Wettbewerb
: Goldener Bär für „There is no evil“ aus dem Iran

Im Iran hat Mohammed Rasoulof Filmverbot. Er konnte daher auch nicht zur Premiere nach Berlin kommen. Seinen Film hat er heimlich gedreht.
Von
Barbara Breuer
Berlin
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Schauspielerin Baran Rasoulof auf der Pressekonferenz von "There Is No Evil" (Sheytan Vojud Nadarad). Im Iran hat Regisseur Mohammed Rasoulof Filmverbot. Er konnte daher auch nicht zur Premiere nach Berlin kommen. Seinen Film hat er heimlich gedreht.

Britta Pedersen

Es sind die großen Fragen des Lebens, die der Iraner in „There is no evil“ im Wettbewerb der Berlinale durchdekliniert. Das so etwas durchaus packend sein kann, beweist er in vier Episoden, die immer wieder darum kreisen, dass sich Menschen schuldig machen oder eben nicht.

In ruhigen, langen Einstellungen zeigt er uns einen treusorgenden Ehemann, der sich liebevoll um seine Mutter, die Ehefrau und auch die kleine Tochter kümmert. Doch morgens, wenn der Rest der Welt noch schlummert, macht er einen grauenhaften Job.

Ähnlichem will ein junger Soldat entfliehen: Er soll den Eimer unter Menschen wegziehen, die zum Tode am Strang verurteilt worden sind. Doch den Wehrdienst zu verweigern, hieße auf einen Pass, den Führerschein und einen Job zu verzichten. Und so entbrennt unter den jungen Rekruten eine hitzige Diskussion um Gut und Böse, Pflichterfüllung und Mitgefühl.

Daran mangelte es auch einem weiteren Protagonisten, der sich auf ewig schuldig gemacht hat. In der Familie mit seinem unmenschlichen Handeln konfrontiert, beruft er sich auf Gesetze, die von mächtigeren Menschen gemacht wurden als er es sei. Seine Schwiegermutter weiß es besser und erklärt: „Nein zu sagen, darin besteht die Macht jedes Einzelnen.“

Und damit hadern und ringen sie alle auf ihre ganz individuelle Art und Weise. Das Schicksal der Protagonisten aus den einzelnen Episoden ist nicht direkt durch die Handlung verbunden, doch sie alle diskutieren ähnliche Fragen. Entscheidend ist dabei, wie so oft, die Perspektive: Selbst die, die sich gegen das Töten wenden, katapultieren ihre Familien mit dieser Entscheidung ins Aus und machen sich damit auf anderer Ebene angreifbar.

Der Regisseur hat Ausreiseverbot

Auch Mohammad Rasoulof steht oft am Pranger. Er verstieß mit seinen drei Vorgängerfilmen in seinem Heimatland gegen den Strafbestand „Propaganda gegen den Staat“. Das daraus resultierende Ausreiseverbot gilt bis heute. Zur Berlinale kam der Regisseur deshalb nicht. Schriftlich teilte er mit: „Es tut mir leid, dass ich nicht kommen kann, um meinen Film gemeinsam mit dem Publikum zu sehen. Das Recht darauf, selbst über meine An– oder Abwesenheit zu entscheiden, ist mir nicht gegeben. Die Durchsetzung solcher Restriktionen verrät die intolerante und despotische Haltung der iranischen Regierung nur allzu deutlich.“ Und macht außerdem klar, wie wichtig solche Filme und wie mutig Regisseure wie Mohammad Rasoulof sind.

Viele Menschen haben geholfen

Ohne sein Drehbuch von der Regierung absegnen zu lassen und auf die Drehgenehmigung zu warten, wurde „There is no evil“ zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Orten gedreht. Viele couragierte Menschen halfen dem Regisseur dabei, das Projekt umzusetzen. Mohammad Rasoulof wird weiter machen und sagt hoffentlich noch lange „Nein“ zur Selbstzensur. Schon dafür hat er den Bären verdient — und sein wichtiger Film auch.

„There is no Evil“: Wettbewerb, 29.2. 10 Uhr HdBF, 12.30 FSP, 1.3. 21.30 Uhr HdBF