Vorweihnachtszeit: „Herrentuter“ wollen „Immaterielles Kulturerbe“ werden

Als Herrentuter waren bereits Domenik Sprecht (li.) und Marvin Queisser aktiv.
A. Koska/archFrüher war dieser Brauch im ganzen Fläming und der Zauche verbreitet, in Golzow, Nichel oder Ragösen ist es dokumentiert. Auch in den heutigen Ortsteilen im Bezirk Berlin-Spandau, in Tiefwerder und Pichelsdorf wurde der Brauch gepflegt.
Aktiv betrieben wird die Sitte jetzt jedoch nur noch in Cammer. Waren es vor einem Jahrhundert noch die Hirten, später der Nachtwächter sind heutzutage Jugendliche mit ihren Tröten und Schalmeien unterwegs und werden von allen Einwohnern sehnlichst erwartet. Die Frage „wer dieses Jahr tutet“ ist schon im Herbst Gesprächsthema im Dorf.
Auf Initiative des Tourismusvereins Zauche-Fläming und des Dorf- und Heimatvereins Cammer wurde jetzt ein Antrag gestellt, den Weihnachtsbrauch in die Unesco-Liste „Immaterielles Kulturerbe“ einzutragen. „Es sind auch andere kleinteilige Sitten in diesem Verzeichnis gelistet“, hat Initiator Andreas Koska keine Bedenken, dass die Bedeutung des Treibens zu gering für den Eintrag sei. Zum immateriellen Erbe gehören zum Beispiel der Pfingsttanz in der Verbandsgemeinde Mansfelder Grund-Helbra, der Osterräderlauf in Lüdge, das Wunsiedler Brunnenfest, die Flussfischerei an der Mündung der Sieg, die kunsthandwerkliche Herstellung von Darßer Türen oder die Ostfriesische Teekultur. Aus Brandenburg sind bislang nur die Bräuche der Lausitzer Sorben im Jahresverlauf aufgeführt. Dem Vernehmen nach, wollen Initiativen auch für das „Fläminger Platt“ sowie die Kultur des Spargelanbaus bei Beelitz eine Aufnahme in die Liste beantragen.
„Ich denke, dass der Antrag eine realistische Chance hat“, glaubt die verantwortliche Referentin im Brandenburgischen Kultusministerium Katrin Seitz. Und auch der Brücker Amtsdirektor Marko Köhler gehört zu den Unterstützern. „Es zeigt doch wie vielfältig die Zauche ist, das gilt es zu betonen“, glaubt der Verwaltungschef. Der angehende Pfarrer der Kirchengemeinde Planebruch-Golzow zu der Cammer gehört, Oliver Notzke will gar die Sitte in den anderen Orten beleben. „Ich könnte es mir in dem Golzower Ortsteil Pernitz gut vorstellen“, so seine Idee. Da auch die Landfrauen Potsdam-Mittelmark den Antrag unterstützen, hofft man auf Anerkennung.