„Er ist mit 150 Prozent Aufmerksamkeit und mit dem vollen Herzen beim Patienten.“ Hauptdarsteller Merab Ninidze schwärmt im Interview geradezu von seiner Filmfigur. Kein Wunder: Dr. Amin Ballouz hat neben körperlichen Problemen auch die Seele seine Patienten im Blick. Er trifft immer den richtigen Ton – mal direkt, dann wieder feinfühlig. Ist nie arrogant, dafür irre kompetent. Dieser melancholische Bilderbuch-Arzt mit Migrationshintergrund hat sich ausgerechnet in der Uckermark niedergelassen. Jetzt gibt es sechs neue Folgen von „Doktor Ballouz“.

Sendetermine: Wann läuft die zweite Staffel im Fernsehen?

  • Los geht es am Donnerstag, 21. April, zur Primetime um 20.15 Uhr im ZDF. Dann laufen gleich zwei Folgen hintereinander.
  • An den folgenden Donnerstagen (28. April und 5. Mai) kommen jeweils weitere Doppelfolgen.
  • In der ZDF-Mediathek sind alle Folgen bereits ab 14. April verfügbar (für ein Jahr).
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Worum geht es in der Fortsetzung?

Zuschauer können sich wie gewohnt auf einen klaren Ablauf einstellen: Jede Folge dauert 45 Minuten und in dieser Zeit werden Dr. Amin Ballouz und seine Kollegen und Kolleginnen mit zwei medizinischen Fällen konfrontiert. Beleuchtet werden nicht nur Krankheitsbilder (mal eher klassisch, mal rätselhaft), sondern auch die Lebensumstände der Patienten. In Folge 2 „Lieben und Lassen“ geht es zum Beispiel um Hanna (Soma Pysall): Die junge Frau hat Berlin den Rücken gekehrt und mit ihrem Freund Jan (Tino Mewes) einen renovierungsbedürftigen Bauernhof erworben, auf dem sie altes Saatgut kultivieren wollen. Eigentlich kommt sie nur wegen einer Platzwunde in die Klinik. Aber dann stellt sich heraus, dass ihr der Verlust des Augenlichts droht! Damit könnte auch der gemeinsame Traum zerbrechen …
Fortlaufend weitererzählt werden über die Folgen die persönlichen Baustellen des medizinischen Personals, vor allem ihre Beziehungsprobleme.

Was ist bisher passiert?

Die erste Staffel hat das ZDF im April 2021 ausgestrahlt. Hauptfigur ist Amin Ballouz. Er hat eine Migrationsgeschichte, die aber nicht vertieft wird, jedenfalls fand er vor langer Zeit in der Uckermark ein neues Zuhause. Dort lebte er viele Jahre glücklich mit seiner Frau Mara (Clelia Sarto) und arbeitete als Arzt in der nahen Klinik. Bis seine Frau verunglückt und unter seinen Händen stirbt – für ihn bricht die Welt zusammen. Verzweifelt lässt er Arbeit und die gewohnte Umgebung für eine lange Zeit hinter sich und sucht Abstand. Die Zuschauer lernten ihn am Tag seines Wiedereinstiegs ins Arbeitsleben kennen: Er wird zufällig Zeuge eines Radunfalls – das Leben einer hochschwangeren Frau ist bedroht. Und Ballouz kehrt mit ihr zusammen im Krankenwagen an seine alte Klinik zurück.
Ballouz ist bodenständig und wirkt durch Markenzeichen – sein blauer Trabi oder sein zerknitterter beigefarbener Trenchcoat – etwas aus der Zeit gefallen. Dafür hat er ein großes Herz und wird von seinen Patienten hoch geschätzt, für die er sich ausgiebig Zeit nimmt und ihnen große Empathie entgegenbringt. Schon als seine Frau noch lebt, ist die Klinik der Mittelpunkt seines Lebens.

Wie viel an „Doktor Ballouz“ ist real und wie viel fiktiv?

