Sex Pistols in Berlin
: Wie die Punk-Legenden aus London die Zitadelle rocken

Beim Konzert der Sex Pistols in der Zitadelle Spandau in Berlin gab es jede Menge Nostalgie für Altpunker - und Unterstützung von Kollegen.
Von
Gunnar Leue
Berlin
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Band Sex Pistols: 21.03.2025, Großbritannien, London: Frank Carter (l-r), Glen Matlock, Paul Cook und Steve Jones von den Sex Pistols posieren für Porträtfotos. Foto: Alberto Pezzali/Invision/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Immer noch auf Tour: Frank Carter (l-r), Glen Matlock, Paul Cook und Steve Jones von den Sex Pistols machten auch in der Zitadelle Spandau in Berlin Station.

Alberto Pezzali/Invision/AP/dpa
  • Die Sex Pistols spielten in der Zitadelle Spandau vor rund 8000 Fans – ein nostalgisches Punk-Event.
  • Unterstützt wurden sie von The Meffs, Stiff Little Fingers und The Undertones („Teenage Kicks“).
  • Gründungsmitglieder Cook, Matlock und Jones traten ohne John Lydon, aber mit Sänger Frank Carter auf.
  • Klassiker wie „God Save the Queen“ und „Anarchy in the U.K.“ sorgten für große Begeisterung.
  • Fans feierten das Konzert als Verbindung von Punk-Tradition und generationsübergreifender Musik.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Punk is not dead“ stand auf der Jacke eines Fans des Sex-Pistols-Konzerts am Freitagabend auf der Zitadelle Spandau. Ja, Punk ist nicht tot. Er führt aber ein etwas ungewöhnliches aktuelles Leben, wie man beim Blick auf dieselbe Jacke mutmaßen kann. Auf der tadellos neuen, gebügelten Jacke prangten diverse Aufkleber von Bands wie Sex Pistols, The Clash und Kiss, aber auch einer von Yes. Einer Progrockband, die zu Zeiten der anderen genannten Bands als deren absolutes Feindbild galt. So wie Pink Floyd oder Genesis, die ebenfalls verschlungenen Artrock spielten.

Unweit des Fans mit besagter Kutte stand auch Martin Sonneborn, EU-Abgeordneter und Chef der Satirepartei Die Partei. Sollte auch das ein Zeichen sein? Dass es hier eine Satireveranstaltung stattfand? Mitnichten. Es handelte sich um ein ganz normales Punkkonzert. Wobei normal nicht ganz. Es war eher ein kleines Punk-Festival mit drei Supportbands für The Sex Pistols. Sie hießen The Meffs, Stiff Little Fingers und The Undertones. Letztere sorgten bei ihrem Auftritt für ein absolutes Highlight, als sie „Teenage Kicks“ ins Publikum ballerten, das die Punkpartyhymne aus dem Jahr 1978 mit großem Gejohle und viel Bierbecheranstoßen feierte.

The Sex Pistols: Urgestein des britischen Punks

Ja, auch The Undertones gibt’s noch. Genau wie The Sex Pistols, was vielleicht manchen Leser überraschen dürfte, der punkinsidermäßig nicht so auf dem Laufenden ist, aber natürlich die Sex Pistols kennt. Wer kennt sie nicht?! Sie sind das Urgestein des (britischen) Punk. In Amerika gibt‘s andere Urgesteine wie The Ramones und Iggy Pop, der neulich ja ebenfalls die Zitadelle beschallte.

The Sex Pistols stürmten 1975 auf die Bühne und räumten mit ihrer Debütsingle „Anarchy in the U.K.“ 1976 gleich richtig ab. Nicht nur wegen des clever-provokanten Marketings. Die Zeit war einfach reif. Das nächste große Ding im Pop war geboren, Punk in aller Munde und die Pistols sowas wie die Vorzeigetruppe. Das Punkmotto „Nichts können, aber einfach machen“, setzten sie radikal um. Wenn auch nur kurz, die eigene Zerstörung war in der Bandgeschichte quasi implementiert. Bassist Sid Vicious fiel aufgrund exzessiven Drogenkonsums relativ schnell aus. Sänger John Lydon alias Johnny Rotten machte auch ständig Theater.

Ein Tag vorher war Neil Young in town

Wie wichtig die Sex Pistols mal waren, konnte man schon am Donnerstagabend hören, als Neil Young in der Waldbühne spielte. Er sang auch seinen großen Hit „Hey Hey, My My“, den er Ende der 70er geschrieben hatte und der im Text auch eine Reminiszenz an Johnny Rotten enthält. Es ist auch eine Hommage an die Bedeutung des Punks, der das Rockestablishment, zu dem auch Neil Young gehörte, in Frage stellte.

Wie die Rockgeschichte gezeigt hat, kam es dann doch anders. Young blieb nicht nur ein permanent erfolgreicher Rockmusiker, sondern auch ein relevanter. Die Sex Pistols, die mit nur einem Album - „Never Mind the Bollocks“ - für Furore sorgten, sind die Legende eines Rockgenres, das sich im großen Rockbiz eingerichtet hat. Rebellion als Markenkern, aber kommerziell eingetütet.

Reaktionen auf Trump? Eher nicht

Neuerdings wird Punk wieder gehypt in den Feuilletons, als Reaktion auf die harten Zeiten. Kriege, Trump, Spaltung der Gesellschaft. Ob man den Freitagabend in Spandau da einreihen konnte? Hm. Eher nicht. Es war doch mehr ein Nostalgiefest mit den drei Gründungsmitgliedern Paul Cook, Glen Matlock und Steve Jones ohne John Lydon, dafür mit Frank Carter, der in den letzten 20 Jahren in diversen Hardcorebands spielte, als Sänger.

Wie ein Derwisch raste er über die Bühne und sogar ins Publikum, um mittendrin „Pretty Vacant“ zu singen. Die rund 8000 Fans waren begeistert, erst recht beim Klassiker „God Save the Queen“. Auch eine Punk-Ballade gab es, das Cover von Frank Sinatras „My Way“. Danach konnte nur noch das berüchtigte „Anarchy in the U.K.“ kommen. Dann war Feierabend und die Leute zogen von dannen. Eine junge Frau sagte beim Verlassen der Zitadelle zu ihrem Begleiter den schönen Schlusssatz: „Das ist doch der Hammer, dass das die Musik meiner Eltern war. Ich war heute hier und meine Eltern nicht.“