Tim Burton in Berlin: Ausstellung entführt ins Universum des Kultregisseurs

Kürbiskönig Jack Skellington: Nur eine der vielen Figuren in der immersiven Ausstellung „Tim Burton’s Labyrinth“ in Berlin
Michael HeiderEtwas schaurig ist es schon. Plötzlich türmt sich diese Kreatur mit frenetischem Grinsen vor einem auf. Eine Marionette? Ein Clown? Ein Monster? Auf jeden Fall hoch wie ein Haus. Doch es hilft nichts. Weiter geht es nur unter den schlanken, schwarz-weiß gestreiften Beinen hindurch. Also los.
Was sich hinter der knarzenden Tür auftut, ist eine Welt skurriler Schönheit. Bewohnt von missverstandenen Kreaturen. Befreit von rechten Winkeln. Und dem Kopf eines Mannes entsprungen, der nicht wenigen als Genie gilt: Tim Burton.
„Tim Burton’s Labyrinth“ verzichtet auf riesige Leinwände und VR
„Tim Burton’s Labyrinth“ heißt die Ausstellung, die zur immersiven Erkundung seines Werks einlädt. Angesiedelt ist sie auf dem Berliner RAW-Gelände, selbst ein Ort skurriler Schönheit. In der dortigen Radsetzerei können Besucherinnen und Besucher bis 3. November die filmischen Welten des Kultregisseurs durchschreiten, vorbei an Originalzeichnungen, Animationen, Lichtinstallationen, Exponaten und technischen Spielereien.
Zweifelsohne sind immersive Ausstellungen im Trend. Zahllose Iterationen füllten schon Berlins Industriedenkmäler. Haushohe Leinwände, 360-Grad-Bildschirme, Virtual Reality – stets wird das Spektakel beworben und der Anspruch, Kunst zum Leben erwecken, dennoch selten erfüllt.
Vom Skizzenblock zum Blockbuster
Doch „Tim Burton’s Labyrinth“ ist anders. Die durch Europa wandernde Ausstellung höhlt die gezeigte Kunst nicht durch technische Großmannsucht aus. Sie unterstützt sie vielmehr. Aufgebaut wie ein spielerischer Rundgang führt sie durch Themenräume, die den Filmwelten Burtons nachempfunden sind. „Batman“, „Alice im Wunderland“, „Edward mit den Scherenhänden“, „Nightmare Before Christmas“ – nicht wenige sind Klassiker der Filmgeschichte.

Filmregisseur Tim Burton bei der Eröffnung von „Tim Burton’s Labyrinth“ in Madrid im Jahr 2022.
Atilano Garcia/dpaDie beeindruckenden Kulissen greifen die Stimmung ihrer filmischen Vorbilder wunderbar auf. Richtig interessant werden sie in Kombination mit der ausgestellten Kunst. Rund 150 Originalwerke hat Tim Burton beigesteuert. Bunte Öl- und Acrylgemälde, Aquarelle, Tuschzeichnungen, alle tragen sie die unverkennbare Handschrift des einstigen Trickfilmzeichners.
Dass auch frühe Skizzen von Figuren darunter sind, die später in die Filmgeschichte eingehen sollten – Edward mit den Scherenhänden etwa–, verleiht der Ausstellung eine besondere Komponente. Der Weg vom Skizzenblock zum Blockbuster, unter dem Dach der Radsetzerei ist er deutlich spürbar.
Tim Burton persönlich hat an der Ausstellung mitgewirkt
Wohl auch, weil der Kultregisseur selbst an der Ausarbeitung beteiligt war, erklärt der kreative Koordinator Álvaro Molina bei der Vorstellung der Ausstellung in Berlin. „Alles, was hier zu sehen ist, hat Tim Burton abgenickt. Wenn ihm die Hand einer Figur nicht groß genug war, hat er uns das sofort wissen lassen.“ Neun Monate habe es von der ersten Idee bis zur Premiere in Madrid 2022 gedauert, so Molina. In der spanischen Hauptstadt wurde die wandernde Ausstellung erstmals präsentiert.
Tim Burtons Werk in dieser Form zu präsentieren, liegt für den Setdesigner auf der Hand: „Das Konzept eines Labyrinths und die Welt von Tim Burton passen großartig zusammen. Das Unvorhersehbare und das Eintreten in magische Welten sind sehr präsent in seinem Werk.“
Die Immersion in Form von Originalwerken, teils liebevoll animiert, überlebensgroßer Filmfiguren und verschachtelter Räume, über denen die unverkennbare Filmmusik von Danny Elfman liegt, funktioniert tatsächlich sehr gut. „Tim Burton’s Labyrinth“ ist ein herrlich schräges Erlebnis.
„Tim Burton’s Labyrinth“
Die Ausstellung „Tim Burton’s Labyrinth“ läuft vom 19. Juli bis 3. November 2024 in der Radsetzerei in Berlin. Tickets gibt es ab 19 Euro hier.
Die Ausstellung ist jeweils mittwochs und donnerstags von 14 bis 20.30 Uhr geöffnet, freitags und samstags von 10 bis 21.30 Uhr und sonntags von 10 bis 20.30 Uhr. Montags und dienstags bleibt die Ausstellung geschlossen.
Weitere Informationen gibt es auf www.timburtonexhibition.com



