Sting in Berlin
: Wie das Konzert in der Uber-Arena war

Sting live in Berlin: Der Musiker bewies, dass er auch mit 74 Jahren die Bühne beherrscht. Mit Klassikern wie „Message In A Bottle“ und „Roxanne“ begeisterte er 13.000 Zuschauer.
Von
Gunnar Leue
Berlin
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Sting verrät sein Fitness-Konzept: „Eitelkeit und Disziplin“: ARCHIV - 12.11.2024, USA, Los Angeles: Sting tritt während seiner "Sting 3.0"-Tour im The Wiltern in Los Angeles auf. Im Juni und Oktober gibt er mehrere Konzerte in Deutschland. (zu dpa: «Sting verrät sein Fitness-Konzept: «Eitelkeit und Disziplin»») Foto: Chris Pizzello/Invision/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Kam auch nach Berlin: Sting mit seiner "Sting 3.0"-Tour (hier beim Konzert im The Wiltern in Los Angeles)

Chris Pizzello/Invision/dpa
  • Sting begeisterte 13.000 Fans in der ausverkauften Berliner Uber-Arena mit seiner „Sting 3.0“-Tour.
  • Mit Klassikern wie „Message In A Bottle“ und „Roxanne“ zeigte der 74-Jährige seine Bühnenpräsenz.
  • Die Setlist bestand fast ausschließlich aus Hits, darunter Songs von The Police und seiner Solokarriere.
  • Begleitet wurde er von einem Trio, das bekannte Stücke teils neu arrangiert und komplexer spielte.
  • Der Abend endete mit dem feinsinnigen Song „Fragile“ – ein emotionaler Abschluss für das Publikum.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Schwarzmarktlage eines Konzerts ist immer auch ein Gradmesser, wie es um einen Musiker steht. Am Donnerstagabend spielte Sting in der Uber-Arena, Fassungsvermögen bei dieser Show 13.000 Zuschauer (der Innenraum war bestuhlt). Das Konzert der „Sting 3.0“-Tour war restlos ausverkauft und es gab praktisch keine Ticketangebote vor der Halle. Kein Wunder, da Sting auch nach einer rund fünfzigjährigen Bühnenkarriere sehr viele Menschen anzieht. Er gehört zur Riege der absoluten Rocksuperstars, die nicht aufhören wollen und denen das Publikum dafür dankbar ist.

Wieso eigentlich? Was macht Sting so anziehend und konstant beliebt? Immerhin steht er nicht wie die Rolling Stones, Neil Young oder Bruce Springsteen für eine bestimmte Ära oder Attitüde, die einen speziellen Nostalgieeffekt bei den Fans auslöst. Sting ist eigentlich ein Typ Musiker mit relativ geringer Kantigkeit. Eher ist der gelernte Lehrer ein Konsenstyp für die Mittelschicht. Er setzt sich für das Gute in der Welt ein (Amnesty) und lebt bewusst (Yoga). Inzwischen hat er zwei Ehrendoktortitel. Einen bekam er für sein Umweltengagement, einen für sein großes Musiktalent.

Sting in Berlin - Eine Setlist als ununterbrochene Hitliste

Davon hat er in der Tat überreichlich, wie er auch in Berlin unter Beweis stellte. Seine Setlist mit den Songs war eine fast ununterbrochene Hitliste. Interessanterweise sind es keine Songs, die ein bestimmtes Lebensgefühl für eine bestimmte Klientel Leute beschreiben, sondern es sind einfach supertolle Songs, die kaum jemanden nicht gefallen können. Jedenfalls, wenn man noch mit herkömmlicher Rockmusik sozialisiert ist.

Das wiederum waren die absolut meisten in der Uber-Arena offenbar. Deshalb gingen sie auch gleich begeistert mit, als der 74-jährige Weltstar mit dem Aussehen eines 60-jährigen Nichtweltstars mit dem Song „Message In A Bottle“ in den Abend einstieg. Es ist einer der Hits seiner Band The Police, mit der er in nur wenigen Jahren von 1977 bis 1984 die Popwelt beherrschte.

Gordon Matthew Sumner alias Sting war ihr dominierender Songschreiber und Frontmann. Als The Police Ende der 1970er auf der Bildfläche erschienen, spielten sie einen extrem rauen New-Wave-Stil mit schneidenden Gitarren, durchsetzt von Reggea-Elementen.

Auch auf Deutsch gibt es einige Worte - Hits sind hier entstanden

Auch in Deutschland war die Band absolut beliebt. Einige Hitsongs sind sogar hier entstanden, zum Beispiel „Walking on the Moon“, das Sting am Donnerstag in einer fast leicht psychedelischen Version darbot. Den Song hatte er in einem Münchner Hotel geschrieben. Das Gitarrenriff von „Message In A Bottle“ fiel ihm 1979 auf der Autobahn zwischen Düsseldorf und Nürnberg ein. Das erzählt Sting an diesem Abend nicht, aber ein paar herzliche Worte in Deutsch schenkte er dem erfreuten Publikum. Er drückte den „Damen und Herren“ sein Glücksgefühl über das Hiersein aus. Ansonsten ließ er seine Musik sprechen.

Gleich nach dem Opener spielte die als Trio besetzte Band „I Wrote Your Name“, den einzigen neuen Song. Ansonsten war alles bekannt. Die Hits aus der inzwischen ziemlich langen Nach-Police-Solophase: „Englishman in New York“, „Desert Rose“ oder „Fields Of Gold“. Und natürlich alte Police-Oldies, die noch immer nicht so wirken, wie es das Wort Oldies assoziiert. „So Lonely“, „Wrapped Around Your Finger“ oder „King of Pain“ - an die zehn Police-Songs sang Sting. Das konnte man auch als altersmilde Entscheidung werten, wenn man bedenkt, dass sich Sting und Kollegen ziemlich oft gezofft haben. Erst jüngst ist Sting sogar von seinen Ex-Bandkollegen Andy Summers und Steward Copeland verklagt worden, weil die sich für ihr Zutun zu einigen Songs unterbezahlt wähnen.

Wie sehr sich Sting dadurch geschmäht fühlt, weiß man nicht. Was man merkt, ist, dass er mit seinen aktuellen Mitmusikern Chris Maas am Schlagzeug und insbesondere Gitarrist Dominic Miller, der seit 1991 an seiner Seite ist, ein sehr einvernehmliches Trio bildet. Sie verstanden es, den teilweise neu arrangierten Songs eine filigranere, komplexere Struktur zu geben. Zuweilen ging es in Jamhafte über. Trotzdem wurden die Hits nie unkenntlich (wir sind ja nicht bei Bob Dylan). So dürften Megahits wie „Every Breath You Take“ und „Roxanne“ im vollen Bewusstsein der Fans abgefeiert werden. Den Ausklang aber bildete das feinsinnige „Fragile“. Es passte.