„Tatort“ aus Berlin
: „Erika Mustermann“, Harfouch und Waschke in ihrem vorletzten Fall

Ein toter Lieferdienst-Fahrer, die Bundesdruckerei und viele Fragen. Der neue „Tatort“ aus Berlin will kriminelles 3D-Schach spielen. Doch kompliziert ist nicht immer raffiniert.
Von
Michael Heider
Berlin
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ARD/rbb TATORT: ERIKA MUSTERMANN, am Sonntag (02.11.25) um 20:15 Uhr im ERSTEN.
Susanne Bonard (Corinna Harofuch, mitte) und Robert Karow (Mark Waschke, li) suchen die Adresse des Toten auf und treffen dort auf seinen Bruder Luis (Henry Morales, re).
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Kennen sie diesen Personalausweis? „Tatort“-Kommissare Susanne Bonard (Corinna Harofuch, M.) und Robert Karow (Mark Waschke, l.) ermitteln in ihrem vierten gemeinsamen Fall „Erika Mustermann“ den Mord an einem Lieferdienst-Fahrer.

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  • Neuer Berliner „Tatort: Erika Mustermann“ wird am 2. November 2025 um 20:15 Uhr im Ersten ausgestrahlt.
  • Ermittler Karow und Bonard klären Mord an Lieferdienst-Fahrer ohne gültige Papiere auf.
  • Ermittlungen führen zur Bundesdruckerei und zu kriminellen Machenschaften mit Dokumentendruck.
  • Handlung mit kompliziertem Coup, venezolanischem Drogenkartell und Sicherheitslücken in der Bundesdruckerei.
  • Fall vier des Duos Harfouch und Waschke bleibt behäbig, mit wenigen spannenden Momenten.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Chapeau! Das muss man dem neuen „Tatort“ aus Berlin lassen. Noch bevor die ikonische Titelmusik von Komponist Klaus Doldinger erklingt, löst er bereits Kopfkino aus. Kalte, öffentlich-rechtliche Bildästhetik, Nebel über der Spree, dumpfe Streicher, die erblasste Haut einer Toten, die nicht identifizierbar ist. So oder so ähnlich. Liegt doch nahe bei einem Fernsehkrimi mit Titel „Erika Mustermann“. Oder etwa nicht?

Nein, ganz so berechenbar sind die folgenden 90 Minuten nicht. Doch leider ist das bereits der größte Twist. Dabei geht es spannungsgeladen los. Ein Lieferdienst-Fahrer hetzt mit dem Rad durch Berlin. Immer wieder blickt er panisch hinter sich. Schließlich wird er in einer Seitenstraße von einem Auto erfasst. Kein Zweifel: Das war kein Verkehrsunfall. Es war Mord.

Karow und Bonard überbringen eine traurige Nachricht

So sieht es auch Kommissar Robert Karow (Mark Waschke), der am Ort des Verbrechens eine weitere Auffälligkeit bemerkt: „Da fehlt ja der Lieferdienst-Rucksack.“ Immerhin, einen Personalausweis finden die Ermittler. Doch als Karow mit Kollegin Susanne Bonard (Corinna Harfouch) der Frau des Ermordeten die traurige Nachricht überbringt, dass ihr Mann tot sei, spaziert der plötzlich zur Tür herein. Wie sich herausstellt, hatte er seinen Perso verloren geglaubt.

Handelt es sich beim Opfer also um einen Max statt eine Erika Mustermann? Nicht ganz. Das Ermittler-Duo klärt schnell die wahre Identität des Toten. Der kam aus Venezuela und teilte sich in Berlin die Wohnung mit seinem Bruder und einem Freund. Da keiner von ihnen über gültige Aufenthaltspapiere verfügt, arbeiten sie unter falschen Namen als Fahrer bei einem Lieferdienst. Bei eben jenem entdeckt Karow nicht nur unlautere Anstellungspraktiken, sondern auch eine wiederkehrende Lieferadresse der drei „Rider“: die Bundesdruckerei.

