Ausbruch Maul- und Klauenseuche: Die Seuche, die DDR und die Stasi – aus dem Archiv

Maul- und Klauenseuche in Brandenburg ausgebrochen: Ein gekäultes Tier wird aus einem Stall, in dem die Maul- und Klauenseuche festgestellt wurde, abtransportiert. In der DDR rief die Maul- und Klauenseuche auch die Stasi auf den Plan – aus dem Archiv.
Sebastian Christoph Gollnow/dpa- Maul- und Klauenseuche in Brandenburg erinnert an DDR-Ausbruch 1982.
- 1982: Defekte Abwasseranlage führte zum Ausbruch auf Rügen.
- Stasi-Berichte betonen Sicherheitsrisiken und erschreckenden Zustand.
- Nach der Wende Sanierungen, neue Hochsicherheitslabore auf Riems.
- Artikel aus Märkischer Oderzeitung, 21. September 2010.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Im September 1982 versagt die desolate Abwasserdesinfektionsanlage im Tierseuchenforschungsinstitut der DDR auf der Insel Riems. Eine Woche später bricht die hochinfektiöse Maul- und Klauenseuche (aktueller Liveticker) auf der Nachbarinsel Rügen aus.
Aus dem Institut auf Riems sind in den 1980er Jahren mehrfach Abwässer in den Greifswalder Bodden geflossen. Wie Dokumente erstmals belegen, konstatierte das Ministerium für Staatssicherheit wiederholt „ein erhebliches Risiko hinsichtlich einer möglichen Tierseuchenerregerverschleppung aus dem VEB FLI“.
1982 Ausbruch der Maul- und Klauenseuche auf Ostsee-Insel Rügen
1982 untersuchten Experten der Akademie der Landwirtschaften einen Zusammenhang zwischen dem Ausbruch der hochinfektiösen Maul- und Klauenseuche auf Rügen und der defekten Abwasserdesinfektionsanlage im Friedrich-Loeffler-Institut, wo an hochgefährlichen Erregern geforscht wurde. Grund für den Verdacht war ein zeitlicher Zusammenhang zwischen dem Ausfall der automatischen Steuerung der Abwasserdesinfektionsanlage Anfang September 1982 und dem Ausbruch der Rinderseuche auf Rügen eine Woche später. Die Experten kommen nach einer Untersuchung zu keinem klaren Ergebnis.
1987 und 1988 soll es laut Stasiberichten nach starken Regenfällen zu einem Überlaufen der Auffangbehälter für virushaltige Abwässer gekommen sein. Die Abwässer seien dann in den Greifswalder Bodden abgeflossen. Zeitzeugen wie der Ex-Produktionsdirektor Siegurd Tesmer bestätigen den Austritt von Abwässern in den Greifswalder Bodden.
Ob diese – wie in den Stasi-Berichten angegeben – infektiös gewesen seien, könne er nicht sagen. Vorstellbar sei es. „Bei dem desolaten Zustand konnte niemand die Hand dafür ins Feuer legen, dass dies nicht so war.“
Maul- und Klauenseuche: DDR-Institut wurde zum Sicherheitsrisiko
In den DDR-Medien wegen der Impfstoffe gegen Schweinepest hochgelobt, lebte das Institut in den 1980er Jahren von der Substanz und wurde unter den Augen der Stasi zum Sicherheitsrisiko. Eine EG-Untersuchungsgruppe besuchte 1988 die Impfstoffproduktion und bezeichnete den „baulichen und technischen Zustand als erschreckend“.
Nach der Wende wurden Sanierungsarbeiten im Institut auf Riems begonnen. Später entstand ein neuer Forschungskomplex mit Hochsicherheitslaboren und -ställen höchster Sicherheitsstufe.
*Der Artikel erschien am 21. September 2010 in der gedruckten Ausgabe der Märkischen Oderzeitung.


