Wettbewerb: Recht auf Abtreibung: Eliza Hittmans Berlinale-Beitrag

Sidney Flanigan in "NEVER RARELY SOMETIMES ALWAYS". Der Film von Eliza Hitman ist eine Coming-of-Age-Story mit der faszinierenden jungen Protagonistin Sidney Flanigan
Courtesy of Focus FeaturesEine Art permanente Abwehrhaltung kennzeichnet die Protagonistin in dem ergreifenden Coming-of-Age-Drama mit dem kuriosen Titel „Never Rarely Sometimes Always“ (Niemals. Selten. Manchmal. Immer.) Das hat die New Yorker Drehbuchautorin und Regisseurin Eliza Hittman mit in die Hauptstadt gebracht. Auch ihren dritten Spielfilm widmet sie jungen Menschen an der Schwelle zum Erwachsensein. Autumn ist die Hauptfigur in diesem Wettbewerbsbeitrag der Berlinale und neben Paula Beer ("Undine") eine würdige Anwärterin auf den Bären für die beste Schauspielerin.
Das 17-jährige Mädchen ist ungewollt schwanger und darf an ihrem Wohnort in Pennsylvania nicht ohne elterliche Zustimmung abtreiben lassen. Kurzerhand fährt sie begleitet von ihrer Freundin nach New York, wo sie in einer Klinik für Schwangerschaftsabbrüche landet.
Dort spielt eine der stärksten Szenen des Films, die gleichwohl für das Erwachsenwerden des Mädchens steht: „Never. Rarely. Sometimes. Always?“, fragt die Sozialarbeiterin in der Klinik. Das sind die vorgefertigten Antwortmöglichkeiten, die Autumn hat, als sie zu ihrem Sexualleben befragt wird. „Hat Dich schon mal jemand ohne Deine Zustimmung zum Sex gezwungen?“, ist nur eine der Fragen, bei denen die Lippen des sonst kaum Emotionen zeigenden Mädchens zu zittern beginnen. Dann rollen ein paar Tränen ihr Gesicht herunter. Geschafft.
Das Interview ist vorbei und Sidney Flanigan kann Autumn wieder mit wenig Mimik und kleinen Gesten die faszinierende „Leck-mich-Haltung“ verleihen. Die ergänzt ganz wunderbar Autumns Entschlossenheit: Sie will dieses Kind nicht und setzt sich damit gegen alle ideologische Wiederstände durch.
26.2.12.15 Uhr HdBF, 15 Uhr FSP, 28.2. 19 Uhr FSP, 1.3. 19.30 Uhr FSP