Observieren in "Erika Mustermann" viel: Susanne Bonard (Corinna Harfouch, li) und Robert Karow (Mark Waschke, re)

Observieren in „Erika Mustermann“ viel: Susanne Bonard (Corinna Harfouch) und Robert Karow (Mark Waschke).

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Wie sich herausstellt, hatte das Opfer ein Verhältnis mit einer Frau, die dort als Sicherheitsmitarbeiterin arbeitet - und offenbar ein tägliches Bedürfnis nach Suppen und Keksen verspürt. Den Berliner Ermittlern schwant, dass etwas Größeres hinter den Essenslieferungen steckt. Doch Geld fehlt in der Bundesdruckerei keines. Ohnehin ist es mit ihren mehrfachen Sicherheitsvorkehrungen nahezu unmöglich, Banknoten verschwinden zu lassen. Warum also hatte es der Mörder auch auf den Rucksack des Lieferanten abgesehen?

Fall vier mit Harfouch und Waschke als Team ist eher behäbig

Anders als die vorangegangenen Fälle von Karow und Bonard ist „Erika Mustermann“ kein ambitionierter Politik-Thriller („Vier Leben“) oder interkultureller Deep Dive mit Serienmörder („Am Tag der wandernden Seelen“). Mit dem Drehbuch von Dagmar Gabler inszeniert Regisseur Torsten C. Fischer vielmehr einen konventionell-behäbigen „Tatort“. Statt allzu viel Spannung gibt es Verhöre, Überwachungsaufnahmen und Observationen im Dienstwagen.

Immerhin lässt man geschickt Raum für die unterschiedlichen Persönlichkeiten des Berliner Ermittler-Duos. Dabei ist es eins ums andere Mal die emphatische Susanne Bonard, die sich gegenüber dem ungeduldig brodelnden Karow durchsetzt und die Ermittlungen voranbringt. Schade also, dass es sich bereits um den vorletzten Fall von Corinna Harfouch als „Tatort“-Kommissarin handelt.

Den entscheidenden Hinweis liefert ein Nebensatz

Die schwerste Unwucht des Films bildet zweifelsohne der kriminelle Coup in seinem Zentrum. Der ist nämlich gehörig kompliziert konstruiert. Man stelle sich Danny Ocean vor, der 3D-Schach mit Insidern, ehemaligen Externen und anfälligen Sicherheitsprotokollen bei der Bundesdruckerei spielt. Ach ja, ein venezolanisches Drogenkartell spielt auch eine Rolle. Kein Wunder also, dass die Ermittler lange im Dunkeln tappen. Fast ist man dem Writers‘ Room dankbar, als sie einem Sicherheitsmitarbeiter endlich den vermeintlich beiläufigen Hinweis in den Mund legen: „Dokumentendruck, das Kerngeschäft der BDR.“

Erst da fällt es Karow und Bonard in Slow Motion und begleitet von pathetischen Geigen wie Schuppen von den Augen. Blöd nur, dass der Film da schon halb zu Ende ist. Gut, dass es einen schrulligen LKA-Hacker gibt, der die kriminellen Machenschaften fast beiläufig beim Carrera spielen durchdringt. Erst mit seinen Erkenntnissen nimmt der „Tatort“ wieder Fahrt auf. Leider ist es bereits zu spät.

Am Ende wird es zwar nochmal spannend, natürlich wird der Fall gelöst, beim Zuschauenden bleiben trotzdem Fragezeichen. So entpuppt sich „Erika Mustermann“ doch als Mysterium.

„Tatort: Erika Mustermann“ (Ausstrahlung)

„Erika Mustermann“ wird am Sonntag (2. November 2025) um 20.15 Uhr im Ersten ausgestrahlt. Der Film ist im Anschluss zwölf Monate in der ARD Mediathek abrufbar.