Armutsbericht 2025 der Regierung
: Ab wann man als arm gilt

Ab wann man selber als arm gilt und welche Ergebnisse der neue Armuts- und Reichtumsbericht 2025 der Bundesregierung liefert.
Von
Lisa Klopp-Jaber
Berlin
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Eine ältere Person hält im öffentlichen Raum eine geöffnete Geldbörse in der Hand, aus der ein 20-Euro-Schein hervorschaut. Im Bundestag steht am Freitag die Entscheidung über die geplante Rentenreform an, die ein stabiles Rentenniveau, erweiterte Kindererziehungszeiten, steuerfreie Zuverdienstmöglichkeiten im Alter und weitere Änderungen in der Altersvorsorge vorsieht. +++ dpa-Bildfunk +++

Ab wann man als arm gilt und welche Einblicke der Armuts- und Reichtumsbericht 2025 der Bundesregierung gibt.

Sina Schuldt/dpa

Das Bundeskabinett hat am 3. Dezember 2025 den Siebten Armuts- und Reichtumsbericht beschlossen. Der Berichtszeitraum umfasst auch Krisenphasen, wie die COVID-19-Pandemie und die Inflations- und Energiepreiskrise infolge des Kriegs in der Ukraine.

Welche Ergebnisse der Bericht liefert und ab wann man selbst als arm gilt.

Neu in dem Bericht sind unter anderem eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Nichtinanspruchnahme von Mindestsicherungsleistungen, sowie erstmalig eine Betrachtung der sozialen Herausforderungen und Chancen im Kontext von Klimawandel und Dekarbonisierung. Außerdem wurde ein eigener Beteiligungsprozess eingerichtet, in dem Menschen mit Armutserfahrung einbezogen wurden.

Ergebnisse des Armuts- und Reichtumsberichts 2025

  • Materielle Entbehrung: 17,6 Prozent der Menschen in Deutschland müssen auf wichtige Güter, Dienstleistungen oder Aktivitäten verzichten.
  • Einkommensungleichheit (zwischen 2010 und 2020): Die verfügbaren Haushaltseinkommen stiegen zwar in allen Schichten, aber stärker bei Gutverdienenden. Geringverdiener wurden durch Inflation und Kostensteigerungen besonders belastet.
  • Vermögensverteilung: Die Ungleichheit beim Vermögen hat sich nur verringert. Die obersten 10 Prozent besitzen laut Bericht nun 54 Prozent des gesamten Nettovermögens (2010/11 waren es 59 Prozent).
  • Der Bericht stellt fest, dass viele Menschen subjektiv eine stärkere soziale Ungleichheit wahrnehmen. Sie schätzen Armut und Reichtum als größer ein, als es statistische Standarddefinitionen anzeigen. Es gibt also eine Diskrepanz zwischen objektiven Indikatoren und subjektivem Empfinden. Die gesellschaftliche Wahrnehmung weicht oft ab.

Was in dem Armuts- und Reichtumsbericht vorkommt

Der Bericht untersucht erstmals, warum viele Anspruchsberechtigte Sozialleistungen nicht beziehen. Ein Schwerpunkt liegt also auf der Effektivität des Sozialstaats. Er nimmt soziale und wirtschaftliche Auswirkungen von Klimawandel und Dekarbonisierung in den Blick - wie Umwelt- und Energiepolitik soziale Ungleichheiten beeinflussen kann. Der Erstellungsprozess wurde durch Beteiligung von Menschen mit Armutserfahrung ergänzt, was für mehr Transparenz und Realitätsnähe sorgen soll.

So viele Menschen und besonders Kinder sind armutsgefährdet

Laut dem offiziellen Statistikamt Statistisches Bundesamt (Destatis) waren 2024 knapp 15,2 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland armutsgefährdet. Das entspricht rund 2,2 Millionen Kindern und Jugendlichen. Die Gesamtbevölkerung wies 2024 eine Armutsgefährdungsquote von etwa 15,5 Prozent auf. Damit liegt die Gefährdung von Kindern leicht unter jener der Gesamtbevölkerung.

Ab wann gilt man selber als arm?

Laut Statistischem Bundesamt gilt eine Person als armutsgefährdet, wenn das Netto-Äquivalenzeinkommen weniger als 60 Prozent des Medianeinkommens beträgt. Das Medianeinkommen in Deutschland für das Jahr 2025 liegt ungefähr bei 45.800 Euro brutto pro Jahr, was 3817 Euro brutto pro Monat entspricht. Es gibt allerdings stark abweichende Angaben, wie hoch das Medianeinkommen in Deutschland tatsächlich ist. Der Wert stellt den mittleren Verdienst dar, bei dem die eine Hälfte der Vollzeitbeschäftigten mehr und die andere weniger verdient. Für eine alleinlebende Person bedeutet dies im Jahr 2025, laut Focus online, ein Einkommen von unter circa 1378 Euro netto pro Monat.

Kritik an dem aktuellen Armuts- und Reichtumsbericht 2025 der Bundesregierung

Einige Sozialforscher, wie Christoph Butterwegge, kritisieren, dass der Bericht bei der Darstellung von Reichtum zu vorsichtig sei. Sie warnen, dass besonders Hochvermögende und extreme Ungleichverteilungen in der offiziellen Statistik kaum abgebildet werden könnten. Dadurch werde die tatsächliche Ungleichheit unterschätzt. Damit bleibt umstritten, wie gut das offizielle „Vermögensbild“ tatsächliche Extremvermögen und soziale Scheren erfassen kann.