Prinzessinnen, Drachen, Abenteuer: Kleine Bücherwürmer wurden schon zu DDR-Zeiten in bunte Fantasiewelten entführt. Aber auch Alltagsgeschichten sind heute zu Klassikern geworden. Welches Kind kannte etwa nicht die Erzählung vom Jörg, der Zahnweh hatte, oder vom Rabauken Jochen?
Viele Kinderbücher aus jener Zeit können Kinder durchaus heute noch mitreißen. Einige davon haben Sie bestimmt selbst noch im Regal stehen. Falls nicht, hat die MOZ drei Tipps für zeitlose Klassiker:

Der ewige Pechvogel: „Alfons Zitterbacke“

Der zehnjährige Alfons Zitterbacke hat ständig Pech – vor allem mit seinem Nachnamen, der ihm von anderen Kindern den Spitznamen „Zitterbacke, Hühnerkacke!“ einbringt.
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Und auch seine Ideen enden meistens im Chaos. Etwa, wenn er genauso viele Muskeln wie Vater Zitterbacke haben möchte und deshalb sechzig Eier auf einmal zum Mittag isst. Oder wenn er sich in den Kopf setzt, ins Weltall zu fliegen, und dafür Schwerelosigkeit im Kettenkarussell simulieren will.
Das erste Buch über die Abenteuer von Alfons Zitterbacke erschien 1958. Der Kinderbuchheld von Gerhard Holtz-Baumert war in der DDR ähnlich bekannt wie das „Sandmännchen“ – auch dank einer DEFA-Verfilmung und einer gleichnamigen TV-Serie. Dass „Alfons Zitterbacke“ auch heute noch Kinder begeistern kann, zeigen der Film „Alfons Zitterbacke – das Chaos ist zurück“ von 2019 und sein Nachfolger „Alfons Zitterbacke – Endlich Klassenfahrt“ von 2022.
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In den Hauptrollen zu sehen: Alexandra Maria Lara und Devid Striesow als Alfons‘ Eltern sowie Katharina Thalbach als Schuldirektorin Dr. Girzig.

Vom „Drachen“ in Märchenwelten entführt

Der Held Lanzelot hat sich zum Ziel gesetzt, den furchtbaren Drachen zu besiegen, der die Stadt seit Jahren tyrannisiert. Von den Stadtobersten erhält er jedoch keinerlei Unterstützung; einzig seine Geliebte Elsa steht ihm bei. Und das Unmögliche gelingt: Lanzelot siegt, wird allerdings schwer verwundet und zieht sich zurück. Der Bürgermeister der Stadt erklärt deshalb, selbst den Drachen besiegt zu haben und Elsa heiraten zu wollen. Wird Lanzelot zurückkehren und Elsa retten?
Streng genommen ist „Der Drache“ von Jewgeni Schwarz kein klassisches DDR-Märchen, denn das Stück entstand schon 1943.
Seine Aufführung am Deutschen Theater in Ost-Berlin 1965 wurde allerdings zum großen Publikumserfolg. Bis heute wird die Geschichte von Theatern immer wieder neu aufgelegt – wie etwa 2014 von den Uckermärkischen Bühnen in Schwedt. Doch auch darüber hinaus bietet die Erzählung für Kinder einen Mehrwert: Sie thematisiert Tyrannei und Untertanengeist und ruft dazu auf, Ungerechtigkeit und Unterdrückung nicht hinzunehmen.

