storkow (Mark) liegt am Ufer des Dolgensees das jüngste der hier vorgestellten Schlösser: das Schloss Hubertushöhe.

Das Hochzeitsportal hochzeits-location.info vergab 2021 den zweiten Platz der beliebtesten Hochzeits-Locations in Brandenburg an das Schloss Hubertushöhe in Storkow.
Bianca JordanIn den Jahren 1899 und 1900 wird das Schloss als Land- und Jagdhaus für den Berliner Druckereibesitzer, Verleger und Hofbuchdrucker Georg Büxenstein nach Entwürfen der Berliner Architekten Max Jacob und Georg Roensch gebaut – „Die Geldscheine der Reichsbank liefen durch die Walzen seiner Druckerei“, schreibt das Schloss auf seiner Website. Stilistisch lassen sich hier Elemente der Neugotik und des Schweizer Stils finden.
Architektur der Neugotik
● Auf die Gotik zurückgreifender Stil
● Idealisiertes Mittelalterbild
● Kreuzgewölbe und Spitzbögen
● Konstruktion sollte nicht versteckt, sondern als Gestaltungselement einbezogen werden
Architektur des Schweizerstils
● Idealisiertes Bild alpenländischer Bauernhäuser
● Gegenentwurf zur Industrialisierung
● Holz als Hauptbaumaterial (Schnitzereien oder Holzarbeiten als Verzierungen)
● Steildächer und Balkone
Gemütlichkeit
Einige Jahre später, 1916, verkauft der Bauherr das Anwesen weiter, laut dem Schloss Hubertushöhe an einen Berliner Fabrikanten. In seinem Besitz wird das Schloss weiterhin als Jagdhaus genutzt. Anders als zu NS- und DDR-Zeiten: Später entsteht hier eine Gauschulungsburg für den Bund Deutscher Mädel (BDM). Diese Schulungseinrichtung der NSDAP wird zu Ostzeiten zu einer Ingenieurschule für Binnenfischerei. Das Schloss Hubertushöhe schreibt dazu auf seiner Website: „Die Hochschule hat den Großteil der heutigen Fischer der ostdeutschen Länder hervorgebracht.“
Nachdem die Treuhandanstalt das Anwesen privatisiert, wird es umfangreich saniert und ab 1998 als Luxus-Hotel vermietet. Der Hotelbetrieb muss 2012 wegen eines Insolvenzverfahrens eingestellt werden. Im selben Jahr kaufen die Unternehmer-Brüder Harald und Rainer Opolka das Schloss mit ihrer Zweibrüder Kunst- und Kultur GmbH.

Rainer und Harald Opolka (v.l.n.r.) versuchten zehn Jahre lang, einen Kunst- und Literaturpark im Schloss Hubertushöhe zu eröffnen.
Jörn TornowSie planen, hier einen Kunst- und Literaturpark zu eröffnen: mit Theateraufführungen, Malereiausstellungen, Skulpturen und Tafeln im angrenzenden Park. Gute zehn Jahre später, im Mai 2023, verkünden sie allerdings, dieses Projekt nicht weiterverfolgen zu wollen. „Die Entscheidung ist unumkehrbar. Wir sind seit etwa 10 Jahren im B-Plan Verfahren und der Bebauungsplan ist bis heute nicht genehmigt worden“, äußerte sich Rainer Opolka dazu. Die MOZ berichtete.
Der Schlosspark soll weiterhin von April bis Anfang Oktober öffentlich zugänglich bleiben sowie die Fischerkate als Außenrestaurant.
3. Schloss Steinhöfel – eine Bibliothek in der Form eines Tempels
Nur wenige Kilometer von Fürstenwalde entfernt findet sich das spätklassizistische Schloss Steinhöfel in der gleichnamigen Gemeinde.

