zur Berlinale
: Der wahre Schatz ist das Publikum

Es heißt Abschied zu nehmen: Dieter Kosslick eröffnet seine 18. und letzte Berlinale.
Von
Magdi Aboul-Kheir
Berlin
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Magdi Aboul-Kheir

SWP

Doch heute beginnt erstmal die 18. und letzte Berlinale mit Dieter Kosslick als Direktor. Der Schwabe stand in den vergangenen Jahren zunehmend in der Kritik. Und ja, mit der programmatischen Ausweitung mag die Berlinale an Profil und Relevanz verloren haben — gerade in Konkurrenz zu Cannes und Venedig. Besonders der Berlinale–Wettbewerb hatte zuletzt zuweilen den Eindruck eines Gemischtwarenladens gemacht. Doch wäre es absurd, angesichts von mehr als 400 Filmen in den diversen Sektionen zu sagen, die Berlinale böte nichts Sehenswertes. Sonst wäre sie kaum das größte Publikumsfestival der Welt. Außerdem stand Kosslick nicht nur für das „kulinarische Kino“, sondern für eine oft dezidiert politische Haltung. Und wer seine Arbeit objektiv zu bewerten versucht, sollte sich nicht nur vergegenwärtigen, was für ein vitaler Kommunikator er ist, sondern dass sich der cineastische Markt in heftigen Umbrüchen befindet. Wie soll ein Festival–Macher alles richtig machen: zwischen Europa, Hollywood und Weltkino? Auch wird der Festival–Kalender immer umkämpfter.

Ob die Berlinale 2019 Kosslick ein Happy End beschert, wird man sehen. Einen würdevollen Abschied hat er verdient! Und danach? Die Wahl von Carlo Chatrian spricht nicht dafür, dass man einen radikalen Neustart will. Man hat sich nicht für einen Paradiesvogel oder Quereinsteiger entschieden, sondern für einen Fachmann, dem mit Mariette Rissenbeek eine zahlenkundige Fachfrau zur Seite steht. Die beiden sollen etwas wagen dürfen, aber dabei stets beherzigen, dass Filme von Menschen für Menschen gemacht werden. Diesbezüglich hat Dieter Kosslick gewiss Recht. Seine Nachfolger sollen eines nicht vergessen: „dass der wahre Schatz der Berlinale seit 1951 das Publikum ist“.