Thomas Billhardt ist tot: DDR-Fotograf mit 87 Jahren gestorben

Chronist der DDR-Geschichte: Thomas Billhardt vor seinen historischen Bildern im Fernsehturm. Am 23. Januar 2025 ist der Fotograf im Alter von 87 Jahren verstorben.
Annette Riedl/dpa- Thomas Billhardt, DDR-Fotograf, starb am 23. Januar 2025 im Alter von 87 Jahren.
- Bekannt für Reportagen weltweit, besonders aus Vietnam.
- Bildband „Augenblicke“ erschien 2024, zeigt wichtige Momente seines Lebenswerks.
- Billhardt arbeitete eng mit UNICEF zusammen, fotografierte Kinderprojekte.
- Berliner Galerie Camera Work zeigt bis 1. Februar seine Werke; Kondolenzbuch liegt aus.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Noch vor wenigen Wochen war er am Telefon, erzählte von seinem neuen, im Oktober 2024 im Mitteldeutschen Verlag erschienenen Bildband „Augenblicke“, auf den er so stolz war. „Da ist alles drin, was mir wichtig ist, mein Blick auf die DDR. Das ist mir ein Herzensbedürfnis“, so der Fotograf. Nun wurde bekannt, dass Thomas Billhardt am 23. Januar im Alter von 87 Jahren verstorben ist.
Geboren 1937 in Chemnitz, studierte Billhardt bis 1957 an der Fachschule für angewandte Kunst in Magdeburg. Bereits vor seinem Studium war er im Auftrag des Postkartenverlags „Bild und Heimat“ in der DDR unterwegs, und dokumentierte dann bis 1990 das Leben in seinem Land, was der Band „Augenblicke“ dokumentiert.
Billhardts Bilder, auch jene, die vor mehr als einem halben Jahrhundert entstanden sind, bleiben im Gedächtnis. Viele gingen um die Welt. Besonders als Chronist des Vietnamkrieges wurde er weit über die Grenzen der DDR hinaus bekannt. Das Foto der zarten vietnamesischen Soldatin, die einen hochgewachsenen US-Bomberpiloten abführt, bekommen bis heute viele Menschen nicht aus Kopf und Herz. David gegen Goliath. Es wurde zu einem Symbol der Antikriegsbewegung.
Leid und Schrecken des Krieges dokumentiert
Kurz vor seinem 85. Geburtstag versicherte Thomas Billhardt im Interview, dass gute Fotografien etwas bewirken können. Mit seiner Kamera dokumentierte er an vielen Brennpunkten der Erde Leid und Schrecken des Krieges, aber auch Hoffnung. Ein Fotograf, unterwegs in der Welt auf stiller Friedensmission. „Ich bin verzweifelt, dass man Menschen manipulieren kann, dass sie bomben und morden“, zeigte sich die Fotografen-Legende in großer Sorge über den Krieg in der Ukraine, die er einst im Frieden an der Drushba-Trasse erlebte.
Lustige Episoden wusste er von damals zu erzählen. Übrigens auch von der zeitweise in Hoyerswerda beheimateten Schriftstellerin Brigitte Reimann, mit der er 1964 auf Sibirienreise war, festgehalten in dem Buch „Das grüne Licht der Steppe“.
Unverwechselbare Bilder aus dem Alltag des verschwundenen Landes
Er war ein aufmerksamer Beobachter der Gegenwart, schaute nicht nur zurück, war ständig voller Pläne. Geboren 1937 in Chemnitz, führte ihn seine Mutter, die Porträtfotografin war, mit 14 Jahren in die Fotokunst ein und nahm ihn drei Jahre lang in die Lehre. Seine Diplomarbeit an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig befasste sich mit dem Berliner Alexanderplatz. 1979 dokumentierte er den Bruderkuss zwischen Breschnew und Honecker. Viele unverwechselbare Bilder aus dem Alltag des kleinen verschwundenen Landes gehören zu seiner fotografischen Hinterlassenschaft. Berühmtheit aber erlangte Billhardt vor allem durch seine weltweit publizierten Reportagefotografien aus rund 50 Ländern. Er war einer der ersten ausländischen Fotografen, die 1961 das abgeschottete Kuba besuchen durften.
Eine Initialzündung für den aufstrebenden Fotoreporter auf der Suche nach dem Moment, der Wahrheit und der Geschichte hinter den Bildern. „In seinen Reportagen und Porträts zeigte er die Welt nicht nur, sondern machte sie fühlbar und erlebbar“, würdigt ihn die Berliner Galerie Camera Work. Die Fotografen-Legende hat der Galerie sein Archiv bis 1999 überlassen. Noch bis 1. Februar sind dort im Empfangsraum ausgewählte Arbeiten von Thomas Billhardt zu sehen. Es liegt auch ein Kondolenzbuch aus.
Die Gelegenheit, die DDR für immer zu verlassen, hat Billhardt nicht genutzt, obwohl es an Angeboten nicht mangelte. Seine Bilder waren weltweit auf Ausstellungen zu sehen, von London und Paris über Moskau und Beirut bis nach Hanoi. Nur im wiedervereinigten Deutschland fühlte er sich zunächst wenig anerkannt: „Wer Erfolg in der DDR hatte, der wurde nach der Wende beschimpft“, beklagte er bei einem Auftritt im DDR-Museum im Januar 2023.
Billhardt fehlte es nicht an Mut. Er wusste, was er konnte, nutzte seine Chancen, musste Anfeindungen ertragen - und blieb sich doch treu. Besonders die Kinder waren Billhardt ans Herz gewachsen. Im Jahr 1988 hingen seine Fotografien in der Unicef-Ausstellung „Kinder der Welt“ in New York. Nach der Wende begleitete Thomas Billhardt mehrere Unicef-Projekte in Asien fotografisch.
Auch wenn es immer schwieriger wurde: Noch im hochbetagten Alter war Thomas Billhardt mit seiner Kamera unterwegs, um den Menschen ins Gesicht zu schauen, einzufangen, was sie berührt. Und so sind es diese Bilder voller Menschlichkeit, die bewegen und bleiben werden.
Der Link zur Galerie Camera Work: https://camerawork.de/
