Stars im Wettbewerb: Javier Bardem und Elle Fanning auf der Berlinale

Javier Bardem (l) als Leo und Elle Fanning als Molly in einer Szene des Films „The Roads Not Taken“. Sally Potter erzählt eine komplizierte Vater-Tochter-Story – und überzeugt nicht ganz.
-Bei „The Roads Not Taken“ allerdings vermisst man den feministischen Ansatz, denn der neue Film von Sally Potter erzählt von einem noch nicht sehr alten, müden Mann, dessen Schriftstellerkarriere, Familienleben und selbstgewähltes Exil sämtlich im Desaster geendet sind, und der nun vor einem Scherbenhaufen steht, den seine völlig überforderte Tochter mühsam zusammenzusetzen versucht.
Drei Zeitebenen eines Lebens
Es gibt drei Erzählebenen in diesem Film, dessen Rahmenhandlung an einem Tag spielt: Die Gegenwart im hektischen, überlauten New York, eine ferne Vergangenheit in Mexiko, wo der Autor Leo herstammt, und eine nähere Vergangenheit im selbst gewählten Exil auf einer griechischen Insel.
Leo, der unter einer Demenzerkrankung zu leiden scheint, gleitet in seinen Gedanken zwischen den Orten und den damit verbunden Personen hin und her – eine ehemalige Geliebte, eine junge Zufallsbekannte und seine Tochter Molly, die den Tag mit ihm verbringt. Verständliche Äußerungen gelingen ihm kaum; irgendwann erfährt man, dass er seine amerikanische Frau Rita und das neu geborene Baby verlassen hat, um ungestört schreiben zu können.
Javier Bardem als grimmiger Egozentriker
Leo, den Javier Bardem als grimmigen, wortkargen Egozentriker darstellt, gehört wohl zu der Sorte von Männern, denen Frauen früher verfallen sind, weil sie ein Geheimnis hinter deren Verschlossenheit vermuteten, und die man heute als grobe, unliebenswürdige Klötze empfindet. Es ist überhaupt nicht einzusehen, warum sich gerade die als Kind verlassene Tochter so um ihn bemüht – hofft sie immer noch, Anerkennung von ihm zu bekommen, die er ihr doch sein Leben lang verweigert hat?
Die traumschöne Elle Fanning spielt diese Tochter, und Robbie Ryans Kamera liebt ihr Gesicht, ob sie strahlend lacht oder sehr niedlich weint – dann besonders. Aber ihre Aufopferung für den Vater nimmt man der Figur nicht ab. Jemand, die aussieht wie ein Engel und sich dann auch noch so benimmt, ist einfach unglaubwürdig.
Die Dramaturgie hakt und ruckelt; man weiß nicht, warum der Mann überhaupt jemals Mexiko verlassen hat, da er doch offenbar das ganze Leben auf der Suche nach einer Heimat war. Man weiß nicht, was er auf der griechischen Insel zu finden hoffte, und ob ihm das Schreiben dort gelungen ist. Man weiß auch nicht, ob Mollys Mutter Rita (Laura Linney) recht hat, wenn sie ihm unterstellt, er sei gar nicht verwirrt, sondern wolle sich nur der Verantwortung entziehen wie immer.
Irgendwann verliert man das Interesse an diesem Mann und seinem Schicksal, selbst an seiner hübschen Tochter, die doch nur dafür da ist, diesem aus lauter undurchdachten Erzählsträngen zusammengebuzzelten Film ein Gesicht zu geben, an das sich, wenn schon nicht der Protagonist, so doch wenigstens sein Publikum erinnern kann.
„The Roads Not Taken“: Wettbewerb, 27.2. 10 Uhr HBF; 13.15 Uhr Friedrichstadtpalast; 1.3., 19.30 Uhr HBF