Serienzeit
: „Masters of Sex“ erzählt vom prüden Amerika der 1950er

William Masters verbringt mehr Zeit im Bordell als im Büro. Der Wissenschaftler will mit Hilfe von Prostituierten ein Rätsel lösen. Was spielt sich beim weiblichen Orgasmus ab?
Von
Beate Bias
Frankfurt (Oder)
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  • In geheimer Mission: William Masters, Virginia Johnson, Masters Ehefrau Libby und die Prostituierte Betty.

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Es geht nicht um billige Pornografie

Es kommt, wie es kommen muss. Masters und Johnson tauchen mit ihren Studien im Rotlichtmilieu unter. Dort rekrutieren sie Prostituierte als ihre Probanden, was sich in der Praxis als sehr hilfreich erweist. Die Damen aus dem Bordell haben keine Scheu vor einem Penis aus Plexiglas und anderen medizinischen Instrumenten. Zwischen den Geschlechtern geht es aber auch direkt zur Sache. Dabei entsteht in der Serie aber nie der Eindruck von billiger Pornografie. Während im Untersuchungsraum die Paare verschmelzen, zeichnen Masters und Johnson hinter einer Spiegelwand jeden Atemzug und jeden Herzschlag auf. Bei so viel Sex funkt es auch zwischen dem verklemmten Wissenschaftler und der lebenslustigen Powerfrau. Zunächst steigen sie aber nur für die Wissenschaft gemeinsam ins Bett.

Die Serie basiert auf einer wahren Geschichte. William Masters (1915—2001) und Virginia Johnson (1925—2013) leisteten mit ihren Untersuchungen in den 50er– und 60er-­Jahren Pionierarbeit. Mit ihren Daten über sexuelle Reaktionen widerlegten sie viele falsche Vorstellungen über die Sexualität. Ihre Forschungen publizierten sie in zahlreichen Büchern und Aufsätzen. Darunter den Bestseller „Die sexuelle Reaktion“.

Die abenteuerliche Geschichte des Duos hat der Journalist Thomas Maier aufgeschrieben und der Sender Showtime hat daraus eine Serie mit vier Staffeln gemacht. Angeboten wird sie unter anderem bei Apple TV. Im Fernsehen endet die Serie (Achtung Spoiler!) mit der Hochzeit von Masters und Johnson. Im wahren Leben geht das kuriose Verhältnis der beiden Forscher im Jahr 1993 in die Brüche. Masters stirbt 2001 als Sozialfall. Johnson hält sich im Alter mit Liebestipps über Wasser. Die bittere Realität schlägt den schönen Schein von Hollywood.