Serie
: Cate Blanchett stellt Serie über Heimatlose vor

Die Serie „Stateless“ porträtiert einen afghanischen Familienvater, eine australische Stewardess, einen Wärter in einem Flüchtlingslager und eine Regierungsbeamtin.
Von
Katrin Hartmann
Berlin
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Cate Blanchett bei der Premiere von "Stateless". Die Serie porträtiert einen afghanischen Familienvater, eine australische Stewardess, einen Wärter in einem Flüchtlingslager und eine Regierungsbeamtin.

Christoph Soeder

Die Frau, die dort gerade gesprochen hat, ist keine geringere als Oscarpreisträgerin und Schauspielerin Cate Blanchett. Obwohl die 50–Jährige keine Unbekannte auf der Berlinale ist, ist der Mittwochabend eine kleine Premiere für sie. Zum ersten Mal stellt sie eine Serie bei den Internationalen Filmfestspielen in der Hauptstadt vor.

Die sechsteilige Reihe „Stateless“, die Blanchett gemeinsam mit dem Produzenten Tony Ayres und der Autorin Elise McCredie entwickelt hat, verbindet die Schicksale von Flüchtlingen. Der Sechsteiler von jeweils einer Stunde schafft es, dieses globale Thema und seine Auswirkungen als Netz zu begreifen.

Wie nah kommt die Handlung den aktuellen Ereignissen?

„Wir haben mit etlichen Personen gesprochen. 80 Prozent von dem, was wir zeigen, sind wahre Geschichten, die uns von Betroffenen erzählt wurden“, sagt Elise McCredie über die zahlreichen Interviews, die sie und ihr Team zur Recherche geführt haben. Es waren bewegende Schicksale, die für die Figuren in „Stateless“ herhielten.

Die Serie porträtiert die Parallelgeschichten eines afghanischen Familienvaters auf der Flucht nach Australien, einer australischen Stewardess mit deutschen Wurzeln auf der Flucht vor einer Sekte, eines Wärters in einem Flüchtlingslager und einer Regierungsbeamtin, die Australiens restriktive Flüchtlingspolitik verteidigt.

Es sind diese völlig verschiedenen Perspektiven, die aus vielen Teilen ein überzeugendes Puzzle bauen. Alle Protagonisten kommen in einem Lager in der australischen Wüste zusammen und jeder ist oder wird auf seine Weise „stateless“ — also heimatlos, staatenlos, ruhelos. Mit packenden Bildern zeigt „Stateless“ die Verzweiflung und Angst der Menschen. Alle Figuren fühlen sich unsichtbar und identitätslos. „Mit unserer Serie wollen wir sie sichtbar machen, ihnen ihre Identität und Würde zurückgeben“, sagt Elise McCredie.

„Jeder Mensch hat das Recht auf Würde und Schutz“, sagt Cate Blanchett und erntet dafür Applaus im Kinosaal. „Die letzten Ereignisse auch in Deutschland haben gezeigt, dass wir in sehr fremdenfeindlichen Zeiten leben. Menschen, die keine Kriminellen sind, werden heute insbesondere durch unsere Wortwahl kriminalisiert.“ Nur, was können wir dagegen tun?, lautet eine Frage aus dem Publikum. „Ihr könnt wählen gehen. Ihr könnt euch für Demokratie entscheiden“, reagiert die Schauspielerin ruhig, aber mit deutlicher Stimme.

Ist eine Serie die bessere Tür, um mehr Menschen zu erreichen?

Heute gebe es kaum noch Raum, um eine komplexe Themen ausgiebig zu diskutieren, sagt Elise McCredie. Vielleicht seien gerade Serien deshalb ein gutes Medium. Sie sind für einen Großteil der Menschen zugänglich. Die Zuschauer wachsen mit den Figuren zusammen, schaffen ein Wir–Gefühl.

Dieses Wir–Gefühl wird in „Stateless“ besonders durch eine Figur geschaffen: Stewardess Sofie Werner. Sie steht für eine Gesellschaft, in der ein Leben im Wohlstand selbstverständlich ist. Ihr Charakter zeigt aber auch, dass jeder, egal wie viele Privilegien wir haben, seine Identität und Heimat verlieren kann.

Das Besondere an der Berlinale sei, dass auch solchen Formaten wie Serien eine Chance für die große Leinwand gegeben werde, sagt Cate Blanchett und bedankt sich beim Publikum. Als sie von der Bühne tritt, offenbart sich das Geheimnis ihrer Größe. Unter Klatschen befreit sie sich von ihren zehn Zentimeter hohen Plateauschuhen und wirkt wieder normal groß. Sie ist eben auch nur eine von uns.

„Stateless“: Berlinale Series, So, 1.3. Zoo Palast, 19.30 Uhr. Netflix hat bereits die Rechte an der Serie gekauft.