Das Schloss Steinhöfel ist ein typisch spätklassizistisches Bauwerk mit englischem Landschaftspark.
Bettina WinklerDas Schloss, das heute in Steinhöfel steht, baut im Grundbau auf ein ehemaliges Herrenhaus auf, das um 1730 von der schon früher erwähnten Familie von Wulffen hier errichtet wird. Dieses wird 1790 von Valentin von Massow erworben – einem preußischen Hofbeamten und Ehrenmitglied der Preußischen Akademie der Künste, späteren Oberhofmarschall des späteren Königs Friedrich Wilhelm III. und Intendanten der Königlichen Schlösser und Gärten. Er lässt das Herrenhaus vollständig im frühklassizistischen Stil umgestalten.
Der Architekt David Gilly nimmt sich dieser Aufgabe an, baut unter anderem eine Bibliothek im Stil eines griechischen Tempels und auch ein Landschaftspark nimmt Form an. „Als Schöpfer dieses wohl frühesten Landschaftspark im englischen Stil in der Mark Brandenburg wird Johann August Eyserbeck vermutet, Sohn des Wörlitzer Gartenarchitekten Eyserbeck und späterer preußischer Hofgärtner unter Friedrich Wilhelm II.“, ist auf der Website zu lesen. Der Eingang des Parks wird von zwei Sphinxen flankiert, ein See und kleine Bauten verteilen sich über die gesamte Fläche.
Architektur des Klassizismus
● Formenkanon des antiken und vor allem griechischen Tempelbaus
● Klare Linien, symmetrische Formen, ausgeglichene Proportionen
● Rational und kühl
● Wenig Verzierungen
● Reliefs
Etwas mehr als 100 Jahre später wird das Herrenhaus 1880 erneut von seinem Besitzer umbauen lassen, dieses Mal spätklassizistisch. Mehr als ein weiteres halbes Jahrhundert später wird auch der Besitzer des Schlosses Steinhöfel im Zuge der Bodenreform 1945 enteignet und das Gebäude dient der Gemeinde zeitweise als Warenhaus, verfällt aber immer mehr. Anfang der 1990er-Jahre erfolgen umfangreiche Sanierungen, teils mit Hilfe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Seit Herbst 2002 können Hotelzimmer und Veranstaltungsräume gemietet werden.
Im Jahr 2021 kauft der Berliner Arzt und Kunstsammler Thomas Pahlitzsch das Schlossgebäude, die Bibliothek und die umliegende Grünfläche. „Ein solches einzigartiges historisches Ensemble – ein Traumambiente mit spannender Entstehungsgeschichte und beachtlicher Parkanlage – habe ich lange gesucht. Mein Ziel ist es, seine Historie weiter zu pflegen“, zitierte ihn damals das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg. Der Großteil des Parks liegt in der Hand der Gemeinde Steinhöfel.
2. Schloss Groß Rietz – ein Pächter in Untersuchungshaft
Nah bei Beeskow liegt das Barockschloss Schloss Groß Rietz im gleichnamigen Ortsteil der Gemeinde Rietz-Neuendorf.

In dem Barockschloss Groß Rietz soll eine offene Kulturstätte entstehen.
Monika RassekDas Schloss wird von 1693 bis 1700 nach Plänen von Cornelis Ryckwaert – einem niederländischen Baumeister und Ingenieur – für einen Hofmarschall unter dem späteren König Friedrich I. in Preußen gebaut: Hans Georg von der Marwitz.
Ein knappes Jahrhundert später kauft es 1790 der preußische Staatsminister Johann Christoph von Wöllner, der auch für die königlichen Gärten verantwortlich ist und sich intensiv um das Areal kümmert: Er pflanzt Obst- und Maulbeerbäume, lässt neue Wirtschaftsgebäude und sogar einen Karpfenteich errichten.
Architektur des Barock
● Von Portugiesisch „barocco“ gleich sonderbar
● Schmuck, Ornamente, Dekorationen, Verzierungen
● Helle Innenräume durch große Fenster
● Symmetrie und Dynamik
● Große Bauten, manchmal durch optische Täuschungen sogar größer erscheinend, als sie eigentlich sind
Die Besitzer wechseln mehrfach – 1861 fällt das Schloss laut der Brandenburgischen Schlösser GmbH aber wieder zurück an seine ursprünglichen Besitzer: die Familie von der Marwitz. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wird die Familie im Zuge der Bodenreform enteignet und das Areal zweckentfremdet genutzt: als Kindergarten, Wohnraum oder auch verpachtete Kleingärten.
Nach der Wende übernimmt die Brandenburgische Schlösser GmbH Schloss und Gut, welche sie jahrelang intensiv saniert und erneuert. Der Hamburger Unternehmer Percy Bongers pachtet das Anwesen, zieht ein und kauft es 2020 schließlich auch.

Percy Bongers, Geschäftsmann und Pächter des Barockschlösschens in Groß Rietz, war bis vor kurzem noch in Untersuchungshaft in Hamburg.
Monika RassekEr will hier eine offene Kulturstätte entwickeln: mit Künstler-Ateliers, einem Museum und literarischen Veranstaltungen. Diese Pläne müssen zwischenzeitlich aber zumindest zeitweise aufs Eis gelegt werden: Am 30. Juni wird ein Haftbefehl gegen Percy Bongers vollstreckt und er kommt vorübergehend in Untersuchungshaft.
Die Staatsanwaltschaft stellt klar: „Es geht nicht um geleaste Fahrzeuge. Der oben genannte Vorwurf bezieht sich vielmehr auf (nicht erfüllte) Kaufverträge über hochpreisige Fahrzeuge.“ Außerdem: „Eine Restauratorin hat sich nach einem der Beiträge in der MOZ zum Schloss Groß Rietz an die Redaktion gewandt. Demnach hat Percy Bongers bei ihr Außenstände im fünfstelligen Bereich.“, so schreibt es Monika Rassek im August 2023 in der gleichnamigen Zeitung.
Aus der Untersuchungshaft ist Bongers mittlerweile entlassen worden – sein Kauf des Schlosses wurde aber von der Brandenburgischen Schlössergesellschaft GmbH rückabgewickelt. Das scheint ihn jedoch wenig zu stören: „Mir ist wichtig, dass hier ein Kulturzentrum entsteht und da sehe mich künftig eher als künstlerischen Kurator“, sagt er. Es werde lösungsorientiert zusammengearbeitet. Die MOZ berichtete.
1. Schloss Kossenblatt – eine spukende Schlossbesitzerin
Die vielleicht spannendste Geschichte erzählt ein königlich-preußisches Jagdschloss unweit von Beeskow in Kossenblatt in der Gemeinde Tauche.