Wenn Gemüse für Gerechtigkeit kämpft

Robin Hood war gestern – jetzt kommt das Zwiebelchen! In dessen Welt wird das Gemüse vom königlichen Obst unterdrückt. Auch Zwiebelchens Vater wird auf Befehl von Statthalter Zitrone ins Gefängnis geworfen.
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Daraufhin zieht Zwiebelchen in die Welt, um von anderen Schurken zu lernen. Als er zurückkehrt, beginnt er, für seine unterdrückten Gemüsefreunde einzustehen.
Gianni Rodaris „Zwiebelchen“ war ein großer Erfolg in der DDR. Wie auch der „Drache“ lehrt das Buch, sich gegen Unterdrückung aufzulehnen und sich für seine Freunde und Familie einzusetzen. Die Geschichte ist zuletzt 2011 vom Leipziger Kinderbuchverlag in frischem Gewand aufgelegt worden. Dieser hat in den letzten Jahren unter anderem auch die Bücher zum „Kleinen Maulwurf“ und andere DDR-Klassiker neu herausgegeben. Übrigens: Katharina Thalbach liest das dazugehörige Hörbuch.

Die Ausstellung „Leseland DDR“ klärt über die Hintergründe der Kinderbücher auf

Die Ausstellung "Leseland DDR" erzählt von den vielfältigen Büchern, die in der DDR erschienen sind.
Die Ausstellung "Leseland DDR" erzählt von den vielfältigen Büchern, die in der DDR erschienen sind.
© Foto: Christina Flöhr
Dass politische Tyrannei und Protest gegen widrige Zustände nicht nur zufällig eine wichtige Rolle in DDR-Kinderbüchern spielen, sondern Autoren das Genre nutzten, um subtil Kritik gegen das DDR-Regime zu äußern, verrät die Text-Wanderausstellung „Leseland DDR“. Die Schau der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur macht zur Zeit Station in Eberswalde und ist bis zum 28.02.2023 in der Kreisvolkshochschule (KVHS) zu sehen. Nicht nur Kinderbücher stehen hier im Fokus, sondern die ganze Welt des Lesens in der DDR: Verbotene „Giftschrankliteratur“, Kochbücher, Krimis. Interessierte sollten zum Besuch in der KVHS unbedingt ihr Smartphone mitnehmen, denn über QR-Codes können zusätzlich Lesungen und Interviews zu den präsentierten Themen abgerufen werden. Die Hintergründe zu den vorgestellten Kinderbüchern etwa werden vom Leiter des DDR-Museums Stefan Wolle erklärt, der auch zu den Machern der Ausstellung gehört.
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In Zusammenarbeit mit der VHS Schwedt und dem Landkreis Uckermark wird darüber hinaus ein umfangreiches Begleitprogramm geboten. Im Januar 2023 sind etwa mehrere Science-Fiction-Buchverfilmungen der DEFA im Bürgerbildungszentrum „Amadeu Antonio“ zu sehen. Ab 1. Februar 2023 kann die Schau auch in der VHS Schwedt besichtigt werden. Wer mal wieder essen möchte wie bei Oma, sollte sich die Ausstellungseröffnung unbedingt im Kalender vormerken: Denn zum Probieren werden klassische Speisen aus dem Kochbuch „Wir kochen gut“ angeboten.

„Leseland DDR“ – Informationen zur Ausstellung und zum Begleitprogramm in Eberswalde

Ausstellung „Leseland DDR“
● zu sehen bis 28. Februar 2023
● Adresse: Kreisvolkshochschule Barnim, Fritz-Weineck-Str. 36, 16227 Eberswalde (im Erdgeschoss)
Begleitprogramm
● 12. Januar 2023, 18:30: „Utopia in Babelsberg“ – eine Dokumentation zu Science-Fiction-Filmen der DEFA, mit Benjamin Stöwe vom Star-Trek-Museum und dem Kuntshistoriker Dr. Marcus Becker. 8 Euro Eintritt ab 5 Teilnehmern, Bücher zum Tauschen können mitgebracht werden
● 18. Januar 2023, jeweils 15 und 18 Uhr – KopfKino „Der schweigende Stern“ mit Ralf Forster vom Filmmuseum Potsdam, keine vorherige Anmeldung nötig
● beide Veranstaltungen finden im Bürgerbildungszentrum „Amadeu Antonio“, Puschkinstr. 13, 16225 Eberswalde statt.