Weihnachtslieder
: Kein „Last Christmas“? Die besten Alternativen für die Playlist

Jedes Jahr sind Weihnachtssongs wie „Last Christmas“ oder „All I Want For Christmas Is You“ nahezu omnipräsent. Dabei gibt es fantastische Lieder als Alternativen.
Von
Michael Heider
Berlin
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Shane MacGowan, ehemaliges Pogues-Mitglied auf der Bühne mit seiner Gruppe The Popes beim 10. jährlichen Fleadh in Finsbury Park. Der Sänger der anglo-irischen Punkband The Pogues, Shane MacGowan, ist tot. (zu dpa: «Pogues-Sänger Shane MacGowan ist tot») +++ dpa-Bildfunk +++

Eigentlich bekannt für Celtic Punk, doch an Weihnachten erweicht die Stimme des 2023 verstorbenen The Pogues-Sängers Shane MacGowan nicht nur die Herzen am Kneipentresen. (Archivfoto)

Michael Walter/dpa/PA Wire
  • Weihnachtssongs wie „Last Christmas“ dominieren zu Weihnachten, doch es gibt weniger bekannte Alternativen.
  • The Beach Boys: „Little Saint Nick“ (1963) verbindet Surfrock mit Weihnachtssound und festlicher Stimmung.
  • Dolly Parton: „Hard Candy Christmas“ (1982) thematisiert Verlust und Armut mit einem warmen Klang.
  • The Ramones: „Merry Christmas (I Don’t Want to Fight Tonight)“ (1987) plädiert für Harmonie zu Weihnachten.
  • The Pogues: „Fairytale of New York“ (1987) erzählt melancholisch von Heiligabend in der Ausnüchterungszelle.
  • Phoebe Bridgers: „If We Make Through December“ (2020) bringt Hoffnung in schwierigen Zeiten zur Weihnachtszeit.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Alle Jahre wieder die gleiche Leier? In Sachen Weihnachtssongs scheint es so. Moderne Klassiker wie „Last Christmas“ von Wham und Mariah Careys „All I Want For Christmas Is You“ oder althergebrachte Nummern wie „Feliz Navidad“ und „Jingle Bell Rock“ stürmen zur Adventszeit verlässlich die Charts.

Doch im Schatten dieser musikalischen Riesen, gibt es viele weniger bekannte, aber nicht weniger großartige Weihnachtslieder, die den Geist der besinnlichen Tage ideal vertonen. Hier einige Alternativen für die eigene Playlist.

The Beach Boys: „Little Saint Nick“ (1963)

Eigentlich sind sie für Surfrock und Klang-Experimente bekannt: die Beach Boys. Dass sich ihr einzigartiger Sound auch für andere Genres eignet, hat die legendäre US-Band mit ihrem Weihnachtsalbum bewiesen. Richtig gelesen. Die Platte mit dem schnörkellosen Titel „The Beach Boys’ Christmas Album“ enthält neben Neuinterpretationen von Weihnachtsklassikern auch Eigenkompositionen von Bandleader Brian Wilson.

Besonderes Highlight: „Little Saint Nick“. Glockenspiel, komplexe Harmonien und viel Christmas-Feeling. Die stimmungsvolle Nummer über den Weihnachtsmann und seinen Schlitten vereint das Beste zweier Welten. Warum auch nicht? Ein Schlitten surft schließlich über Schnee.

Dolly Parton: „Hard Candy Christmas“ (1982)

Das Leben kann hart, aber auch süß sein – genau wie Hartbonbons. So singt es Dolly Parton in „Hard Candy Christmas“. Der Titel ist in den USA eine Metapher für Weihnachten in armen Familien und erinnert an eine Zeit, in der Schokolade teuer war und das Geld vieler Eltern nur für billige, harte Süßigkeiten reichte. Geschrieben hat den Song die Broadway-Komponistin Carol Hall für „Das schönste Freudenhaus in Texas“.

In der 1982 erschienenen Filmversion des Musicals singt Dolly Parton das Stück in ihrer Rolle als Bordell-Leiterin Miss Mona. Später veröffentlichte der Country-Star den Weihnachtssong als Single. „Hard Candy Christmas“ handelt von Verlust und Auskommen mit dem Nötigsten und klingt dabei so weich und süß wie feinste Schokolade.

The Ramones: „Merry Christmas (I Don’t Want to Fight Tonight)“ (1987)

Weihnachten ist das Fest der Liebe. Eintracht ist das Gebot der Stunde. Ob das im Kreis der Familie immer funktioniert, sei einmal dahingestellt. Wer ein Plädoyer für Harmonie sucht, wird ausgerechnet bei den Ramones fündig. „Merry Christmas (I Don’t Want to Fight Tonight)“ heißt der Weihnachtssong, den die New Yorker Punklegenden 1987 auf ihr Album „Brain Drain“ packten.

Klingt nett, die Story dahinter, ist aber verstörend. Vermutet wird, dass Sänger Joey Ramone das Lied als Weihnachtsgeschenk und Entschuldigung an seine damalige Partnerin Angela Galetto schrieb. Vorausgegangen sein soll ein gewaltsamer Streit.

Herausgekommen sind zwei Minuten, die mit schnellen Powerchords und nasalem Gesang gewohnt nach Ramones klingen, zu Weihnachten aber nicht nur bei Punk-Fans Anklang finden dürften.

The Pogues: „Fairytale of New York“ (1987)

Heiligabend in der Ausnüchterungszelle. Eine traurige Vorstellung. Und trotzdem steht das Szenario im Kern eines der wohl schönsten Weihnachtssongs überhaupt. Ein solches Kunststück vermögen wohl nur The Pogues. In „Fairy Tale of New York“ nimmt der Sänger der Londoner Celtic Punk Band, Shane MacGowan, die Rolle eines irischen Einwanderers ein, der seinen Rausch in einer Ausnüchterungszelle in New York City ausschläft und von vergangenen Feiertagen träumt.

Das Duett mit der britischen Sängerin Kirsty MacColl vermischt auf grandiose Weise Irish Folk mit Elementen eines Weihnachtsliedes. Die 1987 veröffentlichte Ballade ist getragen von einer derart trinkselig-melancholischen Schönheit, dass nicht nur am Kneipentresen die Herzen weich werden.

Phoebe Bridgers: „If We Make Through December“ (2020)

Dass Weihnachten nicht für alle aus Geschenken besteht, daran erinnert der Text von „If We Make Through December“. Geschrieben hat den Song die Outlaw Country-Legende Merle Haggard Anfang der 70er. Vor dem Hintergrund einer damals desolaten Wirtschaftslage mit hoher Arbeitslosenzahl in den USA singt er über einen Mann, der seinen Job verloren hat und seinem Kind zu Weihnachten nichts schenken kann.

Thematisch treffsicher coverte die US-amerikanische Sängerin Phoebe Bridgers das Stück in der Corona-Zeit. Ihr zart gehauchter Gesang hüllt „If We Make Through December“ in ein völlig neues Gewand. Der wackelige Optimismus in Zeilen wie „Wenn wir es nur durch den Dezember schaffen, dann wird alles gut“ bekommt durch die Stimme der boygenius-Sängerin eine fast besinnliche Note. Und die könnte kaum weihnachtlicher sein.