Im Schloss Kossenblatt soll heute noch die Witwe ursprünglichen Besitzerin, Eleonore von Dönhoff, als Weiße Frau umherspuken.
Monika RassekAb 1699 gehört das Anwesen dem Generalfeldmarschall Hans Albrecht von Barfus, der den Bau des Schlosses Kossenblatt veranlasst. Dieser gestaltet sich jedoch als recht kompliziert und langwierig, unter anderem weil das Gelände auf einer Spreeinsel liegt und somit der Untergrund nicht sonderlich stabil ist. Der Marschall stirbt, bevor das Schloss fertig gebaut wird. Nur seine Witwe, Eleonore von Dönhoff, erlebt dessen Fertigstellung.
Nach ihrem Tod verkauft ihr Bruder 1736 das Gut an König Friedrich Wilhelm I. Es soll eines der Lieblingsschlösser des Königs gewesen sein, in dem er seinen malerischen Ambitionen nachgeht und um die 40 Porträtbilder anfertigt.
Nach seinem Tod 1740 verbringt jedoch keiner seiner Nachfahren längere Zeit in dem Schloss. Es wird von Besitzer zu Besitzer weitergegeben und steht lange Zeit über leer, wird zwischenzeitlich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch als Kindergarten genutzt und 1956 unter Denkmalschutz gestellt. Erst 2023 wechselte das Gut wieder seinen Besitzer.
Die vielen Besitzer und der lange Leerstand überraschen manche Menschen wenig, bedenkt man, dass es in dem Schloss spuken soll. Denn viele Fragen bleiben in der Historie des Gutes ungeklärt: Wieso kauft König Friedrich Wilhelm I. das Schloss, wo er doch für seine Sparsamkeit bekannt ist und sich allgemein recht wenig für Schlösser interessiert? Enterbt Eleonore von Dönhoff ihren Sohn? Wieso ist sie nicht neben ihrem Mann bestattet?
Theodor Fontane: „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“
„[Eleonore von Dönhoff] war eine stolze Frau, und es geht die Sage, dass sie bemüht gewesen sei, ihrem einzigen überlebenden Sohne sein Erbe nach Möglichkeit zu schädigen und zu schmälern. Sie ließ zu diesem Behuf einen holländischen Baumeister kommen, befahl ihm, unterhalb der Keller des Schlosses einen zweiten Keller zu graben und zu wölben, und tat dann alles hinein, was sie an Gold und Kostbarkeiten besaß. Danach gab sie Befehl, die Gruft in ihrer Gegenwart zu schließen und nahm dem Baumeister einen Eid ab, die Stelle niemandem zu verraten. Voll Zweifel aber, ob er den Eid auch halten werde, zog sie das Sichere vor und ließ ihn auf der Rückreise nach Holland aus dem Wege räumen. Der »Schatz«, so heißt es weiter, war nun glücklich beiseite gebracht, indessen die Bilder und Möbel waren noch da, die ganze Einrichtung eines reichen Schlosses. Auch das musste fort. Als sie fühlte, dass es mit ihr zum Letzten gehe, befahl sie, den gesamten Hausrat auf den Schlosshof zu tragen, und vergoldete Stühle und Tische, Spiegel und Konsolen, Diwans und Kommoden wurden nun zu einer Pyramide aufgetürmt. In einem Rollstuhl ließ sie sich dann an die Tür des Gartensaales fahren, gab Ordre, zwei Fackeln anzulegen, und starrte lang und befriedigt in die hoch aufschlagende Flamme. Sie fühlte das Feuer mehr, als dass sie es sah, denn die helle Mittagssonne stand über dem Schauspiel. Als alles niedergebrannt war, saß sie tot in ihrem Rollstuhl.“
Angeblich soll sie heute noch auf dem Anwesen als Weiße Frau herumspuken und auch ihr Schatz konnte bis heute nicht gehoben werden. Der märkische Dichter Günter de Bruyn hat ein ganzes Buch über Schloss Kossenblatt geschrieben.




