Sehenswürdigkeiten in Berlin
: Humboldt Forum feiert Fertigstellung der Außenanlagen

Die neuen Plätze rund um das Humboldtforum im Schloss in Berlin wurden so angelegt, dass sie auch der Erholung und dem Klima dienen. Nun fehlen noch der Brunnen und das Einheitsdenkmal.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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  • Pflanzen unterschiedlicher Art wachsen vor dem Humboldt Forum in Berlin. Die Außenflächen rund um das wiedererrichtete Stadtschloss wurden am 12. September 2023 feierlich eingeweiht.

    Pflanzen unterschiedlicher Art wachsen vor dem Humboldt Forum in Berlin. Die Außenflächen rund um das wiedererrichtete Stadtschloss wurden am 12. September 2023 feierlich eingeweiht.

    Annette Riedl/dpa
  • Der Schlossplatz auf der Südseite des Humboldt Forums in Berlin gleicht noch einer Steinwüste und soll deshalb einen Brunnen und Bäume bekommen.

    Der Schlossplatz auf der Südseite des Humboldt Forums in Berlin gleicht noch einer Steinwüste und soll deshalb einen Brunnen und Bäume bekommen.

    Maria Neuendorff
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Die Sonne knallt auf den Lustgarten, sodass sich gegen Mittag nur wenige Menschen ihren Strahlen aussetzen wollen. Da ist es doch viel gesünder und erholsamer, kurz den Boulevard Unter den Linden zu überqueren und auf den schattigen Bänken der neuen „Humboldt Terrassen“ zwischen hohen grünen Schirmmagnolien Platz zu nehmen.

Die gut im Saft stehenden Bäume vor dem Berliner Stadtschloss stammen aus Nordamerika, so wie die anderen Gewächse des stattlichen Pflanzenteppichs, die nicht nur in Anlehnung an Alexander von Humboldts Studienreisen auserwählt wurden, sondern auch, weil sie besonders klimaresistent sind.

Obwohl zahlreiche Touristen durch das Weltenmuseum im Schlossgewand schlendern, scheinen sie die grüne Oase auf dem nördlichen Vorplatz noch gar nicht so wahrgenommen zu haben. Auch vor dem Ostflügel sieht man nur wenige Sonnenanbeter, die sich in den Liegestühlen mit Blick auf Fernsehturm und Spreedampfer aalen.

„Der neue städtische Freiraum ist in Schlichtheit und Souveränität entwickelt worden, um das Humboldt Forum zu prägen und zusammenzuhalten“, sagt Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt am Dienstag anlässlich der feierlichen Eröffnung der Außenflächen des schon 2020 eröffneten Humboldt Forums.

Vier neue Stadtplätze

Denn mit dem Mega-Museum in den restaurierten Mauern der einstigen Hohenzollern-Residenz ist in der Berliner Mitte nicht nur ein Kulturzentrum entstanden, sondern es kommen gleich vier neue Stadtplätze mit ganz unterschiedlichen Qualitäten hinzu. Während man auf der Nordseite vor den Portalen 4 und 5 optisch durch die Botanik von Südamerika über Nordamerika bis Eurasien reisen kann, wirkt die Südseite mit seinen lang gezogenen Betonbänken wie eine weitere innerstädtische Steinwüste.

Das liegt auch ein wenig an den historischen Plänen, an denen sich die Neu-Planer orientierten. „Die Südseite und die Innenhöfe des Barockschlosses waren nie grün“, betont der Generalintendant der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss. Den drohenden Klimawandel hätten die Bauherren von heute bei der 36.000 Quadratmeter großen Außenfläche aber trotzdem mit bedacht.

Viel Schatten und ein paar Bänke vor dem Schloss in Berlin-Mitte.

Maria Neuendorff

Doch dass das Kleinpflaster, das aus einer Mischung historischer in Berlin verwendeter Gesteinsarten wie Granit besteht, den Boden gar nicht versiegelt, sondern 75 Prozent des Regens durchsickern lässt, kann der Laie kaum erkennen. Auch was unter dem Pflaster ist, für das die Landschaftsarchitekten den Deutschen Natursteinpreis 2022 erhielten, bleibe dem bloßen Auge verborgen. Nämlich die größte Geothermieanlage Berlins, mit dessen Leistung von 1,6 Gigawatt im Jahr das Mega-Museum auch ohne Fotovoltaik beheizt und gekühlt werden könne, erklärt Kahlfeldt stolz.

Dass aber die Südseite trotzdem noch kühles Nass gebrauchen könnte, um die Aufenthaltsqualität zu verbessern, will auch die Senatsbaudirektorin nicht bestreiten. „Die Frage der Hitze-Resilienz zum Beispiel spielt heute eine viel größere Rolle als noch vor zehn Jahren“, erklärt die Stadtplanerin. „Daher werden wir unter Einbindung verschiedener Akteure eine Aufwertung und Qualifizierung funktionaler Räume im südlichen Bereich des Schlossplatzes planen und umsetzen.“

Neuer Brunnen für den Schlossplatz

So werde der eigentliche Platz zwischen Schloss und Staatsratsgebäude wieder einen Brunnen bekommen, versichert Kahlfeld. „Der Neptunbrunnen bleibt allerdings da, wo er ist“, stellt sie klar. Lange wurde darüber debattiert, den Neptunbrunnen von seinem jetzigen Standort zwischen Marienkirche und Rotem Rathaus wieder an seinen historischen Standort auf den Schlossplatz zu verrücken. „Das geht aber nicht, weil er dort heute mit einem Teil auf die Straße ragen würde“, erklärt Hans-Dieter Hegner, Technik-Chef der Stiftung Humboldt Forum.

Der Platz vor dem Westflügel des Humboldt Forums in Berlin ist immer noch Baustelle. Hier soll das Freiheits- und Einheitsdenkmal auf einer Freitreppe zur Spree entstehen.

Maria Neuendorff

Ein gänzlich neues Antlitz wird dagegen der Platz auf der Westseite bekommen, wo immer noch Bauzäune langgezogene Stufen umrahmen. Das liegt daran, dass dort das Freiheits- und Einheitsdenkmal entstehen soll. Die Einweihung für die sogenannte Einheitswippe, die an die friedliche Revolution von 1989 erinnern soll, war eigentlich für 2023 geplant. Doch die Gefahren, dass jemand beim Kippeln vom Denkmal fällt oder unter ihm zerquetscht werden könnte, scheinen immer noch nicht ganz unwahrscheinlich.

„Die Baugenehmigung wurde erteilt. Aber die Risiken der Wippe werden noch geprüft“, erklärt Kahlfeldt am Rand der Veranstaltung. Museums-Intendant Dorgerloh geht es gar nicht so sehr um das Denkmal an sich, sondern vielmehr um eine weitere Terrasse auf der Museumsinsel. „Ich hoffe wirklich sehr auf diese Freitreppe zur Spree.“

Ausstellungen im Humboldt Forum

Das Humboldt Forum im Berliner Schloss in Berlin-Mitte ist ein Ort der Kunst, Kultur und Wissenschaft in dem unter anderem das Museum für Asiatische Kunst, das Ethnologische Museum, das Stadtmuseum Berlin, die Humboldt-Universität sowie die Kulturprojekte Berlin verschiedene Ausstellungen zeigen

Viele davon sind kostenlos. Eine der derzeitigen kostenpflichtige Sonderausstellung beschäftig sich bis November 2023 mit dem Thema Tod. Das gesamte Programm findet sich unter www.humboldtforum.org