Es gibt einen echten Arzt, der Dr. Amin Ballouz heißt. Er arbeitet allerdings nicht in einer Klinik als Chefarzt, sondern hat eine Hausarztpraxis in Schwedt. 2015 ist das Buch „Deutschland draußen: Das Leben des Dr. Amin Ballouz, Landarzt“ erschienen, das der Journalist Jasper Fabian Wenzel über ihn geschrieben hat. An Ballouz’ Biografie – er stammt aus dem Libanon, studierte in der DDR – ist die fiktive Serie ganz lose angelehnt.
Die ZDF-Serie ist tatsächlich teilweise an Schauplätzen in der Uckermark gedreht. Die idyllisch an einem See gelegene Klinik heißt in der Serie „Krankenhaus Uckemark“, ein solches Krankenhaus gibt es in echt weder in Schwedt noch in Prenzlau – gedreht wurde unter anderem in der Akademie der Künste am Hanseatenweg in Berlin.
Gedreht wurde von August bis Oktober 2021. Die Studio-Aufnahmen absolvierte das Team in Berlin, aber zahlreiche Drehtermine haben auch vor Ort in der Uckermark stattgefunden – zum Beispiel in Templin oder Boitzenburg, am idyllischen Oberuckersee und auch im Nationalpark Unteres Odertal, in der östlichen Uckermark.
Fiktiv ist auch, wie viel Zeit sich das Personal für jeden Patienten nimmt, und dass jede noch so komplizierte Therapie in diesem Provinzkrankenhaus möglich ist. Und das auch noch spätestens am Tag nach der Diagnose!

Wer ist neu dabei?

Alle Hauptfiguren aus Staffel 1 sind noch da: Dr. Ballouz (Merab Ninidze) und Dr. Barbara Forster (Julia Richter), die eine kollegiale Freundschaft verbindet; Dr. Mark Schilling (Daniel Fritz) und die junge Assistenzärztin Michelle Schwan (Nadja Bobyleva) sowie Putzkraft Vincent (Vincent Krüger). Neu im Team ist Helene Grass als Eva Schmidt; eine Tochter des Literaturnobelpreisträgers Günter Grass. Die 47-Jährige spielt in der Serie die Leiterin der Krankenhaus-Wäscherei, die nicht nur Ordnung in die Klamotten des Klinikpersonals bringt, sondern auch ins Liebesleben des Titelhelden. Sie sagt im ZDF-Interview: „Mit Merab habe ich mich von Anfang an gut verstanden, was natürlich für die wachsende Verbundenheit von Ballouz und Eva sehr hilfreich war. Aber wir sind ja alle Profis, wir hätten das auch gespielt, wenn wir uns nicht riechen könnten …“.
Als Episodendarsteller sind zum Beispiel die großartige Carmen Maja Antoni oder das aus der Funk-Serie „Druck“ bekannte Nachwuchstalent Lukas von Horbatschewsky dabei. Und einen tollen Auftritt hat auch Ursula Werner („Wolke Neun“) als knurrige Wirtin einer Dorfgaststätte.

Arztserien gibt es viele - was ist das Besondere an „Ballouz“?

Der Charakter der Titelfigur! Amin Ballouz alias Merab Ninidze ist einfach supersympathisch. Anders als einst Vorgänger Klausjürgen Wussow in der „Schwarzwaldklinik“ ist dieser Arzt kein „Halbgott in Weiß“, sondern ein gebrochener, melancholicher Held, der mit schmutzigen Hemden und tiefer Trauer kämpft. Dabei ist er empathisch und fantasievoll – so wird schon mal ein Kuschelhase geröngt, um das Vertrauen eines verstörten Kindes zu gewinnen.
Und dann die Dialoge – klingen nicht so künstlich, wie sonst oft in deutschen Serien, sondern als würden echte Menschen reden. Das Ensemble harmoniert toll, die auf den ersten Blick simpel gezeichneten Figuren offenbaren öfter mal unerwartete Seiten. Und natürlich die Landschaft – wunderschön, strukturschwach, liebenswert.
Die Serie (Headautorin Conni Lubek, Regie: Felix Ahrens, Florian Gottschick) will kein Arthouse sein – sondern ein gutes Gefühl liefern, gerne auch Trost spenden und Mut machen. Aber warum auch nicht, wenn es so unaufgeregt-sympathisch und mit etwas brandenburgischer Eigensinnigkeit daherkommt?

Was macht Brigitte?

Die Katze Brigitte ist weiter dabei, davon kann man sich gleich zu Beginn der ersten neuen Folge überzeugen. Schauspieler Merab Ninidze sagt über das Filmtier: „Brigitte ist eine der wertvollsten Figuren in dem Drehbuch, schon in der ersten Staffel. In der zweiten Staffel schleppt sie einen Freund, einen Kater, mit nach Hause, und das inspiriert Ballouz dazu, sich Gedanken zu machen. Ich glaube, er beginnt, dem Beispiel Brigittes folgend, sich anderen Menschen zu öffnen oder eine neue Liebe zu suchen. Die Katze spielt immer wieder eine wichtige Rolle.“
Mehr zu Dr. Ballouz in TV und Realität gibt es auf einer Themenseite.