Schlösser und Gärten in Potsdam
: Bildergalerie in Sanssouci und Schloss Glienicke schließen für ein Jahr - warum?

Mit der Gemäldegalerie Friedrich II. und Schinkels Villa an der Glienicker Brücke werden 2024 zwei Hauptwerke der Schlösserstiftung geschlossen bleiben. Glück hatten hingegen Rheinsberg und Oranienburg.
Von
Christina Tilmann
Potsdam
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  • Kunst, wie Friedrich II. sie schätzte: die Bildergalerie im Park feierte 2013 ihr 250jähriges Bestehen. Nun soll das Haus im Jahr 2024 geschlossen bleiben.

    Kunst, wie Friedrich II. sie schätzte: die Bildergalerie im Park feierte 2013 ihr 250jähriges Bestehen. Nun soll das Haus im Jahr 2024 geschlossen bleiben.

    Ole Spata/dpa
  • Blick auf das Schloss Glienicke und den Schlosspark. Die Bildergalerie im Potsdamer Park Sanssouci und das Schloss Glienicke in Berlin sollen im kommenden Jahr für Besucher geschlossen bleiben. Grund seien nötige Einsparungen, teilte die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) am Montagabend mit.

    Blick auf das Schloss Glienicke und den Schlosspark. Die Bildergalerie im Potsdamer Park Sanssouci und das Schloss Glienicke in Berlin sollen im kommenden Jahr für Besucher geschlossen bleiben. Grund seien nötige Einsparungen, teilte die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) am Montagabend mit.

    Monika Skolimowska/dpa
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Zwei der bedeutendsten historischen Bauten im Potsdam-Berliner Gartenreich sollen im kommenden Jahr für Besucher geschlossen bleiben. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) hat am 9. Juni die Mitglieder ihres Stiftungsrates darüber informiert, dass die Bildergalerie im Potsdamer Park Sanssouci und das Schloss Glienicke im Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf wegen fehlender finanzieller Ressourcen im Jahr 2024 geschlossen bleiben müssen.

Der Grund für die dramatische Maßnahme: Die öffentlichen Zuschüsse an die SPSG bleiben trotz Inflation, steigender Energie- und Baukosten sowie regulärer Tarifaufwüchse auf dem Niveau des Jahres 2022. Die beiden Zuwendungsgeber Berlin und Brandenburg stecken noch in den Haushaltsverhandlungen für die nächsten Jahre. „Wir sind an unsere Grenzen gestoßen“, so Christoph Martin Vogtherr, Generaldirektor der Schlösserstiftung, gegenüber dieser Zeitung. Um dieselben Leistungen wie 2022 erbringen zu können, würde die SPSG 2024 mindestens fünf Millionen Euro mehr benötigen. Durch die Schließung der Bildergalerie und des Schlosses Glienicke spare die SPSG etwa 300.000 Euro pro Jahr.

Um dem öffentlichen Auftrag des Bauunterhalts, der Gartenpflege und der Öffnung der Häuser dauerhaft gerecht werden zu können, müsse die Stiftung finanziell besser aufgestellt sein, so Vogtherr im Gespräch. Auch, weil auf der Investitionsseite derzeit hohe Summen in die Sanierung einzelner Häuser wie das Neue Palais fließen. Auch der Landesrechnungshof habe schon moniert, dass sanierte Häuser auch dauerhaft gut unterhalten werden müssten.

Für die Entscheidung, die Bildergalerie und das Schloss Glienicke 2024 nicht für den Besuchsverkehr zu öffnen, waren laut SPSG mehrere Gründe ausschlaggebend: So sollten betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden. Die in den betroffenen Liegenschaften eingesetzten Beschäftigten werden im kommenden Jahr in anderen Schlössern der SPSG tätig sein.

Die Schlösser im ländlichen Brandenburg sollen offen bleiben

Darüber hinaus wollte die Stiftung nicht im ländlichen Raum sparen. Die Schlösser in Königs Wusterhausen, Caputh, Paretz, Oranienburg und Rheinsberg seien kulturelle Leuchttürme in den Regionen und auf vielfältige Weise mit den Menschen vor Ort verbunden. Deshalb sei es der SPSG wichtig gewesen, insbesondere ihre märkischen Schlösser auch 2024 öffnen zu können, heißt es in der Mitteilung.

Die Bildergalerie im Park von Sanssouci ist eine der bedeutendsten Museumsbauten des 18. Jahrhunderts und hat 2013 ihren 250. Geburtstag gefeiert. Friedrich II. ließ sie von 1755 bis 1763/64 neben den Schlössern Sanssouci und Neue Kammern für seine neue zusammengetragene Gemäldesammlung errichten. Hier präsentierte er, dicht gehängt, fast 180 Spitzenwerke der flämischen und holländischen Barockmalerei sowie der italienischen Renaissance und des Barock neben herausragenden antiken Skulpturen sowie französischen Skulpturen des 18. Jahrhunderts.

Schinkels Traum von Italien

Das Schloss Glienicke wurde den Entwürfen des Architekten Karl Friedrich Schinkel ab 1823 für Prinz Carl von Preußen im Stil einer italienischen Villa an der Glienicker Brücke erbaut. Gemeinsam mit Casino, Großer und Kleiner Neugierde und dem umgebenden Park von Peter Joseph Lenné bildet es eines der herausragenden Raumensembles des Klassizismus. Mit den beiden Objekten schließt die Stiftung zwei außergewöhnliche Raumschöpfungen des 18. und 19. Jahrhunderts.

Die nun getroffene Entscheidung weckt Erinnerungen an das Jahr 2016. Damals musste die SPSG wegen eines zu geringen Budgets diverse Häuser für den regulären Besuchsverkehr schließen, die seitdem nur noch an ausgewählten Tagen besichtigt werden können. Damals ging es um Häuser wie das Casino in Glienicke, das Dampfmaschinenhaus in Potsdam, das Belvedere auf dem Klausberg oder den Normannischen Turm auf dem Ruinenberg. Sollten die Zuschüsse an die SPSG im Jahr 2025 nicht signifikant steigen, droht der Bildergalerie und dem Schloss Glienicke dasselbe Schicksal. Zudem wären Schließungen weiterer Häuser im UNESCO-Welterbe unausweichlich, droht die Schlösserstiftung.

Von Seiten der drei Zuwendungsgeber Bund, Berlin und Brandenburg war am Dienstag (20.6.) als Statement zu vernehmen: „Der Stiftungsrat hat sich mit dem konkreten Vorschlag der SPSG noch nicht befasst. Die drei Zuwendungsgeber – die Länder Berlin und Brandenburg und der Bund – haben noch Fragen, die in der kommenden Stiftungsratssitzung durch die SPSG zu beantworten sind.“